Die Idee der zwei rumänischen Senatoren war charmant bis bizarr: Im Sommer 2008 forderten sie ein Gesetz, das Medien vorschreibt, täglich ebenso viele gute wie schlechte Nachrichten zu verbreiten. So sollte das Klima im Land verbessert werden. Das Mediengesetz passierte sogar das Parlament, doch danach regte sich massiver Protest gegen eine solche Good-News-Quote. Damit würde in die Pressefreiheit der Journalisten und die EU-Grundsätze eingegriffen, mahnten OSZE und Journalistenverbände – und das Gesetz kam nicht.
Eine Zeitung mit lauter guten Nachrichten? Das ist eine Utopie, denn bestünde sie nur aus positiven Meldungen, wäre sie eben keine Zeitung mehr. Das Wesen der Nachrichtenmedien ist, aktuelle Ereignisse zu schildern, egal, ob gute oder schlechte. (Darum ist den „Nachrichten“ in dieser Ausgabe ein eigenes Buch reserviert.) Es sei sogar der Hauptzweck der Massenmedien, so Klaus Schönbach, Vorstand des Wiener Publizistikinstituts, „auf Krisensymptome aufmerksam zu machen. Dafür werden sie bezahlt.“ Weil Medien nur Platz für ein Prozent der Neuigkeiten haben, müssen diese gefiltert werden. Wichtige Nachrichtenfaktoren sind etwa die Nähe zum eigenen Land oder die Prominenz der handelnden Personen. „Der vielleicht wichtigste Nachrichtenfaktor ist aber der Negativismus“, sagt Schönbach. Negative Nachrichten hätten immer Vorrang, „aber nicht, weil Journalisten so defätistisch sind, sondern weil sie ihren Job gut machen“.
„Bad news is good news“
Dass den Menschen das Bedrohliche mehr interessiert als das Positive, hat mit seiner Wahrnehmungspsychologie zu tun. Er informiert sich instinktiv über Gefahren, um sich gegen sie zu wappnen. Schönbach glaubt nicht, dass heute mehr negative Schlagzeilen produziert werden als früher. Zugenommen habe aber die Emotionalisierung der Themen. „Nachrichtenmedien sollten einen allzu alarmistischen Ton vermeiden. Denn sie werden nicht dafür bezahlt, dass sie uns unnötig Sorgen machen.“
Und natürlich schaffen es hie und da auch positive Nachrichten in die Schlagzeilen – aber nur, wenn sie eine Sensation sind oder mit Prominenten zu tun haben. Oder Tieren. Manche Blätter richten einen fixen Platz für Positives ein, etwa Geburts- und Hochzeitsanzeigen. „Die Zeit“ reserviert ihren Lesern sogar eine Spalte, in der sie erzählen „Was mein Leben reicher macht“.
Übrigens, es waren nicht Journalisten, sondern PR-Vertreter, die das Sprichwort „Bad news is good news“ prägten: Um ihre Kunden zu beruhigen, behaupteten sie, es sei besser mit schlechten Nachrichten im Gespräch zu sein als gar nicht.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.06.2012)

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