Grass reagiert auf das israelische Einreiseverbot

12.04.2012 | 17:03 |   (Die Presse)

Der deutscher Autor und Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass vergleicht die Maßnahme mit jener der DDR. Innenminister Yishai von der religiösen Shas-Partei will den Dichter in einem neutralen Land treffen.

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Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass, der Israels Regierung in einem Prosagedicht unterstellt hatte, sie erwäge einen Erstschlag, der das iranische Volk auslöschen könne, hat am Donnerstag eine Stellungnahme zu den inzwischen erfolgten Sanktionen des israelischen Innenministeriums abgegeben – in der „Süddeutschen Zeitung“, wo er am 4. April den Text „Was gesagt werden muss“ abgedruckt und damit die heftige Kontroverse ausgelöst hatte.

Das Gedicht wurde sowohl in Israel als auch von deutschen Politikern und Medien mehrheitlich abgelehnt und zum Teil sogar als israelfeindlich und antisemitisch bezeichnet. Die israelische Regierung erklärte Grass am 8. April zur „Persona non grata“ und verhängte ein Einreiseverbot.

Grass weist nun in der „SZ“ unter dem Titel „Damals wie heute“ darauf hin, dass ihm bereits dreimal die Einreise in ein Land verboten worden war, das erste Mal von der DDR „auf Geheiß des Ministers für Staatssicherheit, namens Mielke“. Er, Grass, sei auch später, nach Rücknahme dieser Sanktion, „als zersetzendes Element“ eingestuft und verstärkt observiert worden.

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Burma lässt den Dichter hoffen

Auch Burma habe ihm und seiner Frau die Einreise verweigert, als er sich 1986 mehrere Monate in Kalkutta aufgehalten hatte: „In beiden Fällen wurde die in Diktaturen übliche Praxis vollzogen.“ Jetzt sei es der Innenminister einer Demokratie, der ihn bestrafe. Im Tonfall erinnere ihn die Begründung Eli Yishais an das Verdikt Mielkes, schreibt Grass. Das aber werde seine Erinnerung an Israel-Reisen nicht verhindern. „Immer noch ist mir die Stille der judäischen Wüste gegenwärtig“, heißt es in dem Text, „immer noch sehe ich mich dem Land Israel unkündbar verbunden.“ Nach neuerlicher Schelte für Israels Regierung wegen eigenmächtiger Atompolitik schließt Grass mit dem Satz: „Allein Burma lässt kleine Hoffnung keimen.“

Minister Yishai von der religiösen Shas-Partei zeigte sich gestern bereit, Grass zu treffen, „falls er mit dem Schreiben antisemitischer Gedichte aufhört“, allerdings solle die Aussprache in einem neutralen Land erfolgen. Er werde ihm gerne erklären, warum ein Mensch, der sich freiwillig zur SS gemeldet hat, „kein Recht hat, in das Land eines Volkes zu reisen, dessen Vernichtung er mitbetrieben hat“. Grass irre sich, wenn er Israel in eine Reihe mit düsteren Regimes stelle. Israel habe „ein kluges und sorgfältig abwägendes Regime“. norb

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13 Kommentare

menasse?

Verzeihung, wer oder was ist menasse?

Grass ist Nobelpreistraeger und weltbekannt für alle zeit - in oesterreich gibt es grad einmal die jelinek und des woars...dann kommt laaange nix und dann vielleicht...naja.

Antworten Gast: Tonus
17.04.2012 01:07
0 0

nomen est omen

eben NUR hausverstand

Gast: FrankFreiUnabhängig
12.04.2012 10:58
1 0

Nun ja...

Günter Grass, ein Clown mehr oder weniger in der Medienlandschaft?
Was spielt denn das für eine Rolle, denkt sich einer, der die Medienlandschaft schon seit Jahrzehnten beobachtet.
Und aber klar doch: Ein Intellektueller ist immer nur derjenige, der ins je nachdem allgemein gültige "intellektuelle" Programm passt.
Da hat sich ja wohl auch nichts geändert seit Urzeiten.

Gast: Bärenfalle...
12.04.2012 06:37
2 0

Ablenkungsmanöver

Die Medien palavern lauthals über die Privatmeinung eines Grass und schweigen gleichzeitig zu wesentlich bedeutenderen Dingen.

Etwa dem Demokratieverlust und die Entmachtung der Wähler durch den ESM.

Aber wir berichten ja lieber über angebliche Wahlfälschungen Putins in irgendwelchen bedeutungslosen Gebirgsregionen *G*


...

das gedicht ist eigentlich eine persönliche meinung und stellungnahme von grass

ich verstehe nicht die enorme aufregung nach der lektüre.

ahja:
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-76551143.html


Gast: Nujja
11.04.2012 22:50
3 5

Grass hat absolute Realitätsverlust.


Antworten Gast: EAK
12.04.2012 11:03
0 0

Re: Grass hat absolute Realitätsverlust.

Unter Realitätsverlust leiden meist einzelne Verbohrte, die zu schwach sind auf andere zuzugehen. Man kann das auch beschönigend als Betriebsblindheit bezeichnen, wenn es sich um die Führung von Firmen, von Gesellschaften handelt.

Gast: eschenbach
11.04.2012 20:53
3 1

selbstkritik?

zitat menasse: "... Der Intellektuelle kritisiert Herrschaft, er engagiert sich nicht für Herrschaft ..." demnach gibts in österreich aber nicht wirklich irgendeinen s.g. intellektuellen unter den s.g. künstlern, oder herr menasse???

Antworten Gast: Yep-
12.04.2012 11:28
2 0

Re: selbstkritik?

Seit Jahrzehnten sind in Österreich Herrschende von Intellektuellen nicht unterstützt worden, haben sich Intellektuelle nie angebiedert aus welchen Gründen auch immer, sind stets auf Distanz gegangen zur politischen Hot Volée.

2 1

Re: selbstkritik?

Seit seiner hingebungsvollen Jublerei für die EU ist Menasse jedenfalls für mich völlig irrelevant. Er soll ein Lob-Gedicht auf Israel schreiben und wie wichtig Kriegstreiberei für den Frieden im Nahen Osten ist.

Erich Loest noch ein Literat mit Fantasie und Mut

Ein nuklearer Angriff Israels auf Iran wäre ein Kriegsverbrechen mit schrecklichen Folgen“, schreibt der Schriftsteller in der"Leipziger Volkszeitung" wow, auf sowas muss man erst kommen... ich sage sogar, ein nuklearer Angriff Israels auf Wien, London, Berlin und St.Pölten wäre ein Kriegsverbrechen mit schrecklichen Folgen“ Habe ich recht? das muss doch ein mal gesagt werden!

Gast: schlÄchter
11.04.2012 18:21
0 5

sg herr menasse, sg herr haslinger!

herr menasse!
von mir ein +

etwas off-topic, aber ein mmn sehr elsenswerter link betreffend die "intellektuellen widerständler" aus einer etwas länger zurückliegenden innenpolitischen epoche (sie steigen übrigens mmn berechtigterweise recht gut aus...):
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-15737872.html

herr haslinger!
"Grass habe nämlich aufgezeigt, dass in Verhandlungen über die Beschränkung von Atomwaffen die israelischen Atomwaffen und ihr Beitrag zur Aufrüstung im Nahen Osten stets ausgespart würden."
jein.
israel hat zwar mit einem militärschlag (der mmn völlig sinnlos wäre, da er lt glaubwürdigen berichten selbst israelischer strategen das iranische atomprogramm nur zeitlich etwas verzögern könnte und gerade deswegen unkalkulierbare folgen hätte)
aber nie mit einem (präventiven) atomschlag gegen den iran gedroht. das hat günther grass völlig verkannt und israel unberechtigterweise unterstellt.
dass israel aufgrund seiner strategischen lage und überlebensnotwenigkeit defensive atomarbewaffnung hat-ist mmn anderst zu beurteilen - es ist eine logische,überlebensssichernde strategie, angesichts der sicherheitslage dieses stets bedrohten frontstaates.
wohl oder übel wird es eben im nahen osten eben zu einer atomaren bewaffnung mehrerer dortiger player kommen und wird sich israel und auch wir westler damit abfinden müssen.

mfg
s.

Re: sg herr menasse, sg herr haslinger!

haha, "künstler", intellektuelle" und "progressive"... man kann die apostrophe gar nicht dick genug machen.

danke für den artikel, war sehr aufschlussreich und unterhaltsam.

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