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Intern: Abschiedsbrief von Michael Fleischhacker

04.08.2012 | 10:49 |   (Die Presse)

Neuordnung in der Chefredaktion der "Presse". Fleischhacker nimmt nach acht Jahren Abschied, "nicht ohne Wehmut, aber ohne Groll".

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Liebe Leserinnen und Leser!

Heute heißt es für mich Abschied nehmen: Nach zehn Jahren, acht davon als Chefredakteur, verlasse ich die „Presse“. Mein Abschied ist Teil einer Neuordnung, die die Styria Media Group AG für ihre beiden Wiener Tageszeitungen, die „Presse“ und das „Wirtschaftsblatt“, beschlossen hat. Die beiden Häuser werden künftig unter Aufrechterhaltung der redaktionellen Trennung organisatorisch enger zusammenrücken und erhalten mit Michael Tillian und Herwig Langanger eine neue, gemeinsame Leitung.

Ich habe mich, wie auch der bisherige Vorsitzende der „Presse“-Geschäftsführung, Reinhold Gmeinbauer, entschlossen, diesen Weg nicht mitzugehen. Im Lauf der Vorbereitungen auf das Neue hat sich herausgestellt, dass meine eigenen Vorstellungen von der Zukunft und die der Eigentümer nicht genug Gemeinsamkeiten aufweisen, um den Weg gemeinsam gehen zu können. Aber ich teile die Ziele, die mit der Neuorganisation verfolgt werden – größere wirtschaftliche Stabilität bei gleichzeitigem Ausbau der journalistischen Qualität –, und hoffe, dass es dem neuen Team gelingen wird, sie zu erreichen. Viele Wege führen zum Ziel, jeder muss für sich entscheiden, welchen er gehen will.

Das gilt freilich nicht nur für Abschiede: Ich weiß aus vielen Gesprächen, Telefonaten und Korrespondenzen, dass der Weg, den „Die Presse“ während der vergangenen Jahre unter meiner Führung gegangen ist, für viele Leserinnen und Leser immer wieder für Verstörung und Unmut gesorgt hat. In unserem leidenschaftlichen Versuch, die bürgerlich-liberale Tradition dieser großen Zeitung zeitgenössisch zu interpretieren, haben wir gelegentlich zu sehr zugespitzt, manchmal sind wir in Sackgassen geraten, an manchen Tagen mag man den nötigen Ernst vermisst haben. Ich kann Ihnen versichern, dass wir es in unserem Bemühen um Unabhängigkeit, Qualität und Originalität immer ernst gemeint haben.

Ich verlasse die „Presse“ und die Styria Media Group nicht ohne Wehmut, aber ohne jeden Groll darüber, dass ich nicht Teil des Neuen sein werde, das jetzt beginnt. Die Medienlandschaft befindet sich nicht nur in Österreich inmitten eines fundamentalen Wandels, der die Suche nach neuen Wegen notwendig macht. Die Eigentümervertreter haben sich in all den inhaltlichen Debatten und Auseinandersetzungen bis hin zu den abschließenden Gesprächen über eine Trennung als offene, faire Gesprächspartner erwiesen. Da das kein Bruch im Unfrieden, sondern eine Trennung im Respekt vor unterschiedlichen Überzeugungen ist, müssen jene unter Ihnen, die meine Texte gar nicht vermissen werden, damit rechnen, dass der eine oder andere auch in Zukunft in der „Presse“ erscheint. Aber das muss der nächste Chefredakteur entscheiden.

Für meine Nachfolge in dieser Funktion hat die Styria Media Group meinen Freund und Kollegen Rainer Nowak nominiert. Er wird sich kommende Woche gemäß dem Redaktionsstatut der „Presse“ der Wahl durch die Redaktionsversammlung stellen, und ich bin davon überzeugt, dass die Kolleginnen und Kollegen ihm ihr Vertrauen schenken werden. Darum möchte ich auch Sie, liebe Leserinnen und Leser, bitten. Rainer Nowak wird dieses Vertrauen, unterstützt von der besten Redaktion des Landes, nicht enttäuschen.


 

("Die Presse", Samstag, 4. August 2012)

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309 Kommentare
 
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Gast: seifenspenderin
03.11.2012 00:39
0 0

DAnek und ab

Freunderlwirtschaft hat schon öfters mal Schaden angerichtet.

Bedauern

Ich bedauere den Abgang von Michael Fleischhacker sehr. Er hat Auseinandersetzungen nicht gescheut und hat der Meinungsvielfalt Raum gegeben.
Alles Gute für die Zukunft! Und alles Gute für den weiteren aufrechten Gang!

Gast: iona
12.08.2012 23:47
2 1

verdammt,

ich hab den mann richtig gern.
wo geht er hin?

Antworten Gast: geh anders
28.08.2012 15:00
0 0

Re: verdammt,

und Ihren chef und die queen auch. putin, fischer, hollande, ...

Gast: Aussenbeobachter
09.08.2012 19:49
3 0

Sehr schade

Für ihren Mut, die Dinge und vor allem auch die Personen beim Namen zu nennen, wenn es notwendig war - und es war in letzter Zeit besonders notwendig - hat mir die Hoffnung gelassen, dass es in dieser Medienlandschaft noch Persönlichkeiten gibt, die keine Angst haben vor unangenehmen Konsequenzen der Mächtigen dieses Landes, danke ich ihnen.

Gast: ökono-mist
09.08.2012 02:04
4 1

Mein lieber Chef!


Spätestens nach der "Artikelserie" zur Gute-Nachrichten-Verzweiflung, die bis nach Peking ausstrahlte, wo nach schweren Unwettern gute Nachrichten angeordnet wurden, ahnte ich, daß nicht mehr alles so weitergehen könne wie bisher.

Daß es aber so schnell gehen würde, habe ich nicht gedacht.

Der Trost:

1. Der Nachfolger (ad personam)

2. Ein Vollblutjournalist wie Sie läßt sich nicht einfach verräumen wie ein alter Teddybär. Er hängt an einem Myzelium, und kommt früher oder später als Fruchtkörper wieder an die Oberfläche (gilt auch für den Kollegen Unterhuber vom "Wirtschaftsblatt" - er gäbe einen guten Korruptionsstaatsanwalt ab; wenn ich hier ein wenig ironische Berufsberatung betreiben darf...).

Danke auch für Ihren (erheblichen) Beitrag zur Entblödung unserer kleinen, aber gar nicht feinen boulevardesken Schlagzeilen-Diktatur.

Viel Erfolg bei Ihrer künftigen Öffentlichkeitsarbeit!

Es grüßt Sie herzlich

Ihr langjähriger ehrenamtlicher Gast(mit)arbeiter
"ökono-mist"

P.S.: ,der schon länger in der "Presse" schreiben darf als Sie. Dafür ist auch einmal ein Dank fällig [,an die Eigentümer, an die fleißigen Inhaltsüberprüfer und Freischalter, an den CR und die Redaktion - und auch an den ehemaligen Chefredakteur Unterberger, der in punkto Verteidigung der Meinungs(veröffentlichungs)freiheit ebenso keine Kompromisse kannte wie Sie, selbst dann nicht, wenn er von primitiven Postern unter der Gürtellinie angegriffen wurde].

Wann, wenn nicht jetzt?

Ecken und Kanten

Wirklich schade, dass die Presse MF als Chefredakteur verliert. Führungskräfte mit Ecken und Kanten werden leider immer seltener.

3 0

Alles Gute

Herr Fleischhacker auf Ihrem weiteren beruflichen Weg.
Ich schätzte ihn als Chefredakteuer, weil sich die Presse unter ihm von einer ÖVP- und industriellenvereinslastigen Zeitung zu einem kritischen und offenen Medium entwickelt hat. Sollte sich die Blattlinie wieder rückentwickeln, werde ich das Presse-Abo jedenfalls kündigen.

2 0

Alles Gute


Gast: Prinz Calaf
08.08.2012 09:16
2 8

Ein Verlust?

Herrn Fleischhacker und sein endlich in die Wüste geschicktes Team werden mir nicht abgehen. Unter seiner Führung hatte die Presse einen veritablen Qualitätsverlust zu verzeichen. Seine unbedeutenden Kommentare habe ich schon lange nicht mehr gelesen. Dem neuen Team alles Gute auf dem Weg zurück zu einem Qualitätsblatt!

Gast: Paulus 44
07.08.2012 16:59
3 7

Nicht mehr Chefredakteur? Mir werden Sie nicht abgehen.


Herr Dr. Fleischhacker steht für mich für die "Standardisierung" der "Presse", also für eine Art von feindlicher Übernahme der (zu Zeiten Schulmeister, Chorherr und Unterberger) besten Tageszeitung Österreichs und ihre Überführung in ein linkes Zeitgeistblättchen ähnlich dem "Standard".

Ich habe nie verstanden, was den Verlag Styria bewogen hat, einen derart radikalen Kurswechsel in der Blattlinie vorzunehmen. War es Anbiederung an die sogenannte Jugend? War es eigene Prinzipienlosigkeit? War es das Gieren nach mehr Auflage um jeden Preis? Für mich war der Kurswechsel Grund genug, das Abo nach mehr als vierzig Jahren zu kündigen. Und ich habe es nie bereut, wenn ich gelegentlich "meine" alte Zeitung durchgeblättert habe.

Werter Dr. Fleischhacker, Sie werden mir nicht abgehen - ich habe Sie irgendwie schon vergessen, da nicht wichtig. Alles Gute für die Zukunft, sowohl Ihnen, als auch der "Presse".

Re: Nicht mehr Chefredakteur? Mir werden Sie nicht abgehen.

und obwohl sie die Presse ja angeblich nicht mehr lesen, müssen sie gleich nach Abgang des Chefredakteurs ihren sinnbefreiten Kommentar abliefern?

...ist schon irgendwie blöd, wenn man selbst kaum etwas hat, was zum Selbstbewusstsein beiträgt, gell?

Re: Re: Nicht mehr Chefredakteur? Mir werden Sie nicht abgehen.

na sooo sinnbefreit wieder nicht.
unbestritten war der kurswechsel mit fleischhacker radikal...und der ärger von vielen stammlesern enorm.

Re: Re: Re: Nicht mehr Chefredakteur? Mir werden Sie nicht abgehen.

und diesen radikalen Schnitt hat es auch gebraucht, war mehr als überfällig...

ginge es nach den sogenannten "Stammlesern" hätte die Presse wahrscheinlich noch nicht mal eine eigene Website...


Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: geh anders
28.08.2012 15:02
0 0

Re: Re: Re: Re: Nicht mehr Chefredakteur? Mir werden Sie nicht abgehen.

jaja unbedingt.

Re: Re: Re: Re: Nicht mehr Chefredakteur? Mir werden Sie nicht abgehen.

na na
voll vorurteilen und klischees..eh?
sie wären erstaunt wie progressiv manche alten knacker sind

Re: Re: Re: Re: Re: Nicht mehr Chefredakteur? Mir werden Sie nicht abgehen.

ich denke, Sie wissen ganz genau, wie es gemeint ist...

Michael Fleischhacker ist für mich einer der besten Journalisten dieses Landes, vermutlich sogar einer der besten im deutschsprachigen Raum.


Re: Re: Re: Re: Re: Re: Nicht mehr Chefredakteur? Mir werden Sie nicht abgehen.

erstens..ein hervorragender journalist macht noch keinen hervorragenden chefredakteur
zweiten..superlative kommen meistens aus einer gewissen verblendung

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: geh anders
28.08.2012 15:03
0 0

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Nicht mehr Chefredakteur? Mir werden Sie nicht abgehen.

alles hervorragend, klar!

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Nicht mehr Chefredakteur? Mir werden Sie nicht abgehen.

keine Angst, noch brauche ich keine Sonnenbrille.

ich wünsche ihnen eine gute Nacht

und hab ein paar Zeilen frei gelassen, damit sie Platz für das letzte Wort haben...;)

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Nicht mehr Chefredakteur? Mir werden Sie nicht abgehen.

na logisch..blinde brauchen keine sonnenbrille

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Paulus 44
09.08.2012 17:14
0 0

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Nicht mehr Chefredakteur? Mir werden Sie nicht abgehen.


An den Befürwortern nach Art des "extravaganza" erkennt man, wem die Linie Fleischhacker gefällt. Wie gesagt: mir wird er nicht abgehen.

Gast: H.M.S.
07.08.2012 14:25
0 0

Mein Kommentar:

It's a rich man's game, no matter what they call it.

Gast: MichelMaik
07.08.2012 13:25
6 1

Nicht mehr Chefredakteur? Schade.

Ob sich Die Presse damit etwas Gutes getan hat?

Sicher musste auch ein Michael Fleischhacker öfters Kompromisse machen, aber grundsätzlich halte ich ihn für einen der - wenigen - wichtigen Journalisten des Landes, denen man weitgehend vertrauen konnte und kann:
Veranwortungsbewusst, unbestechlich und blitzgescheit.
Mit dieser Persönlichkeit hat er für mich Die Presse geprägt und zur Qualitätszeitung gemacht.

Antworten Gast: H. Wallnöfer
07.08.2012 14:21
5 0

Re: Nicht mehr Chefredakteur? Schade.

Sehe ich auch so.
Hoffentlich bleibt die kluge und kritische Stimme von Fleischhacker weiterhin öffentlich und mit Breitenwirkung vernehmbar.
Auch wenn Menschen wie er den unaufhörlichen Abstieg Österreichs nicht aufhalten können, so können sie ihn doch zumindest ein wenig verlangsamen.

Gast: copypaste
07.08.2012 08:39
5 0

lingens im profil. april 2011

Durch Jahrzehnte war sie eine angeblich „bürgerliche“, in Wirklichkeit ÖVP-hörige Zeitung von nur äußerlich großem Format. Dennoch ist sie in nur wenigen Jahren unter ihrem neuen Chefredakteur Michael Fleischhacker zu einem unabhängigen, rechtsliberalen Blatt von wirklichem Format geworden, neben dem der linksliberale „Standard“ immer älter aussieht.

 
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