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Urheberrecht: Hier surft die "Generation sofort"!

28.06.2012 | 17:25 |  Von Bettina Steiner (Die Presse)

Viel wird geschrieben über die "Generation Gratiskultur". Dabei ist Geld gar nicht der wichtigste Faktor, sondern Zeit. Immer weniger Menschen sind bereit, auf Informationen zu warten – und werden zu Raubkopierern.

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Es ist ein kleines Teufelchen und es sitzt auf des Karikaturisten rechter Schulter: „Was machst du denn da?“, fragt es. „Ach“, meint der: „Ich habe gerade Game of Thrones fertiggelesen und ich schau nach, ob die Serie auf Netflix zu sehen ist.“

Netflix ist eine der beliebtesten legalen Streaming-Dienste in den USA – aber in diesem Fall kann Netflix nicht weiterhelfen. „Warum nicht raubkopieren?“, flüstert das Teufelchen. Aber da taucht auf der linken Schulter prompt ein Engelchen auf und hat gute Argumente: Es sei leicht, illegale Downloads vor sich zu rechtfertigen, wenn man nur an einen CEO mit vollen Taschen denkt. Aber da gebe es doch auch noch die Autoren der Serie. Kreative Individuen! Die wollen auch bezahlt werden. Die müssen auch von etwas leben.

Legal „nicht verfügbar“

Was soll man sagen: Diesmal siegt das Teufelchen. Nicht, weil der Karikaturist Matthew Inman halsstarrig wäre und/oder wie manche Piraten der wunderlichen Meinung, Raubkopieren sei kein Diebstahl, weil ja beim Download nichts weggenommen werde, sondern im Gegenteil sogar etwas entstehe. Nein, er findet einfach keine legale Möglichkeit, die Serie zu sehen: weder auf Netflix noch auf iTunes noch auf Amazon noch auf Hulu, einem anderen in den USA verfügbaren Dienst. Und nur wegen einer Serie gleich den Bezahlsender HBO abonnieren? Das will er dann doch nicht.

Viel ist geschrieben worden über den Jugendlichen mit der schmalen Geldbörse, der sich legalen Stoff nicht kaufen kann oder will. Oft wurde gewarnt, dass hier eine Generation „Gratiskultur“ heranwächst, die nicht mehr versteht, dass die Entwicklung von „Content“ eine Menge Geld und eine Menge Zeit kostet und dass diese Zeit und dieses Geld auf Dauer nur aufgebracht werden, wenn es auch weiterhin Konsumenten gibt, die dafür bezahlen.
Es könnte sich allerdings herausstellen, dass die Frage „gratis“ oder „kostenpflichtig“ gar nicht das eigentliche Problem darstellt. Für Apps zahlen Jugendliche schließlich auch. Vor allem kleine Beträge geben sie so oft und gerne aus – zusammengerechnet ergibt das zum Teil ganz hübsche Sümmchen. Vor allem aber: Jugendliche werden älter. Irgendwann haben sie nicht nur ihr Taschengeld, sondern ein ganzes Einkommen zur Verfügung. Zahlreich sind die Büchernarren, die mit Anfang 20 das eine oder andere Taschenbuch haben mitgehen lassen. Später sind eben diese die besten Kunden.

Nein, es geht nicht nur um den Faktor Geld. Es geht auch um Zeit, und eben darauf weist Matthew Inmans Karikatur hin: Ob bezahlt oder gratis, was junge Konsumenten in jedem Fall verlangen – und auch später noch verlangen werden, wenn ihnen 19 Euro für eine Staffel „Mad Men“ oder „Breaking Bad“ nicht mehr weh tun: Dass sie nicht warten müssen. Sie sind aufgewachsen in einer Welt, in der jeder Einzelne jederzeit zur Verfügung stehen muss, sie sind – spielerisch – trainiert darauf, ständig online zu sein, auch trainiert, rasch auf Moden und Entwicklungen zu reagieren. Darüber kann man lamentieren, man kann beklagen, dass die Schnelligkeit, mit der Informationen „umgewälzt“ werden, die Rasanz, mit der Trends wechseln, uns nicht gut tut, uns überfordert.

Tatsache ist: Die Gesellschaft erwarten prompte Reaktionen. Ist es da zu viel, im Gegenzug prompte Informationen zu erwarten? Und das bedeutet nicht, ein Jahr zu warten, bis endlich die DVD auf den Markt kommt.
Das ist natürlich nicht nur ein Jugendphänomen: Jeder Besitzer eines Smartphones weiß, wie rasch man sich daran gewöhnt, auf der Stelle nachschauen zu können: Woher das Wort „Dinghi“ wirklich stammt, ob die Schlange da im Gebüsch giftig ist, ob das Café Prückl schon offen hat, wann der nächste Zug nach Innsbruck abfährt.
Wenn man es so betrachtet, verschieben sich die Fronten: Sollte der Faktor Zeit wichtiger sein als der Faktor Geld, dann stehen nicht mehr Künstler und Piraten einander unversöhnlich gegenüber, wie das zuletzt der Fall schien. Da erregten – in Österreich genauso wie in Deutschland – Autoren, Musiker, Filmemacher und andere Aufsehen mit Manifesten gegen die „Gratiskultur im Netz“ – und bewiesen dabei auch oft, dass sie oft wenig Ahnung haben vom Kulturwandel, der im Moment passiert. Von der anderen Seite wurden sie dafür wütend attackiert: Dabei zeigten sich Piraten und Digital Natives, also jene, die mit und im Netz aufgewachsen sind, genauso unkundig, wenn es um die Strukturen der Film- und Musikbranche und des Verlagswesens geht. Nur wenige erinnerten daran, dass an den Frontverläufen etwas nicht stimmen kann: Die Autoren Juli Zeh und Ilija Trojanow etwa, die erklärten, die Autoren seien keineswegs durch Raubkopien in ihrer Existenz bedroht – „denn kaum einer lebt vom Buchverkauf“. Autoren sind auf Stipendien, Preise, Lesungen und Gastprofessuren angewiesen. Sie erinnerten an alte Kämpfe, als Verlage und Kreative einander – fast – unversöhnlich gegenüberstanden.

Informationen halten sich nicht an Grenzen

Die Front verläuft also möglicherweise zwischen Konsumenten und einer Industrie, die hartnäckig so tut, als produziere sie im 20. Jahrhundert, als könnte man den Vertrieb organisieren wie anno dazumal, als Information noch reale „Träger“ brauchte, die hergestellt und transportiert werden mussten und einzeln verkauft werden konnten: DVDs, CDs, bedrucktes Papier. Auch mit Lizenzen wird nach wie vor verfahren, als hielte sich die Information im Netz an Grenzen: Wer in Österreich versucht, US-Serien zu erwerben, dem wird allzu oft beschieden, dass er das von hier aus nicht darf. Der – auch nicht ganz legale – Ausweg: Man kreiert eine Adresse in den USA und meldet sich so auf iTunes oder Amazon an. Als vermeintlicher Amerikaner „darf“ man dann kaufen, wobei man natürlich nicht einfach mit Kreditkarte zahlen kann, sondern dafür z. B. auf eBay eine amerikanische iTunes-Karte erwerben muss.

Und das dauert nicht nur der „Generation sofort“ zu lange.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.06.2012)

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23 Kommentare
Gast: Kibietz
29.06.2012 16:26
1 0

So legt sich die Musik- und Filmindustrie selbst Steine in den Weg

und zwingen den Nutz in die "Illigalität".

Obwohl ich der Meinung bin das die Preise von CDs, DVDs, o ähnl. zu hoch sind. Nur ein kleiner Brchteil davon kommt beim Künstler an. Selbiger macht sowiso mit Auftritten usw. mehr Geld als mit verkauften CDs. An den Film- und Musikstücken verdienen meist eh die Labels etwas.

D.h. macht man Kunst billiger, pept sie etwas auf zB. mit exklusiven Material oder Sammlereditionen und macht man sie rasch verfügbar dann gibts auch weniger "Raubkopierer".

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Re: So legt sich die Musik- und Filmindustrie selbst Steine in den Weg

Glauben die wirklich das außer den "Superstars" der musikbranche irgendein Künstler auf Tour genug Geld macht um seine Tätigkeit fortzusetzen?

Gast: netter gast
29.06.2012 11:04
2 4

Hartnäckig

wird die Bezeichnung "Raubkopierer"
verwendet .
Weder sehe ich ,
wo in diesem Zusammenhang ein Raub kopiert wird ,
noch wo in diesem Zusammenhang jemals ein Mensch einen Raub begangen hätte.

sie werden sich wundern,

aber beim fliegenfischen angeln auch keine insekten.

Antworten Antworten Gast: netter gast
29.06.2012 17:03
1 0

Re: sie werden sich wundern,

Sind die ,
die auf leere Festplatten
eine Kulturabgabe verlangen
Kulturräuber ?

Re: Hartnäckig

Haben Sie überhaupt eine Ahnung, um was es in diesem Artikel geht?

Antworten Antworten Gast: netter gast
29.06.2012 14:50
0 1

Re: Re: Hartnäckig

Intelligenzräuber ?

0 0

Re: Re: Re: Hartnäckig

Wissen sie den Namen von dem Mann der sie beraubt hat?

2 0

!

Ich kann mich noch erinnern, wie ich als 14jähriger von Libro zu Libro gehetzt bin um eine Maxi-CD zu finden! Dann weiter zum Tolle-Töne, um dann nach stundenlanger Suche doch erst beim Steffl fündig zu werden! :-)
Heute dauert das ganze mit Suche und Download vielleicht 38 Sekunden!
Das Problem, welches ich aber beim legalen "besorgen" von Filmen habe, ist, dass ein Download/Stream-Content mehr oder mindestens genausoviel kostet wie das Original, welches ich in der Hand halte und ins Regal zur Sammlung stelle! Ich rede von HD. Die Qualität von Bild und Ton ist dazu auch noch besser... das soll mir mal einer erklären?!?
Es liegt also meiner Meinung nicht an uns, sondern an "denen"!

Gast: Los Pollos Hermanos
29.06.2012 01:07
5 0

Länder-Vorteil

Interessant, zu hören, dass in den USA trotz Streaming-Anbietern (Netflix, Hulu,...) noch illegal gedownloadet wird. Was sollen dann aber bitte wir armen Europäer machen, denen man nicht einmal diese Möglichkeit, an der die Industrie profitiert, bietet.

Re: Länder-Vorteil

Sie verstehen nicht: Leute wie mich interessiert nicht, ob das ein paar Euro kostet, wenn ich etwas JETZT sehen, hören oder lesen will. Aber das geht bei den üblichen Bezahldiensten nicht. Ich zahle zwischen 5 und 10 Euro monatlich nur fürs Streamen (BBC iPlayer) und möchte für das Downloaden von aktuellen, am Vortag erstmals ausgestrahlten US-Sendungen oder jetzt im Kino laufenden Filmen legal deutlich mehr zahlen, ABER DAS EXISTIERT NICHT!!!

Antworten Antworten Gast: Kibietz
29.06.2012 16:29
0 0

Re: Re: Länder-Vorteil

Da haben wir schon das Problem!

Wer geht dann noch ins Kino? Wer kauft sich dann noch eine DVD?
Die armen Kinobetreiber und DVD Vermarkter haben sie vergessen?

Re: Re: Re: Länder-Vorteil

Ich habe meistens keine Zeit, ins Kino zu "gehen". Und die DVD bekomme ich ja auch erst irgendwann. Mir ist die Form egal, solange sie digital ist, es ist wirklich die Zeit, um die es geht. Speed kills, in dem Fall die zu geringe Geschwindigkeit diejenigen, die auf Verbreitungsmethoden des vorigen Jahrhunderts setzen.

Gast: Die Front hat's auch nie gegeben.
28.06.2012 21:30
2 0

Kann mich noch gut an jene Zeit erinnern von Napster.

Die meisten dieser heute Jugendlichen waren noch im besten Windelalter, wenn überhaupt, zwei Dinge waren klar, es war unbegrenzt, und es gab immer wieder Diskussion über die Möglichkeit von bezahlen. Das war auch noch so bei MegaUpload, und der Frage, wieviel man bereit wäre im Monat an Urheberrecht zu bezahlen, 25.- bis 50.- Euro, verdammt viel Geld auf das die Kultur Industrie hier verzichtet, wie ich meine!

Und noch etwas, ich hab niemals vor und nach Napster so viele CD's und LP's gekauft wie in zur Zeit von Napster!

Die Piratenbewegung auf die Kostenloskultur einzuschränken ist mir ein bißchen sehr wenig, es geht auch um die Verfügbarkeit von Informationen, das Erben nicht hergehen können und einen Löschantrag auf eine Abbildung in Wikipedia gerichtlich durchsetzten können, und, und, und...

Das das ganze auch Konsequenzen hat zeigt Deutschland, zwar gibt es noch einen geringen Zuwachs an Anschlüssen zum Internet, berücksichtigt man Handys und APP dabei, nimmt die Anzahl der Offline Haushalte zu, eine Entwicklung die absehbar und jetzt zu tragen kommt, wohl das schlimmste das passieren konnte in einer offenen Informationsfreiheit!

Re: Kann mich noch gut an jene Zeit erinnern von Napster.

ich gehöre zur Generation denen Napster usw. nicht mal annähernd ein Begriff ist. für mich persönlich ist es auch unvorstellbar sich Informationen nicht schnell bzw sofort beschaffen zu können. wie soll das bitte funktionieren?!

Antworten Antworten Gast: jogijo
29.06.2012 08:01
1 0

Re: Re: Kann mich noch gut an jene Zeit erinnern von Napster.

damals ging man noch in bibliotheken, um sich informationen zu besorgen und man redete auch miteinander. man stand stundenlang in musikgeschäften und hörte die alben probe.
napster, emule und wie auch immer sie alle heißen mögen, haben den daten- und informationsaustausch insofern revolutioniert, als das jeder ein teil dieses netzwerks war und dadurch selbst etwas "beigetragen" hat.

Antworten Antworten Gast: Die Front hat's auch nie gegeben.
28.06.2012 23:11
1 0

Re: Re: Kann mich noch gut an jene Zeit erinnern von Napster.

War ein Per To Per Netzwerk, die Leitungen Grottenschlecht, der damalige Traum, Musik mit einer Bitrate von 56kb/sec, ich hab in meiner Sammlung heute noch einiges mit der Auflösung, allerdings gab's von Fraunhofer ein wunderbaren Compiler der die Musik dennoch nicht unhörbar machte. Dazu kam noch das das modernste für den normalsterblichen ein Telphonmodem war in dem man sich einwählte, wie lange eine LP dauerte kann sich jeder selbst ausrechnen, heute geht selbst ein DVD schneller als damals ein CD...

Schön langsam wird Mensch wirklich alt, wie man an der Antwort sieht....

Re: Re: Re: Kann mich noch gut an jene Zeit erinnern von Napster.

An der Antwort sieht man nicht das Alter. Wohl aber, dass Sie in Deutsch unglaublich schlampen. Ohne Rechtschreibfehler hätte es keinen Cent mehr gekostet.

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Die Recht(s)schreibung!
29.06.2012 11:16
3 1

Re: Re: Re: Kann mich noch gut an jene Zeit erinnern von Napster.

Bekommt Man(n) bei derartigen Kommentaren eigentlich einen Orgasmus oder wird Frau feucht dabei?

P.s.: Auf der MariaHilferMir Stoße gibt es einen Erotik Shop der verkauft Hilfsmittel für erotische Erlebnis ohne Partner!

Es gibt eigene Foren die sich mit der Kultur der Rechtsschreibung beschäftigen, denke das ist sicher der bessere Ort als diePresse.com wo es eher um Information geht und weniger um die Erhaltung der Schreibkultur!

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Die Recht(s)schreibung!
29.06.2012 11:00
1 0

Re: Re: Re: Re: Kann mich noch gut an jene Zeit erinnern von Napster.

Bekommt Man(n) bei derartigen Kommentaren eigentlich einen Orgasmus oder wird Frau feucht dabei?

P.s.: Auf der MariaHilferMir Stoße gibt es einen Erotik Shop der verkauft Hilfsmittel für erotische Erlebnis ohne Partner!

Es gibt eigene Foren die sich mit der Kultur der Rechtsschreibung beschäftigen, denke das ist sicher der bessere Ort als diePresse.com wo es eher um Information geht und weniger um die Erhaltung der Schreibkultur!

Für mich ist DRM ein no go

Außerdem steube ich mich davor die Content-Mafia zu unterstützen, weil sie zu viel Geld haben, so dass sie sich Gesetze kaufen können.

fruher gabs musik nur auf cd, oder um 2 euro pro lied beim libro gebrannt

wollte man 3,4 lieder, musste man den sampler oder die single um 7 euro kaufen...
dann kam das böse napster:
uhhhh, ihr kriminellen!
dann kam itunes und verdiente sich dumm und dämlich!

zahl ich 5 euro auf upc für einen Film? Niemals!
2 euro? mir egal, her damit...

Re: fruher gabs musik nur auf cd, oder um 2 euro pro lied beim libro gebrannt

die Leute zahlen 10 Euro für so ein downloadportal...
southpark gibt's gratis mit ein wenig werbung

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