Mit Türenschlagen verließ der deutsche Dramatiker Rolf Hochhuth die Vollversammlung der Berliner Akademie der Künste – „für immer“, so er selbst. Er begründete diesen Schritt in einem Brief mit dem Titel „Ich weigere mich, zwischen Antisemiten zu sitzen“.
Anlass war das am 4. April publizierte Gedicht „Was gesagt werden muss“ von Günter Grass. Hochhuth hatte versucht, eine Debatte über diesen Text von der Tagesordnung streichen zu lassen: Er befürchte, dass sie „einseitig zugunsten des Irans und der Palästinenser auf Kosten Israels verlaufen“ werde. „Wir Deutschen sollten das Maul halten“, sagte er in der Sitzung. Es sei 2012 „der Akademie angemessen, an ihre vielen jüdischen Mitglieder zu erinnern, die vor 70 Jahren in ihre Vernichtung ,abgefahren‘ wurden, wie das Heinrich Himmler vergnügt genannt hat“, erklärte er dann in seinem Schreiben.
Das Gedicht, in dem Grass u. a. davor warnte, dass Israel „das iranische Volk“ in einem Erstschlag „auslöschen“ könne, nannte Hochhuth ein „antisemitisches Pamphlet“, das „sehr gern Julius Streicher in seinem ,Stürmer‘ gedruckt hätte“. Und er fragte u. a., sich auf Grass beziehend: „Ist es Zufall, dass ausgerechnet jener Deutsche, der 60 Jahre verschwieg, SS-Mann gewesen zu sein, den Israelis ,untersagt‘, ein deutsches U-Boot zu kaufen?“
Im Brief entschuldigte Hochhuth sich „bei jenen meiner jahrzehntelangen Kollegen, die keine Antisemiten sind“. Akademie-Präsident Klaus Staeck wies den Antisemitismus-Verdacht „in aller Schärfe“ zurück. Doch die literarische Lebensleistung Hochhuths gebiete, „auf die Umstände seines Abganges nicht öffentlich einzugehen“.
Nach Grass-Debatte: Hochhuth verließ im Zorn die Akademie
07.05.2012 | 17:26 | (Die Presse)
Des Dramatikers Begründung für seinen Austritt aus der Berliner Akademie der Künste: „Ich weigere mich, zwischen Antisemiten zu sitzen.“ Anlass war das Gedicht „Was gesagt werden muss“ von Günter Grass.
11 Kommentare
es hilft nichts , wie
die Waschweiber und der ist der schlimmste. An Grass ist er nie herangekommen, so schafft er es sicher auch nicht. Schade eigentlich, dass an sich kluge Leute im Alter die Kontrolle verlieren.Hochhuth verließ im Zorn die Akademie
Der Zorn ist selten ein guter Ratgeber ...„Wir Deutschen sollten das Maul halten“
Rede- und Diskussionsverbote erinnern wohl eher an totalitäre Strukturen, als das "Gedicht" von Günter Grass.
An der literarischen Bedeutung von Hrn. Hochhut - wie immer man sie bewertet - wird dieser Ausritt nichts ändern.
Geschwafel
Profiteur des Kultursozialismus wie er bei uns (und in D) praktiziert wird. Ohne Staatshilfe wuerde den vielen 'Kunst' Staetten schnell die Luft ausgehendas mit dem "Kauf" ist so ne Sache
http://de.wikipedia.org/wiki/Dolphin-KlasseEin Opportunist
der künstlerisch seit Jahren nichts Bedeutendes schreibt, versucht mit diesem lächerlichen Auftritt Schlagzeilen zu produzieren. Die gleichgeschalteten Medien nehmen den derart zugespielten Ball dankbar auf. Man könnte es fast eine Schmierenkomödie nennen, wenn daraus nicht klar ersichtlich wäre, daß ein Dichter seinem Kollegen das freie Wort verbietet, wenn es um Kritik an Israel geht. Armselig - Herr Hochhuth!Re: Ein Opportunist
nicht nur armselig,auch altersbedingts Handeln...
wer darauf eingeht nimmt sich selbst auf den Arm...
Links und Antisemitismus passt immer besser zusammen -
hat vielleicht mit Wahlwerbung zu tun.Re: Links und Antisemitismus passt immer besser zusammen -
Links und Pro-Islamismus wäre vielleicht die treffendere Diktion.
Aus welchen Gründen und mit welcher Absicht auch immer ...
Meiner Seel
Der Herr Hochhuth überschätzt sich ein bisschen. Im Gegensatz zu Herrn Grass wird er kaum jemanden abgehen. Und der Vergleich mit Streicher ist ja nun schon sehr bedenklich. Fast ein Fall für den Staatsanwalt.Re: Meiner Seel
Viel wichtiger noch ist doch die Frage, ob die Türe wegen starken Luftzugs zugeknallt ist oder ob es Hochhuth selbst war. Wenn er es selbst war, dann wäre ein Interview mit dem Enkel seines ehemaligen Tanzlehrers interessant, wieso es nicht gelungen ist, Hochhuth zivilisiertes Benehmen beizubringen.Hochhuth hat schon seit Jahrzehnten nichts vernünftiges vorzuweisen außer diese ständige Nazi-Pornographie. Das ist das leichteste Fach im Kunstbetrieb. Leider, weil es ernst zu nehmen wäre und mittlerweile zum Jahrmarkt-Schlager verkommen ist.
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