Die Schwestern Rosalind, Bianca und Cordelia, von ihrem Shakespeare-fixierten Vater nach Figuren aus Werken des großen Dichters benannt, treffen sich nach Jahren in ihrem Elternhaus in einem verschlafenen Collegestädtchen in Ohio wieder. Offiziell kehren sie zurück, weil die Mutter Brustkrebs hat, tatsächlich zieht es die drei Frauen, allesamt um die 30, aus ganz anderen Gründen und mit allerlei Sorgen (Entlassung, Schwangerschaft) heim.
Aus der ungewöhnlichen Wir-Perspektive der Schwestern erzählt – die hier überraschend gut funktioniert – , werden ihre Lebensgeschichten nachgezeichnet. Drei Frauen, die das Gefühl haben, nie erwachsen geworden zu sein, jede auf ihre Art gescheitert. An den eigenen Ansprüchen, daran, so sein zu wollen wie die anderen Schwestern, an dem glücklichen Leben, das ihre Eltern ihnen vorgelebt haben und das keine ansatzweise erreicht hat. Seit der Kindheit schon spielen sie die gleichen Rollen: Die älteste, Rose, war immer schon dem Kontrollwahn verfallen, die jüngste, Cordelia, stets die Beschützte. Und Bianca? Das unglückliche mittlere Kind.
Dass die ganze Familie schlagfertig Shakespeare-Zitate parat hat, wirkt nicht sehr plausibel, stört aber auch nicht. Nur schade, dass Autorin Brown an ihre stimmige Erzählung ein überflüssiges Schlusskapitel anhängt. Insgesamt jedoch eine schöne Geschichte über das Älterwerden, über das Lesen und ja, wohl auch eine Art Frauenroman. mpm
Eleanor Brown: „Die Shakespeare-Schwestern“. Übersetzt von B. Heinrich und C. Dormagen, Insel Verlag, 372 Seiten, 15,50 Euro
("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.06.2012)
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