Journalismusstudenten lernen es in den Einführungsvorlesungen: Der österreichische Medienmarkt ist klein und hoch konzentriert, auch und gerade im Boulevardsektor. Wenn also wie gerade eben, pünktlich zum Ende eines Monats, diverse Rochaden bei (Gratis-)Zeitungen bekannt werden, gibt es naturgemäß kaum Überraschungen. Es sind die immer gleichen handelnden Personen, die ein Medium verlassen und bei der Konkurrenz neues Glück suchen. Dabei ist die Abwanderungsbewegung vor allem in eine Richtung deutlich: Weg von „Österreich“, hin zu „Heute“.
Was in der Branche seit Wochen als fix galt, dass nämlich „Österreich“-Chefredakteur Christian Nusser zu „Heute“ wechselt, hat Eva Dichand am Dienstag bestätigt. Nusser soll die Blattlinie des Gratisblatts beibehalten und als ehemaliger oe24.at-Chef vor allem den Onlinebereich ausbauen, sagten Dichand und Geschäftsführer Wolfgang Jansky der APA. Nusser ist ein langjähriger Fellner-Begleiter, der nach ersten Stationen bei „Arbeiter Zeitung“ und „Kurier“ 1994 in die Chefredaktion von Fellners „TV-Media“ einstieg und nicht mehr von der Seite des „News“- und „Österreich“-Gründers wich. Nussers Entschluss zur Konkurrenz „Heute“ zu wechseln, soll Fellner hart getroffen haben, vielleicht dementierte er dessen Abgang deshalb so hartnäckig. Dichand will mit Nusser ein Signal in Richtung mehr Qualität setzen und sich damit „von ,Österreich‘ in Richtung qualitativ hochwertig“ absetzen, wie Jansky erklärte. Die beiden hatten lange nach einem Nachfolger für Wolfgang Ainetter gesucht. Der verließ das Gratisblatt schon im Herbst wegen Meinungsverschiedenheiten und ist seit Juli „News“-Chef.
„Österreich“: Mehr Häuptlinge als Indianer
Christian Nussers Platz in der Chefredaktion von „Österreich“ wird gleich doppelt nachbesetzt: Fellner holt den früheren „News“-Chefredakteur Atha Athanasiadis, zuletzt Pressesprecher des Circus Roncalli, und befördert auch Kulturressortleiter Christoph Hirschmann zum Chefredakteur. Gleichzeitig macht er sieben Ressortleiter und -leiterinnen zu stellvertretenden Chefredakteuren, Ida Metzger übernimmt die Chefredaktion des Farbmagazins am Sonntag, Uschi Fellner bleibt „Madonna“-Chefin. Somit sind neben den bisherigen drei Chefredakteuren (Wolfgang und sein Sohn Niki Fellner sowie Werner Schima) dreizehn Personen in der Chefredaktion des Blattes. Eine Tatsache, die am Dienstag in der Branche für Erheiterung sorgte. Im Kurznachrichtendienst Twitter fragen manche Beobachter, ob es neben den vielen Häuptlingen überhaupt noch Indianer in der „Österreich“-Redaktion geben würde.
Die Rückkehr von Atha Athanasiadis (43) in Fellners Reich wurde ebenfalls schon länger angekündigt, amüsant ist, dass er dort auf jenen Mann trifft, der ihn im Februar 2010 nach knapp zwei Jahren als „News“-Chefredakteur abgesägt hatte: Oliver Voigt, damals noch Boss der Verlagsgruppe News, ist heute Geschäftsführer der Verlagsgruppe „Österreich“. Amüsant ist auch, dass die drei ehemaligen Chefredakteure von „Heute“, „News“ und „Österreich“ ähnlich wie beim Sesselrücken untereinander die Plätze getauscht haben. Das unterstreicht nicht nur, wie klein die Welt des Boulevards ist, sondern bestätigt, dass Frauen auf oberster Führungsebene kaum eine Rolle spielen. Eva Dichand sagt dazu zur "Presse", man wollte diesmal unbedingt einen erfahrenen Chefredakteur, so viele Frauen, die da in Frage kommen, gäbe es da nicht. "Wir machen uns aber auf die Suche nach einer weiblichen Ressortleiterin", verspricht Dichand.

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