24.05.2013 23:07 Merkliste 0

Ägypten: Die islamistische Fernsehrevolution

31.07.2012 | 17:25 |  Von unserem Mitarbeiter MARTIN GEHLEN (Die Presse)

Im neuen ägyptischen Sender Maria TV treten ausschließlich vollverschleierte Frauen als Moderatorinnen auf. Ein weiteres Indiz für den Aufschwung der radikalen Salafisten seit dem Sturz Mubaraks.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Kairo. Das einzige offene Gesicht im Studio ist aus Pappe, ein lebensgroßer Puppenkopf, der bei politischer Satire zum Einsatz kommen soll. Alle anderen sind verhüllt – von Kopf bis Fuß mit körperlangen schwarzen Roben.
Handschuhe verdecken noch den letzten Rest an Haut, durch den schmalen Augenschlitz des sogenannten Niqab lugen einzig die Augenpaare. Ob vor der Kamera oder hinter der Kamera, hier arbeiten nur Frauen im Islamisten-Volldress.

Zu Beginn des Ramadans war Premiere, seitdem strahlt Maria TV sechs Stunden täglich am Himmel über Ägypten. Benannt ist das jüngste der frommen Satellitenprogramme nach einer koptisch-christlichen Sklavin, die vom Propheten Mohammed freigelassen und anschließend seine Konkubine wurde.

Zu Mubaraks Zeiten verboten

„Wir wollen die Diskriminierung bekämpfen“, sagt Safaa Refai, Programmchefin des neuen Senders, eine Koran-Lehrerin, die stolz den Titel Scheicha führt. Über die Herkunft der Finanzmittel schweigt sie, die meisten der streng religiösen Kanäle allerdings werden von reichen Saudis gesponsert. Unter Hosni Mubarak war der Niqab im Fernsehen strikt verboten. Voll verschleierte Frauen durften nicht an Universitäten dozieren oder in Behörden arbeiten. Studentinnen ohne offenes Gesicht wurden von Prüfungen ausgeschlossen. Und nun also ein Sender von Niqab-Trägerinnen für Niqab-Trägerinnen. „Das zeigt, wie stark sich Ägypten verändert hat“, frohlockt Scheicha Safaa Refai.

Produziert wird in einem Apartment am Abbasiyya-Platz mit Blick auf die Al-Nour-Moschee, das größte Zentrum militanter Salafisten in Kairo. Gründervater und Mentor des neuen Senders ist in diesem Milieu natürlich ein Mann: Ahmed Abdallah, der sich mit dem Ehrennamen Abu Islam schmückt, Vater des Islam. „Frauen brauchen nicht ihre Schönheit zu enthüllen, um von der Welt gesehen zu werden“, dozierte der füllige Mann mit weißem Vollbart nach der Sendepremiere. Bereits 2006 hatte der Salafisten-Prediger Ummah TV gegründet, einen Missionskanal, bei dem bisher nur bärtige Männer das Sagen hatten; das keusche Maria-Programm ergänzt jetzt den Sendeplan. Mehrfach nahm Mubaraks Staatssicherheit das Ummah-Studio auseinander, zertrümmerte Kameras und Inventar. Vier Mal wanderte Direktor Abu Islam hinter Gitter, längstens für drei Wochen.

Doch seit dem Sturz Mubaraks fühlen sich er und seine ultrakonservativen Mitstreiter im Aufwind. Auf dem Land lassen sie Moralpolizisten patrouillieren, auf den Mittelmeer-Stränden Flugblätter gegen Musik verteilen, und im neuen Kabinett haben sie ihr Auge auf das Ministerium für Erziehung geworfen.

„Alles, was eine Frau braucht“

Im Parlament stellten die Salafisten zusammen mit den Muslimbrüdern fast eine Dreiviertelmehrheit. Monatelang debattierten sie über ihre bigotten Gesetzespläne, wollten das Heiratsalter für Mädchen auf zwölf Jahre absenken und das Verbot weiblicher Genitalverstümmelung annullieren. Nur die Auflösung der Volksvertretung durch das Verfassungsgericht vor sechs Wochen verhinderte, dass das relativ liberale Scheidungs- und Kindersorgerecht aus der Mubarak-Zeit schon jetzt von den Eiferern zurückgedreht wurde. „Wir bieten alles, was eine Frau braucht“, wirbt derweil Maria-TV-Moderatorin Abeer Shahin. „Das erste Jahr der Ehe“ heißt ihre Beratungssendung. „Wenn dein Mann abends müde nach Hause kommt und dich keines Blickes würdigt, selbst wenn du das ganze Haus mit brennenden Kerzen geschmückt hast, sei nicht verärgert“, rät sie.

Andere Serien beschäftigen sich mit Untreue in der Ehe, Kindererziehung, Nähen und islamischer Politik. „Verschleierte Frauen sind erfolgreich, das vor allem wollen wir der Gesellschaft zeigen“,  sagt Abeer Shahin. „Eine Niqab-Trägerin kann Ärztin sein, Ingenieurin oder eben auch erfolgreiche Fernsehfrau.“ Weibliche Gäste im Studio haben allerdings keine Wahl. Entweder sie stülpen einen geliehenen Vollschleier über oder ihr Gesicht wird verpixelt.

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

20 Kommentare
6 0

;)

warm eingepackt für den arabischen Winter ... wobei hat auch was von scary Movie...

Gast: Üzi Güzi
02.08.2012 02:19
7 0

Irgendwie seltsam das ganze

oder kommt es mir nur so vor?
Kein einziger aufschreie der Feministinnen und Gutmenschen oder sonst wem? Auf einer Seite Genderwahnsinn der bei einer deutschen Partei nicht einmal vor dem Klo endet (wirklich), bei Prüfungen frauenqoute gemacht werden (legal oder nicht), Bundeshymen einfach so geändert werden, wo Väter nur zahlen sollen nach dem Gesetz, aber da kommt nichts. Nada. Nennte. Null. Versteh ich nicht. da wollen einige gleicher sein als gleich und dann sagt keiner etwas wenn Frauen sich unter einer decke leben müssen/sollen/wollen.

Ist das die Freiheit die Frauen so verstehen und wollen??

10 0

Arabischer Frühling endet im Klerikal-Faschismus

Europäer und Amerikaner haben diese Entwicklung mitzuverantworten, da sie an der Demontage des für orientalische Verhältnisse gemäßigten Diktators Mubarak fleißig mitgearbeitet haben. Ägypten auf dem Weg von einer Soft-Diktatur zum Klerikal-Faschismus. Was für ein Erfolg!

ein klares Statement...

... gegen Schönheits - OP's

Ägypten macht es eindrucksvoll vor, dass man Frauen um fernsehtauglich zu sein nur einen Vorhang vors Gesicht hängen muss!

Gratulation zu diesem Statement!

*sarcasm

Das hat durchaus auch Vorteile!

1. Das von Schulden geplagte ägyptische Fernsehen kann an ModeratorInnen sparen. Von nun an kann ein der selbe harrige Typ mit verstellter Stimme und verschiedenen Schleiern die Nachrichten lesen und niemand merkt's!

2. ...fällt mir nichts mehr ein, aber es wird Zeit, dass mans sich überlegt, was man tut um selbiges bei uns zu verhindern. Der arabische Sommer klingt gar nicht so sehr nach Ferien, wie man sich das nach einem ach so tollen und vielversprechenden Frühling erwartet hatte(mit dem lieben El Gowhari vom tillen ORF !!!).

JaJa

Die Revolutionen im nahen Osten bringen die Länder dem 21. Jahrhundert viel viel näher.
(Gefundener Sarkasmus darf behalten werden ;))

Gast: WIC
01.08.2012 10:37
4 0

Das

macht mir Angst!!

Gast: merks europa
01.08.2012 06:44
11 0

salafisten

Diese Zeitungsberichte sind sehr aufmerksam zu lesen. Besonders in Europa.

11 1

War doch alles voll super laut ORF&Medien -

da sieht man wieder, wie ahnungslos die Medienmacher/innen sind.

wo sind hier Frauen?

sehe nur Mumien ...

Gast: Gustav Gunkel
01.08.2012 03:15
18 0

"durch den schmalen Augenschlitz des sogenannten Niqab lugen einzig die Augenpaare"

Nein - jetzt hab ich hingeschaut. Furchtbar. Jetzt habe ich ihre Augen gesehen und das hat mich derart erregt, ich kann es gar nicht sagen.

Wie konnte das denn passieren? Wussten die Verantwortlichen nicht, daß man ihnen auch noch SONNENBRILLEN aufsetzen muß?

Außerdem sollte die Stimme elektronisch verzerrt werden, ansonsten erregt sich ein Mann noch an der Stimme.

Antworten Gast: Emil Erpel
01.08.2012 10:38
2 0

ja, einfach nur geil

Darauf haben die europäischen Männer gewartet.

Gast: Fernsehrevoluzze
31.07.2012 21:18
9 0

Saudisponsoren

Sponsoren dort, Sponsoren da - über die Herkunft der Mittel wird geschwiegen- dort und da.
Ist das auch schon zuviel gesagt?

Antworten Gast: biersauer
01.08.2012 07:52
0 4

Re: Saudisponsoren

,,kann nichts verschwiegen werden, denn es ist das Geld, welches wir für Erdöl zur Tankstellentragen, damit wir bequem einige Kilometer fahren können.
Daher ist die Energiewende notwendig um all diesen Unfug zurück zu drängen.
Fahren und heizen mit unserer eigenen Energie aus den Bergen, aus Wind und Solar.
China hat die Nase vorn, dort gibt es bald 1.000,000.000 Elektrofahrzeuge!
Und bei uns?

Re: Re: Saudisponsoren

so viele Akkus kann man nicht bauen, zumindest nicht auf lithiumbasis

furchtbar, wie sich Ägypten in den letzten 40 Jahren verändert hat

dabei war das Land so wunderbar variabel

Das wäre mal was für den ORF und uns Gebührenzahler!

Da wird nicht viel Geld für das Kostüm und der Maske verschwendet. Und auch die Gehörlosen haben einen Vorteil: Die Frage, wie sieht die aus muss nur einmal gestellt werden *g*

Gast: Garst
31.07.2012 20:29
1 7

Pf, na und? Ist deren Land.


7 10

Wie in einem Comic


Wovor fürchten sich die Männer denn so?

1 1

Re: Wie in einem Comic


Uuuppps - so viele Fürchte???