Rudi Vouks Großvater väterlicherseits war Abwehrkämpfer, sein Opa mütterlicherseits wurde von Partisanen erschossen. Er selbst, der die Aufhebung der alten Ortstafelregelung erwirkte, sprach bis zur Volksschule kein Wort Deutsch. Die Familie von Bernard Sadovnik, dem moderateren Slowenenvertreter, hingegen stammt vom Peršman-Hof ab, auf dem die Waffen-SS 1944 ein Massaker verübte und der heute eine Gedenkstätte für die Partisanen ist. Welchen Otto Scrinzi, der frühere Nationalsozialist und spätere FPÖ-Politiker, wiederum sein Leben verdankt. Anstatt ihn wie geplant zu exekutieren, setzten sie ihn als Lagerarzt ein.
Diesen für Kärnten so typischen Lebens- und Familiengeschichten mit ihren Brüchen und Widersprüchen geht „Kärnten liegt am Meer“ nach. Es ist sozusagen das Buch zur Ortstafellösung. In Interviews erzählen Slowenen und Deutsche ihren Teil der Geschichte des Volksgruppenkonflikts. Die Narrative stehen gleichberechtigt nebeneinander. Wiewohl im hinteren Teil auch eine wissenschaftliche Einordnung folgt.
Die Aussiedlung der Slowenen durch die Nazis, die Verschleppung der Deutschen durch die Partisanen werden ebenso thematisiert wie der Dauerstreit um die Ortstafeln und die Frage, was denn nun ein „Windischer“ sei. Oder wie Botschafter Wolfgang Petritsch, einer der Herausgeber, bei der Vorstellung meinte: „Die Traumata sollen bewusst gemacht, das sich gegenseitig Anschweigen soll durchbrochen werden.“ oli
("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.02.2012)
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