In Goldegg war man auf Thomas Bernhard nicht gut zu sprechen. Naturgemäß. Wo war man das schon im restlichen Österreich? Für Goldegg soll Bernhard 1962 allerdings sogar ein Aufenthaltsverbot erhalten haben, will es die Legende. Nachdem er den Goldegger Ortsteil Weng als „düstersten Ort, den ich jemals gesehen habe“, und die Wenger als „schwachsinnige“, „im Rausch erzeugte“ Menschen enormer „Hässlichkeit“ beschrieben hat.
Goldegg-Weng drängt sich sozusagen direkt auf, das neue „Zentrum des Bernhard'schen Kosmos“ zu werden – und es anderen Orten, die darum konkurrieren, ziemlich schwer zu machen. Das kündigte jedenfalls gestern, an dem Donnerstag, an dem Bernhard seinen 81.Geburtstag gefeiert hätte, der Präsident der Internationalen Thomas-Bernhard-Gesellschaft und Suhrkamp-Cheflektor Raimund Fellinger an, im Goldegger Literaturhotel Seehof.
Denn hier, unter strenger Aufsicht des Wirts und ausgewiesenen „Bernhardiners“ Sepp Schellhorn, sowie im Schloss Goldegg wird von 13. bis 16. September das erste Thomas-Bernhard-Festival, „Verstörungen“, stattfinden, bei dem „die besten Künstler die besten Texte“ lesen werden, so Fellinger. Gemeint sind damit u.a. Ben Becker und Nicholas Ofczarek, Otto Sander, Tobias Moretti und Sibylle Canonica. Fellinger selbst wird eine Einführung in Bernhards Erstlingsroman „Frost“ geben, der in Weng spielt.
Das kann wohl doch nicht der Zufall sein, zu dem laut Fellinger noch die „Notwendigkeit“ gekommen ist, um das zukünftig wichtigste Bernhard-Festival gerade in Goldegg anzusiedeln. Die Notwendigkeit sei die, der zurzeit überall ersichtlichen Aktualität und Radikalität im Werk des „Staatsdichters“ Rechnung zu tragen, erklärte Fellinger. sp
Verstörungen. Ein Fest für Thomas Bernhard. 13.–16. September 2012, Festivalpass: 50 Euro, www.derseehof.at
("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.02.2012)
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