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Intern: Rainer Nowak an die "Presse"-Leser

09.08.2012 | 18:47 |   (Die Presse)

Kontinuität nach dem Wechsel in der Chefredaktion. "Die Presse" wird weiterhin "klar Partei ergreifen, wenn wir es für notwendig erachten."

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Liebe Leserinnen und Leser!

Vergangenen Samstag hat sich Chefredakteur Michael Fleischhacker an dieser Stelle von Ihnen verabschiedet. Wie viele Mails, Anrufe und Leserbriefe zeigen, ist dieser Abschied für viele von Ihnen genauso überraschend und schmerzlich wie für uns in der Redaktion. Die Gründe für sein Ausscheiden hat er bereits dargelegt. Michael Fleischhacker wird dieses Haus Ende des Monats als Freund verlassen. Mit seinen 43 Jahren ist ihm gelungen, was nur wenige in der österreichischen Medienbranche erreichen. Er hat nicht nur eine völlig neue publizistische Debatten- und Streitkultur in diesem Land geschaffen, wie viele – fast traurige – Reaktionen seiner bisherigen Lieblingsgegner wie „Falter“-Chefredakteur Armin Thurnher zeigen. Er hat auch bewiesen, dass Qualitätsjournalismus überraschen kann und muss. Und er hat in dieser Zeitung und wohl auch darüber hinaus eine ganze Generation von Journalisten geprägt. Ich durfte einer von ihnen sein. Namens der gesamten Redaktion bedanke ich mich für die fast zehn Jahre dauernde Meisterklasse in Journalismus. Es war eine sehr gute Zeit. Unser besonderer Dank gilt auch dem zeitgleich abtretenden Geschäftsführer Reinhold Gmeinbauer. Wir werden uns bei beiden noch gebührend verabschieden.

Der Vorstand der Styria Medien AG hat mich als Nachfolger von Michael Fleischhacker nominiert. Gemäß dem Statut, das der Redaktion dieser Zeitung das Recht einräumt, einen Chefredakteur mit Zweidrittelmehrheit abzulehnen und journalistische Unabhängigkeit sichert, kam es am Mittwoch zum verpflichtend vorgesehenen Hearing und zur Abstimmung. Dabei durfte ich erfahren, was die Formulierung „überwältigende Mehrheit“ bedeutet. Ich bin den Kolleginnen und Kollegen für ihr Vertrauensvotum sehr dankbar. Ich bitte nun Sie, sehr geehrte Leserinnen und Leser, mir und meiner Redaktion weiterhin das Vertrauen zu schenken. In der Chefredaktion werden Franz Schellhorn und Florian Asamer als Stellvertreter an meiner Seite Kontinuität beweisen. „Die Presse am Sonntag“ wird Christian Ultsch weiterführen. Garantieren kann ich Ihnen heute schon, dass sich an der bürgerlich-liberalen Blattlinie nichts ändern wird und darf. Wir werden weiterhin mit allen zur Verfügung stehenden publizistischen Mitteln für die Freiheit des Einzelnen eintreten, sei es in der Wirtschaft, sei es in der Gesellschaft. Wir werden uns weiterhin von keiner Partei vereinnahmen lassen, aber klar Partei ergreifen, wenn wir es für notwendig erachten. Wir werden wirtschaftsliberal bleiben und streiten, auch wenn dies in Österreich leider eine Minderheitsposition darstellt. Wir werden weiterhin manchmal Positionen einnehmen, die für viele unserer Mitbewerber auf dem Zeitungsmarkt vielleicht nicht gerade als chic gelten. Wir mögen es nämlich mitunter ganz gern – nennen wir es beim Namen – konservativ. Sprich wir werden uns auch in Zukunft den einen oder anderen Feind machen. Wir werden aber auch das tun, was Journalisten immer tun müssen: allen Seiten zuhören, ihnen Gehör verschaffen und auch andere Meinungen als die unseren respektieren.

Die gesamtwirtschaftliche Situation ist schwierig, insbesondere für Medienunternehmen. Selten zuvor haben sich die Mediengewohnheiten so schnell verändert wie heute, unsere Plattformen, egal, ob auf Zeitungspapier oder im Netz, können und dürfen sich dem nicht entziehen. Wir werden daher auch die „Presse“ mittels Gewichtung von Inhalten, Zugang zu Themen und Aufbereitung von Informationen zu verbessern versuchen. 2012 ist Veränderung die (tägliche) Herausforderung für eine Tageszeitung.
Bleiben Sie uns treu!

Hochachtungsvoll, Ihr

Rainer Nowak

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.08.2012)

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86 Kommentare
 
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Gast: mama said know
12.08.2012 21:31
1 0

na dann

guten start und all the best.

bürgerlich-liberal, wirtschaftsliberal und konservativ...

eine zeitung sozusagen als ideologische designer-droge: das zu versuchen, war sicherlich fleischhackers verdienst.

"Wir werden uns weiterhin von keiner Partei vereinnahmen lassen.."

weiterhin?
etwa so, wie sich ein unterberger und ein fleischhacker mit händen und füßen dagegen gewehrt haben, zum zentralen jubelorgan der schwarz-braunen korruptkoalition zu werden?

Re: "Wir werden uns weiterhin von keiner Partei vereinnahmen lassen.."

fleischhacker?

Re: Re: "Wir werden uns weiterhin von keiner Partei vereinnahmen lassen.."

ja, fleischhacker:
seit 2002 bei diePresse, seit 2004 chefredakteur.
und nicht einen einzigen leser dazugewonnen, weil er den unterberger-weg (in etwas dezenterer form) fortgesetzt hat.

Re: Re: Re: "Wir werden uns weiterhin von keiner Partei vereinnahmen lassen.."

was für unsinn...ja der unterberger hat uns 2000 unterstützt...dafür musste er auch gehen...aber der fleischhacker mit seinem links-liberalen kurs und dem ständigen vp-bashing doch nicht.
ich bin ja eher froh dass er weg ist..obwohl es mir für ihn persönlich leid tut
eine ex- und vier kinder zu alimentrieren ohne job in sicht ist schon bitter
fleischhacker hätte den unterberger weg fortgesetzt? quatsch villacher faschingsscherz

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: krr
15.08.2012 09:24
0 0

Re: Re: Re: Re: "Wir werden uns weiterhin von keiner Partei vereinnahmen lassen.."

leben sie rechts der nazis?

Re: Re: Re: Re: Re: "Wir werden uns weiterhin von keiner Partei vereinnahmen lassen.."

wie sie oben erkennen können bin ich in der tiefsten mitte zuhause
allerdings aus linkslinker sicht ist auch die mitte rechts
vielleicht brauchen sien politkompass
sie erscheinen verwirrt und orientierungslos

Gast: heiliger strohsack
12.08.2012 10:15
7 0

allen Seiten zuhören, ihnen Gehör verschaffen und auch andere Meinungen als die unseren respektieren

Auf Deutsch: Die heute schon katastrophale Zensur wird noch weiter verschärft.

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Re: allen Seiten zuhören, ihnen Gehör verschaffen und auch andere Meinungen als die unseren respektieren

wie soll das denn möglich sein, wenn man "klar Partei ergreifen" möchte...

Gast: Gastrosoph
12.08.2012 08:01
2 2

Mir kommen die Tränen...

'wenn wir es für notwendig erachten' - und wenn nicht?! Blah, blah... Der Herr Novak mit seinem Waisenheim-Blick a la E.T. - Nimm mich bitte mit! I will ham! - Als Ex-Kollege kann ich es sagen: Diesen Mann kann man alles mögliche zutrauen, aber eins nicht: Ehrlichkeit. Und nun Chefredakteur... Ach alter Chorherr, längst vorbei deine Zeiten. Zum Glück konnte ich ein Teil dieser noch miterleben.

der leitartikel, heute samstag, war vom feinsten....

...

bürgerlich-liberale Blattlinie ??

grins...

€ rules!

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so?

wenn konservativ bedeutet, dass manche leser die arbeit der presse machen und die im gegenzug etwas vorsagt, dann finde ich es nicht gut...

"Konservativ" und "wirtschaftsliberal"

So, nun habe ich einmal geschrieben, dass ich eh konservativ und wirtschaftliberal bin, zufrieden? Darf ich jetzt wieder meine eigene Meinung vertreten, die dem so gar nicht entspricht?

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BLATTLINIE

Neoliberal und konservativ. Zwei Begriffe, die innerhalb der letzten 25 Jahre zum Status quo geführt haben. Margareth Tatcher hätte es, soferne sie noch leben würde gefreut, den Wendekanzler Schüssel wird es freuen.

Re: BLATTLINIE

was heisst..soferne sie noch leben würde??

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Re: Re: BLATTLINIE

:-( , sorry! Sollte richtig heissen, soferne sie es noch erfassen könnte.

Antworten Antworten Gast: Baroness Thatcher
10.08.2012 20:20
3 0

Re: Re: BLATTLINIE

Die Nachrichten von meinem Tod sind stark übertrieben!

Gast: Leser
10.08.2012 16:30
4 1

Als g`lernter Österreicher ist einem klar was so eine Umbesetzung in einem großen Medienkonzern kurz vor doch entscheidenden Wahlen bedeutet.

Die Politik geht auf Nummer sicher bei der Berichterstattung.
Allerdings frage ich mich wozu dafür das alte Team ausgetauscht wurde...

Antworten Gast: Hutbürger
10.08.2012 21:13
4 0

der enge zeitliche Zusammenhang

zwischen dieser Presse mit den "nur guten Nachrichten" (die in Summe nicht mehr erträglich waren) und dem Abgang Fleischhackers gibt mir dann doch zu denken. Hat Fleischhacker die Leser quasi mit dem Holzhammer der Schönwetterberichterstattung aufgeweckt, um davor zu warnen, dass in Zukunft nur mehr diese Art von Journalismus "erwartet" wird? Musste er deshalb gehen, weil man sich dabei auf ihn nicht mehr "verlassen" konnte? Hm?

Gast: Vielleicht stehe ich auf der Leitung
10.08.2012 15:37
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aber ich habe mir das jetzt 5x durchgelesen......

.....aber mir fehlt da etwas, der Vorgänger war ja Fleischhacker....ich kann nirgends rauslesen WAS der Neue Hauptberuflich macht!

Re: aber ich habe mir das jetzt 5x durchgelesen......

na er ist hauptberuflich ein NOWAK...was sonst

Antworten Antworten Gast: Was übersetzt
10.08.2012 19:01
0 2

nichts anderes heißt als:

Der Neue!

Re: nichts anderes heißt als:

genau genommen (historisch) bedeuted das SIEDLER...bzw neusiedler

Zum Wechsel in der Chefredaktion

Als Schweizer mit schweizerischem Wohnsitz lese ich die Onlineausgabe der DIEPRESSE äusserst gerne. Die Artikel sind jeweils kurz und knapp gehalten, aber dennoch sehr informativ. Die Sprache meist gepflegt und verständlich. Die Zusammenhänge und Sachverhalte in der Regel auch für Laien zu begreifen. Dies ist für mich - neben dem Aspekt, etwas genauer über innerösterreichische Angelegenheiten informiert zu werden - ein gewichtiger Vorteil dieses Blattes. FAZ, NZZ und andere "Qualitätsblätter" sind qualitativ wohl höher einzustufen. Wenn ich mir jedoch z. B. in der NZZ am Sonntag einen Wirtschaftsartikel (z. B. bezüglich "Eurokrise") durchlese, bin ich als nur halbwegs ökonomisch Gebildeter meist doch überfordert.

Ein entscheidendes Plus gäbe es noch: Die Kommentare der LeserInnen im Forum finde ich meist grossartig. Ein wirklicher Austausch der Meinungen wird möglich und dies sollte gerade in Onlineausgaben etwas vom Wichtigsten sein. Onlineausgaben anderer Zeitungen hätten in diesem Bereich gewaltigen Nachholbedarf.

Ich hoffe auf eine gewisse Kontinuität und wünsche dem neuen Chefredaktor viel Vergnügen und Befriedigung.

 
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