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Woodrell: Das Ende der Unschuld

23.06.2012 | 18:03 |   (Die Presse)

Daniel Woodrell schrieb mit "Der Tod von Sweet Mister" einen Roman, bei dem man schreien möchte: vor Wut, vor Hilflosigkeit, aber auch vor Begeisterung.

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Shug Akins hat alles, was kein Mensch braucht. Er ist 13, er ist fett, er ist einsam, und er ist arm. Vor allem aber lebt er in einer Familie, die direkt der Hölle entstiegen zu sein scheint: „White trash“ vom Schlimmsten, in einer Kleinstadt in der trostlosen Landschaft im Süden Missouris.

Sein Vater Red (oder auch nicht sein Vater, so genau weiß man das nicht) ist ein drogen- und alkoholsüchtiger Kleinkrimineller, der Kranken ihre Medizin vom Nachttisch stiehlt beziehungsweise Shug zu diesen Diebestouren anhält. Dazwischen drischt er auf seine Familie ein: auf seinen Sohn, den „Fettsack“, und auf seine Frau Glenda, die „Hexe“, eine verblühende Schönheit, deren „Tee“ aus etwas Cola in Rum das Einzige ist, was sie noch direkt mit dem Leben verbindet. Diese Mischung aus Sadismus, Gewalt und chemischen Substanzen ist explosiv, und irgendwann kommt es zur Entladung, die Shug den letzten Rest seiner kindlichen Unschuld kostet. „Sweet Mister“, so der Spitzname der Mutter für den Sohn, ist nicht mehr.

Daniel Woodrell hat mit „Der Tod von Sweet Mister“ einen Roman geschrieben, bei dem man von der ersten Seite weg schreien möchte: vor Zorn, vor Hilflosigkeit, aber auch vor Begeisterung. Woodrell lehnt sich stark an sein Erfolgsbuch „Winters Knochen“ an. Seine Romane erschüttern umso mehr, als er auch das Widerlichste durchaus lakonisch erzählt, wenn auch mit fast biblischen Untertönen. Nur dass bei Daniel Woodrell die Unschuldigen leider nicht gerettet werden. do


Daniel Woodrell: "Der Tod von Sweet Mister". Liebeskind Verlag, 192 Seiten, 16,9Euro

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.06.2012)

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1 Kommentare
Gast: Peter Hofmueller
26.06.2012 10:40
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"Das Ende der Unschuld"....

"Lesen ist Abenteuer im Kopf",wenn es auch manchmal,"nur" manchmal?,bitter ist & auch "schmeckt"."Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar".(I.Bachmann).