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Thomas Pynchon, "Phantom" der US-Literatur, wird 75

08.05.2012 | 10:06 |   (DiePresse.com)

Er ist einer der größten Schriftsteller der Gegenwartsliteratur und ein Mysterium: von Thomas Pynchon gibt es kaum Fotos. Am Dienstag wurde er 75.

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Auf den wenigen (unscharfen) Fotos, die die Welt von ihm kennt, ist Thomas Pynchon jung, hat auffallend markante Augenbrauen und vorstehende Schneidezähne. Fast sechs Jahrzehnte sind seitdem vergangen. Der Sohn eines New Yorker Inspektors wurde zum Studenten Pynchon. Dieser diente bei der Marine und schrieb für eine Firmenzeitung, bevor er sich zu einem der größten Schriftsteller der amerikanischen Gegenwartsliteratur mauserte. Seine Romane werden in aller Welt gelesen. Doch wer ist dieser Pynchon? Es gibt keine aktuelleren Fotos, keine Interviews, keine Autobiografie. Allerdings ist sein Geburtsdatum bekannt: Am Dienstag, dem 8. Mai, wurde Pynchon 75.

Pynchon meistert die Anonymität im Extrem. Schon vor seinem ersten Roman "V." (1963) tauchte er unter. Seitdem unterhält er seine Fan-Gemeinde mit einer atemberaubenden Mischung aus enzyklopädischem Wissen, skurrilem Humor, ungebremster Fantasie sowie einem Fundus literarischer Stilformen. Alles Private hält er dagegen streng unter Verschluss. Das "Phantom der Literatur" heißt der Kultautor in seiner Heimat. Man sagt, er lebe mit Frau und Sohn in New York. Bestätigt hat er es nicht.

Mit dem Papiersack bei den "Simpsons"

Scheu? Nein, wehrt Pynchon ab. Er meide nur den Kontakt mit Journalisten. Zwischen seinen Romanen, für die er sich oft viele Jahre Zeit lässt, sind Leserbriefe oder auch mal ein Vorwort zum Buch eines Kollegen die einzigen Lebenszeichen. In Manhattan wurde "das Phantom" 1997 abgelichtet: Ein weißhaariger Familienvater. War er es wirklich? Danach erklärte sich Pynchon überraschend zum Gespräch mit CNN bereit, selbstverständlich ohne Kameras. Zu einem weiteren Gastauftritt erschien er 2004 in der Zeichentrick-TV-Serie "Simpsons" mit einem Papiersack über dem Kopf.(c) Fox Thomas Pynchon bei den ''Simpsons''

(c) Fox Thomas Pynchon bei den ''Simpsons''

Pynchon stammt aus einer neuenglischen Puritanerfamilie und kam in Glen Cove unweit von New York zur Welt. In seinem Debütroman "V." erzählt er die Geschichte einer geheimnisvollen Frau, die immer in historisch entscheidenden Momenten auftaucht. Schon hier sind seine Grundthemen zu erkennen: Die Angst vor der undurchschaubaren modernen Wirklichkeit und Suche nach einer möglichen Ordnung für den Einzelnen im Chaos der Geschichte. Für "V." erhält er den "William-Faulkner-Preis". "Die Versteigerung von No. 49" (1966) wird zum Kultbuch der 68er Generation.

"Die Enden der Parabel"

Für Aufsehen sorgte der Roman "Gravity's Rainbow" (dt. Die Enden der Parabel) 1973 - ein Monumentalwerk mit 1000 Seiten. Komplizierte Handlungsstränge, 400 Personen und Protagonisten, die es für den Leser mühsam machen, sie verfolgen, wirbeln in einem großen Thema zusammen: rein rational ist diese Realität nicht mehr zu erfassen.

Weitere 17 Jahre vergehen, bevor sein vierter Roman "Vineland" erscheint, ein historischer Ausschnitt aus der Zeit der Wiederwahl von US-Präsident Ronald Reagan.

Abrechnung mit den 1960ern

Pynchons Meisterroman "Mason & Dixon" (1997) wird für seine psychologische Tiefe gefeiert. In ihm rechnet der Autor mit den 1960er Jahren ab, mit der Raketentechnik, Psychoanalyse und perversen Sexualfreuden. Der nächste Roman "Gegen den Tag" (2006) ist in der deutschen Fassung fast 1600 Seiten lang und spannt den Bogen von der Chicagoer Weltausstellung 1893 bis zu der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg.

Um das Buch auch nur annähernd zu verstehen, bedürfe es eines Intellekts, den er "höchstens 5 von 500" seiner Kollegen und Freunde zutraue, schrieb der Kritiker des "Wall Street Journal".

Krimileidenschaft in "Natürliche Mängel"

Vielleicht brauchte selbst Pynchon nach dem Wälzer Entspannung. Sein jüngster und vorerst letzter Titel "Natürliche Mängel" (2010) ist ein raffinierter Detektivroman, eine nostalgische Reise zurück in den "Summer of Love", mit dem sich der große Unbekannte der US-Literatur erstmals als Krimiliebhaber outet.

(Ag.)

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2 Kommentare

Humor

Was bei all dem Tiefgang nicht übersehen werden sollte, ist, wie lustig Pynchon zu schreiben vermag. Aus Mason&Dixon:

"My point exactly!" cries Ethelmer, who has been edging toward the Spirits, mindful that at some point he shall have to edge past his Cousin Tenebrae. " 'Tis ever the sign of Revolutionary times, that Street-Airs become Hymns, and Roist'ring-Songs Anthems,— just as Plato fear'd,— hast heard the Negroe Musick, the flatted Fifths, the vocal portamenti,— 'tis there sings your Revolution. These late ten American Years were but Slaughter of this sort and that. Now begins the true Inversion of the World."
"Don't know, Coz. Much of your Faith seems invested in this novel Musick,—
"Where better?" asks young Ethelmer confidently. "Is it not the very Rhythm of the Engines, the Clamor of the Mills, the Rock of the Oceans, the Roll of the Drums in the Night, why if one wish'd to give it a Name,—
"Surf Music!" DePugh cries.

Antworten Gast: b754
08.05.2012 18:12
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Re: Humor

Höhöhö, ja, sehr lustig.