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Fehlerhaftes Buch: Mit Kafka die Medien getäuscht

16.11.2011 | 18:36 |  EVA WINROITHER (Die Presse)

Hinter der fehlerhaften Edition von „Das Schloss“ steht die Aktionsgruppe „The BirdBase“. Sie will auf die schlechte Bildung in Österreich aufmerksam machen.

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Eine vor Fehlern strotzende Ausgabe von Franz Kafkas Roman „Das Schloss“, die an Schulen in Österreich und Deutschland verteilt und angeblich EU-finanziert wurde: Das sorgt seit gut drei Wochen für Empörung und Irritation. Doch es war ein Hoax, ein „Grubenhund“, wie ihn Karl Kraus einst praktizierte. Ein practical joke, eine scherzhafte Aktion mit ernstem Anliegen. Und alle, die sich mit dem Thema befasst haben, sind darauf hereingefallen.

Dahinter steht die Aktionsgruppe „The BirdBase“, die mit der ungewöhnlichen Aktion Kritik am schlechten Bildungssystem in Österreich üben wollte. „Wir wollen, dass über das Bildungs- und Schulsystem in Österreich gesprochen wird, wir wollen, dass ein Land wieder redet, denkt und nicht vor sich hin schweigt. Denn wenn sich nichts ändert, werden vielleicht in 20 Jahren solche Bücher der Normalfall sein“, schrieb die Gruppe gestern, Mittwoch, in einem E-Mail an die „Presse“.

Wer oder was „The BirdBase“ genau ist, will die Gruppe nicht sagen. Denn: „Wir planen schon die nächste Aktion“, sagt Sprecherin Elisabeth S., 26 Jahre alt und studierte Publizistin. Ihren Angaben nach umfasst „The BirdBase“ jedenfalls 100 Teilnehmer, die in Österreich leben, zwischen 20 und 55 Jahre alt, politisch unabhängig und gut gebildet sind. Alles vorwiegend Akademiker, die „ziemlich unzufrieden mit dem Bildungssystem sind, weil die Politiker einfach nichts machen“, sagt S. Auch viele Lehrer sind angeblich dabei. Und „von irgend woher muss die Unzufriedenheit ja kommen“.

Das EU-weite Leseprojekt, für das das (mit einem EU-Logo versehene) Kafka-Buch angeblich zwei Millionen Mal gedruckt wurde, ist jedenfalls frei erfunden, ebenso wie die EU-Förderung (mit angeblich 345.000 Euro) und der ominöse Verlag „Gehlen & Schulz“. „Es gibt diese Auflage so nicht, es gibt auch keinen Verlag, keine weiteren Bücher und schon gar keine Fördermittel“, bestätigt S. Tatsächlich wurden nur 1000 Stück gedruckt und an neun Schulen in Österreich und Deutschland verschickt. „Wir haben die Aktion auf Deutschland ausgeweitet, um den medialen Druck zu erhöhen“, erklärt S.

Gedruckt in Polen um 2000 Euro

Seit Mittwoch gibt auch ein YouTube-Video auf der Facebook-Seite der Gruppe Auskunft über die Entstehung des Buches: Es wurde gescannt und dann mit exakt 1850 Fehlern (schwere Rechtschreibfehler plus völlig unverständliche Passagen) gedruckt. Übrigens in Polen und nicht, wie im Impressum angegeben, in Litauen. Gekostet hat der Spaß rund 2000 Euro. Alles selbst finanziert und in rund 500 Arbeitsstunden umgesetzt. „Wir arbeiten seit Jänner daran“, sagt S.

Funktioniert hat der Schwindel jedenfalls einwandfrei: Die „Kronen Zeitung“ hat den Hoax aufgegriffen („Neues Schulbuch voller Fehler!“), die deutsche „FAZ“ hat das Thema weitergespielt, bis die Geschichte schließlich am Dienstag ihren Weg wieder zurück nach Österreich in die „Wiener Zeitung“ und die „Presse“ fand. Auch weil die Gruppe mit dem fiktiven Verlagsherausgeber „Adrian Schulz“ in einer „offizielle Stellungnahme“ noch einmal dick auftrug: „Die ganze Aufregung um ein paar Tippfehler verstehe ich nicht. Totalitäres Geschwätz“, stand darin. „In Nordkorea ist bestimmt jeder Buchstabe dort, wo er sein soll. Das wäre doch das, was ihr wollt. Staatskonformer Mist, richtig buchstabiert.“ Das ließ manche grübeln: Steht da ein Verrückter dahinter?

Abgekupferte ISBN-Nummer

Ein unabsichtlicher Fehler ist der Gruppe trotzdem unterlaufen: Die ISBN-Nummer im Buch ist nämlich von Thomas Glavinics Buch „Lisa“ abgekupfert („Die Presse“ berichtete) und damit aus rechtlicher Sicht gestohlen. „Das haben wir nicht gewusst“, sagt S. Ob der Hanser Verlag trotzdem rechtliche Schritte einleiten will, bleibt abzuwarten.

Konkrete Forderungen hat die Gruppierung nicht: „Wir wollen die Leute zum Reden bewegen und hoffen, dass so vielleicht auch die Politiker aufmerksam werden“, erklärt S. „Denn nur so kann etwas passieren.“ Ob sich „BirdBase“ in ihrer nächsten Aktion wieder auf das Bildungssystem konzentriert, lässt S. offen: „Aber nach Weihnachten werden Sie wieder von uns hören.“ Dass die Aktion wieder ein paar Gemüter verärgern, zumindest aber beschäftigen wird, ist anzunehmen. Denn wie heißt es im E-Mail? „Wir brauchen keine Zustimmung, wir brauchen Diskussion.“

Das Video

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.11.2011)

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39 Kommentare
 
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Wieso wegwerfen,

ein Buch, das einen Teil eines originellen Kunstprojektes bildet, mit dem Potenzial, ein begehrtes Sammlerstück zu werden?
Wem schadet das Buch in der Bibliothek?

"Schloss" – "Schloß" – "SCHLOSZ" – "SCHLOSS"

Auf dem Einband der im Jahre 1926 erschienenen Originalausgabe steht "Das Schloss". Aber in der Zeit von 1901 bis 1996 hätte auch nach einem kurzen Vokal (Selbstlaut) im Auslaut nicht "ss", sondern "ß" geschrieben und gedruckt werden müssen. Großgeschrieben lautete das Wort "Schloß" niemals "SCHLOß", sondern bis 1996
"SCHLOSZ" oder "SCHLOSS". Seit der jüngsten Rechtschreibreform heißt es nur noch "Schloss"
und "SCHLOSS".

Hoffentlich habe ich mich nicht geirrt. Fragen Sie bitte Herrn Prof. Mag. Hermann Möcker; der kennt sich mit der S-Schreibung viel besser aus.

Gast: M. Wolf
18.11.2011 18:09
1 0

die Bücher sofort in den Papierkorb werfen

Hardeggasse, bitte alle aussteigen

Gast: Felix G.
18.11.2011 18:04
0 0

www.linomax.de/

1000 Stück? Was für eine Papierverschwendung.

Gast: Gast99
17.11.2011 20:43
0 2

Die Recherchen werden nicht besser

"Die ISBN-Nummer im Buch ist nämlich von Thomas Glavinics Buch „Lisa“ abgekupfert und damit aus rechtlicher Sicht gestohlen."

Was ist denn das für ein Unsinn? Aus rechtlicher Sicht gestohlen kann eine ISBN-Nummer nicht sein, weil das nur möglich ist, wenn ich etwas wegnehmen kann. Die Verwendung der ISBN-Nummer ist vielleicht alles möglich, aber jedenfalls nicht "gestohlen" und schon gar nicht "aus rechtlicher Sicht".

Mehr Bildung, bitte.

Antworten Gast: HerrKarl
18.11.2011 10:56
0 2

Re: Die Recherchen werden nicht besser

Mehr Bildung wäre tatsächlich angebracht. Es heißt nämlich nicht "ISBN-Nummer", sondern einfach nur "ISBN", also "International Standard Book Number".

Gast: super
17.11.2011 16:42
3 1

puncto schulwesen bringt das null...

allerdings ist es wirklich unglaublich, dass sogar die faz unrecherchiert einfach das, was auf den ersten blick zu sehen ist, wiedergibt.
und genauso kommen mir die ganzen artikel über griechenland, syrien, libyen, etc. vor. alle nur oberflächlich - jeder schreibt von jedem ab.

Gast: uburoi
17.11.2011 13:39
1 0

wer wurde getäuscht?

und wodurch?
drei witzige mehr im klüngel.
ha, darwischt!

kojote
17.11.2011 12:33
0 0

abgesehen...

..davon, dass so eine aktion genau nichts bringt, hat es eines doch ganz deutlich gezeigt: wie leicht sich alle medien an der nase herum führen lassen.
genaue recherchearbeiten werden demnach von kaum jemandem durchgeführt... aber sollte dass nicht die hauptaufgabe dieser berufsgruppe sein, bevor man der öffentlichkeit einen objektiven und auf überprüften tatsachen beruhenden bericht vorlegt?

Gast: Non Pol. Cor.
17.11.2011 11:55
0 2

Super

Und Kafka genau richtig. Die Welt war zu seiner Zeit schon ziemlich deppert. Aber was jetzt passiert ist, dass sie gar nicht mehr als deppert erkannt werden darf.

Gast: hmm
17.11.2011 11:24
1 8

und sonst?

Können diese lächerlichen Pseudoprotestler eigenlich auch Deutsch oder sind die außer anglomanisch nur anglomanisch? Ganz sicher werden diese Nullblutgruppler ganz so dringend gebraucht wie ein Kropf ...

freeman
17.11.2011 11:09
3 0

Witzige Aktion.

Leider fällt den Leuten zum eigentlichen Problem (der Bildung) nichts Kreatives ein - da bleiben sie beim klassisch etatistischen "werfen wir mehr Geld drauf, dann muß das Problem doch endlich verschwinden...".

Gast: GGGGGGGGG
17.11.2011 10:53
2 3

Akademiker

Akademiker. Studierte Publizistin. HAAAAAA.
Politwissenschaften und Publizistik alles Müll.

es lebe der DI.

2 0

Re: Akademiker

Ruhig!
Wo doch jeder weiß, das Journaille in Österreich DER Wirtschaftsmotor schlechthin ist (wenn auch anders als man annehmen müsste).
Und politische Expertisen sind es, die die österreichische Außenhandelsbilanz retten!

Gast: thetraveller
17.11.2011 10:20
4 3

fb-Page

Die Gruppe hat eine Fb-Page mit mehr info zur Geschichte. Ziemlich coole Aktion!

http://www.facebook.com/thebirdbase?sk=wall

4 2

Genial!

Wo kann man dieses Buch bekommen?

Gast: wizenstain
16.11.2011 20:28
0 3

Wir brauchen keine Zustimmung, wir brauchen Diskussion

ok: diskutieren wir, ob man Niemant oder Niemand schreiben soll:

ich bin für beide varianten

Antworten schmeiser
16.11.2011 21:14
2 0

Re: Wir brauchen keine Zustimmung, wir brauchen Diskussion

ich bin für nimmmahnt

0 0

Re: Re: Wir brauchen keine Zustimmung, wir brauchen Diskussion

Wen mahnt nimm? :)

Gast: Göstle
16.11.2011 19:18
1 0

Geh bitte

Einfach mal die Internetseite auf einem der unzähligen whois Websites eingeben und schon bekommt man zwei adressen. Eine davon in Wien einer gewissen Adele Schulz die andere in Dänemark regististriert auf Jacob Jensen. So schwer is das nun auch nicht.

Antworten doubleg
17.11.2011 11:18
0 0

Re: Geh bitte

Niemand kontrolliert bei der Domainregistrierung die Identität. Aber das wußten sie sicher...

Gast: hmm
16.11.2011 12:01
2 4

man prüfe

Welcher Personengruppe ist der Autor des Buches zuzurechnen? Welcher Personengruppe der Organisator dieser absonderlichen Buchverteilung? Es ist hoch an der Zeit endlich wieder einmal Rückgrat zu zeigen und nicht jeden Mist an unsere Schüler heranzulassen! Zuerst sollten die Dinge von gewissenhaften Lehrern der Schule sorgfältigst kontrolliert ("zu kontrollieren" im deutschen Bedeutungssinne!) werden. Dann soll vom Lehrerkollegium darüber diskutiert werden. Ein allfälliges Miteinbeziehen von Eltern kann da auch nicht schaden. Ohne entsprechende Repression wird es kaum gehen ... Der Repression muss allerdings aktives Tun beigesellt werden. Konkret: Mit den Kindern muss so viel und soviel Interessantes und Sinnvolles gemacht werden, dass sie nicht jedem Manipulationsangriff völlig hilflos ausgesetzt sind. Lehrer und Eltern sollten nicht paralysiert zuschauen wie das von der Schlange hypnotisierte Karnickel!

Antworten Gast: Kulturista
17.11.2011 11:47
0 0

Welcher Personengruppe man Franz Kafka

zurechnen soll? Meinen Sie diese Frage ernst?

0 0

Re: Welcher Personengruppe man Franz Kafka

Ja, man muss sich fragen, ob der Poster "hmm" zur Bird Base gehört oder zu einer weitaus gefährlicheren Organisation. Spaßig hat dieses Posting jedenfalls nicht geklungen, eher inspiriert von irgendsowas wie Absurd-Antisemitismus oder dergleichen.
Man prüfe...

1 0

Re: man prüfe

Darf ich einmal fragen, was Sie mit "welcher Personengruppe" meinen? Der Autor des Buches ist bekanntlich Franz Kafka.

Und was hat das alles mit "Rückgrat zeigen" zu tun?

Was mir hier im höchsten Sinne dubios und aufklärungsbedürftig erscheint, ist Ihr Posting!


Scheinfirma?!

laut whois:
(http://www.whois.net/whois/gehlenschulz.at)
Registrar der Homepage:
Adele Schulz.
angeblicher Herausgeber:
Adrian Schulz

Homepage: hochgradig unseriös, kein Impressum
angebliche teilnahme an der frankfurter buchmesse, angebliche EU-förderung,
+Zitat HP:
"Ein wohlhabender Mitbürger teilt unsere Meinung, betreffend der Wichtigkeit, jungen Menschen die Begeisterung und Liebe für Bücher zu vermitteln. Aus diesem Grund hat er Gehlen und Schulz letzte Woche eine Spende von rund 280.000,- Euro überwiesen. "
usw...

 
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