Es ist offenbar, aber keiner redet gern darüber: Der steigenden Flut von Kinder- und Jugendliteratur steht eine schrumpfende Zahl von Lesern gegenüber, die sich überdies im Fantasy-Segment konzentriert. Die Schuld wird gern TV und Computer zugeschoben, jedenfalls ergeben sich aus diesen Medien neue Sichtweisen, die das Leseverhalten beeinflussen. Die Buchbranche sucht nach neuen Ideen: Hörbücher, Comics, Fakes wie Cathy's Book, ein täuschend echt gestaltetes Tagebuch (Baumhaus-Verlag), eigene Mädchenprogramme rund ums Reiten, Flirten, Küssen, eigene Knabenprogramme über Abenteuer, heuer vorzugsweise rund um den Fußball. Bilderbücher werden immer schräger, raffinierter illustriert.
„Büchergeister“ nennt sich die jüngste Innovation, der erste Titel erscheint im Mai und heißt – noch nicht sehr originell: „Der kleine Löwe im Indianerland“ (12,80€). Gedacht ist das Buch für Vier- bis Achtjährige, das Besondere: Auf eigens eingefügten leeren Seiten können Kids ihre eigenen Fantasien zur Geschichte aufzeichnen.
Die Idee von „Büchergeister“ ist, dass Kinder- und Jugendteams in einem professionellen Rahmen Bücher entwickeln. Sozusagen Creative Writing für Youngsters. Pro Werk arbeiten zwei Teams, ein Autorenteam, das die Geschichte entwickelt sowie ein Illustratorenteam. Beide Teams werden von Profis gecoacht, die Begleitung soll zurückhaltend sein, um die Kreativität nicht zu beschränken. Jeder Mitarbeiter wird im Buch genannt, mittelfristig sind sogar Honorare von 500€ pro Team zugesagt. Die Buchhandelskette Thalia unterstützt den Vertrieb und wird das Projekt bei einer Party mit den Autoren des ersten Buches präsentieren. Als Schreiber willkommen sind Kinder und Jugendliche von sechs bis 19 aus dem ganzen deutschsprachigen Raum.
„Für mich ist wichtig, dass Kinder jeder Herkunft und Ausbildung mitmachen“, sagt Initiatorin Doris Vanselow, selbst Mutter von drei Kindern. In Bayern hat sie einige Jahre ehrenamtlich Kinder- und Jugendarbeit auf dem Land gemacht und festgestellt, dass das Angebot zwischen Pfadfindern und Sport eher eintönig ist. Eltern haben oft gar kein Interesse daran, dass sich ihre Kinder musisch betätigen. Eltern und Lehrer sind übrigens nicht gefragt für das Projekt. Die Teams werden via Büchergeister-Homepage kreiert, die demnächst freigeschaltet wird. Finanziert wird das Projekt von Sponsoren (E-Mail: office@buechergeister.at). bp
("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.04.2008)

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