Digitalisierung des Radios auf Eis: Zu wenig Interesse

Die Medienbehörde fand nicht genügend Radiobetreiber für DAB+ und verzichtet vorerst auf eine Ausschreibung.

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Für Radiobetreiber Florian Novak liegen die Vorteile von Digitalradio auf der Hand: „Es könnte mehr österreichische Programme geben, weitere Musiksparten, mehr Angebot im Info-Bereich, visuelle Zusatzinformationen und Datendienste – und das in einer Infrastruktur, die von Mobilfunkern unabhängig ist.“ Und: Novak könnte sein Lounge FM via DAB+ bundesweit ausstrahlen. Doch daraus wird nichts. Zumindest nicht so bald, denn eine Bedarfserhebung der Medienbehörde fiel negativ aus. Es fanden sich nicht genügend Radiobetreiber, die einen digitalen Sender betreiben wollen, dazu wirtschaftlich in der Lage sind und es rechtlich dürfen (Stichwort: Medienkonzentration). Zwölf hätten es sein müssen, damit sich der Betrieb eines Hörfunk-Multiplex rechnet, so die Behörde. Diese Zahl sei „knapp verfehlt“ worden.

Während in der Schweiz der Verkauf des millionsten DAB-Empfängers gefeiert wird, bleibt österreichisches Radio also weiter analog. Das liege nicht nur an den Kosten für DAB+, glaubt Novak: „Das Interesse an mehr Wettbewerb ist bei den bestehenden Marktteilnehmern nicht sehr ausgeprägt.“ Die haben ja ihre analogen UKW-Frequenzen. Platzhirsch ist der ORF. Hörfunkdirektor Karl Amon meint, man habe „prinzipiell Interesse an jeder erfolgversprechenden Verbreitungsmöglichkeit von Radiocontent“, wolle aber abwarten, wie sich die im vorigen August gestartete Radiodigitalisierung in Deutschland entwickle. Wird sie ein Erfolg, „sind wir auch in Österreich dafür, zusätzlich zum Analogsignal Radio in digitaler Form anzubieten“. Da ist sich auch Novak sicher: „Dass Digitalradio kommt, ist nur eine Frage der Zeit.“ i.w.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.08.2012)

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