Elfriede Jelinek über Niko P.: „Da grinst dieser Lausbub“

02.01.2012 | 18:27 |   (Die Presse)

In „Der kleine Niko“ behandelt die Schriftstellerin den Fall Pelinka. Der Text steht seit Montag auf Jelineks Homepage.

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„Das Ende der Sozialdemokratie, es ist jetzt gekommen und ist jetzt da, nicht einmal mit einem Flüstern tritt es auf, sondern breit grinsend, ich bin nicht gekommen, euch den Frieden zu bringen, sondern mein entwaffnendes Grinsen (ein Schwert werden wir gar nicht mehr brauchen!), das sagt: Ich weiß nichts, aber ich weiß, daß ich nichts wissen muß, und mein Defizit, das ganze Länder versenken könnte, ist kein Stoffdefizit, der Stoff geht mir nicht aus, nie, und es muß kein Stoff sein, aus dem Träume sind. Den sollen sie im Fernsehn machen. Und ich mache den, der das Fernsehn macht. Ich muß nicht träumen. Ich bin, das genügt.“

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So beginnt Elfriede Jelinek den Text „Der kleine Niko“, der seit Montag auf ihrer Homepage (www.elfriedejelinek.com) steht: Der Mann, den sie ein Jesuswort (Matthäus 10, 34) variieren lässt, ist offensichtlich Nikolaus Pelinka: „Ein rotblonder, sympathischer junger Mann, Mitglied einer ganzen Sippe von Gekennzeichneten, das Gegenteil von: Gezeichneten, nicht ganz das Gegenteil von Bezeichneten, sie sind alle bezeichnet, so wie man Bäume fürs Gefälltwerden bezeichnet, und gefallen tun sie uns, dafür sorgen sie schon, oder nein, anders, vielleicht so: Das heißt, sie sind alle gekennzeichnet durch eine Nähe zu dieser Partei, der Onkel Politologieprofessor, der Vater Chefredakteur von Meinungsbildnern [...]“

 

„Totengräber“ der Sozialdemokratie

Die „beiden sympathischen, netten jungen Leute“ seien die „Totengräber“ der Sozialdemokratie: Sie „töten die politische Bewegung, aus der ihre Altvorderen gekommen sind. Und jetzt ist sie tot, die Sozialdemokratie, sie weiß es vielleicht noch nicht, ich glaube, sie weiß es wirklich nicht, wenn ich mir diese Gesichter so anschaue, na gut, dann helfe ich halt nach, ich erkläre sie für tot, und jetzt kommt etwas anderes.“

An anderer Stelle: „Die eine, das Mädel, demonstriert die Unabhängigkeit einer Partei von der Kronen Zeitung, der andre, der Bub, garantiert die Unabhängigkeit des österreichischen Rundfunks, welche uns aber schon einmal garantiert worden ist. Garantiert wird sie jetzt noch garantierter!“ Jelinek sieht ein „Beziehungsgeflecht, in dem einer den andren raufschiebt und schon den Nächsten nachschiebt, ein Menschenfressermodell für das Öffentlich-Rechtliche“. Und sie sieht immer wieder Pelinkas Grinsen: „Grins grins grins, dagegen war die Sonne vom Wörthersee ein Kind von Traurigkeit [...]“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.01.2012)

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10 Kommentare
Gast: G. Grass
07.01.2012 14:59
5 1

Da grinst dieser Lausbub ...

... da keift diese Zicke ...

Gast: MrCisco
03.01.2012 12:20
6 0

zum Thema

Fr. Jelinek hat recht, die Sozialdemokratie ist tot. Die Sozialdemokraten waren früher Leute, die sich von nach oben gearbeitet haben, gelernte Handwerker und Arbeiter, also Leute, die glaubwürdig waren! Die heutige Generation der Sozialdemokraten sind Kinder der alten Parteigranden, mussten nie körperlich hart arbeiten um ihr tägliches Brot zu verdienen und haben keinen Bezug mehr zur Arbeiterschaft, also die ursprüngliche Klientell der Sozialdemokraten.
Ich denke, Pelinka hat keine Ahnung von der Welt da draußen. Ein breit grinsender junger Mann in feinstem Zwirn, Karriere dank der Gnade der Älteren - das Sinnbild der jungen Politk.

Antworten Gast: pächter der wahrheit
04.01.2012 22:59
2 0

Re: zum Thema

Der Niko Pelinka weiss recht gut wie es in der Welt da draussen ist, zumindest "seine" Welt. Und die ist eben ein wenig anders als "Ihre" Welt. In seiner Welt sind Sie ein Saurier, ein Idiot der an Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit und eigene Leistung glaubt.
Und er hat wahrscheinlich sogar recht: Sehen Sie sich um: In der Politik und in der (halb)öffentlichen Wirtschaft kommen Sie mit Ihren hehren Idealen nicht weit: Hintertreiben, intrigieren, buckeln und treten sind die Methoden der Wahl.

Homepage Jelinek...

...kein Impressum...wer die site wirklich betreibt, weiß keiner...

Antworten Gast: Diedrich Hessling
07.01.2012 14:08
0 0

Re: Homepage Jelinek...

Schade, dass man der Dame auf ihrer Homepage keine Nachricht hinterlassen kann.

Also etwas besseres als durch eine...

...Nobelpreisträgerin literarisch gewürdigt zu werden (auch wenn es kritisch ist), gibt es wohl nicht.
Faymann & Co müssen da mit den eher bescheidenen Kalauern mittelmäßiger Kabarettisten vorlieb nehmen.

Frau Jelinek

ist ein Paradebeispiel dafür, dass sie - obwohl Linke - den Sozialismus im Kern nicht verstanden hat.
Der Nepotismus, der mit der Causa Pelinka ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht hat, ist einem System, das Menschen ihr Geld abknöpft, um es dann zum Zwecke der Machtvergrößerung zu verteilen, systemimmanent.

Es regt die Leute halt nur mehr auf, wenn es so offensichtlich wie hier passiert.
In Wahrheit sind weite Teile Österreichs leider davon durchdrungen - und das ist auch der einzige Grund, warum die Roten noch immer am Ruder sitzen.

ach was,

einfach jetzt gezielt auf Strache und die FPÖ einschlagen und warten bis Gras über diese ORF-Sache gewachsen ist. Die Leute schlucken das schon irgendwann und irgendwie. Hat doch bis jetzt immer funktioniert.

Gratulation

Frau Jelinek, ich gratuliere Ihnen zu Ihrem Text!

Re: Gratulation

ja, genial

Meinung

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