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Propaganda: Ein Pentagon-Büro mit Namen Hollywood

18.08.2012 | 17:57 |  von Anne-Catherine Simon (Die Presse)

Verflechtungen zwischen Filmindustrie und Militär gibt es zwar überall. Die USA sind dennoch ein besonderer Fall. Über Filmstars als Kriegspropagandisten, willfährige Regisseure und einen Zensor im Pentagon.

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Für Desmond Tutu und acht weitere Nobelpreisträger ist sie eine Glorifizierung des Kriegs und bewaffneter Gewalt, für die Macher eine Hommage an die Menschen der Armee: Die TV-Serie „Stars Earn Stripes“, die vergangenen Montag auf dem US-Sender NBC Premiere hatte, lässt Promis vor Publikum um die Wette militärische Aufgaben lösen. Da machen etwa „Superman“-Darsteller Dean Cain, die Tochter von Boxlegende Muhammad Ali, Leila, oder Todd Palin, der Mann der ehemaligen republikanischen Vize-Präsidentschaftskandidatin mit. Sie schießen um sich oder springen aus Hubschraubern, präsentiert wird die Show vom früheren US-General Wesley Clark.

Einen offenen Protestbrief haben neun Nobelpreisträger ausgeschickt, in den USA dagegen hat die Serie im Vorfeld kaum Anstoß erregt. Vielleicht weil sie nur die besonders ungenierte Variante einer alltäglichen Realität ist? Promis als Kriegspropagandisten: Das gehört zum amerikanischen Filmbusiness, seit es existiert. Die erfolgreichsten Werbeaktionen der letzten Jahrzehnte verdankt das Pentagon Hollywood-Produzenten und -Regisseuren. Als Tom Cruise in Jerry Bruckheimers „Top Gun“ 1986 einen jungen Mann spielte, der sich seinen Traum, Kampfpilot zu werden, erfüllt, träumten unzählige junge Amerikaner mit, ein Ansturm auf die Luftwaffe folgte.


Flugzeuge gegen Einfluss. Ob „Armageddon“, „Air Force One“, „Black Hawk Down“ oder „Pearl Harbor“ – dass das Pentagon an vielen der erfolgreichsten amerikanischen Kinoproduktionen mitgeschrieben hat, ist kein Geheimnis, doch nur den wenigsten Zuschauern bewusst. Möglich wird das, weil die Armee ein Quasimonopol auf Kriegsausrüstung hat, die für Filme mit militärischem oder kriegerischem Inhalt oft unverzichtbar, anderswo aber kaum erhältlich oder leistbar ist. Das US-Verteidigungsministerium ist in der Hinsicht generös, freilich nur unter einer Bedingung: Einfluss auf das Drehbuch.

Das Damoklesschwert der Militärzensur über Hollywoods Regisseuren wird von Philip Strub geführt, dem Leiter des Filmverbindungsbüros des Pentagons. Sein Ziel sind Filme, die dem positiven Image der Armee dienen und neue Rekruten bringen. Niemand wird zur Zusammenarbeit gezwungen, doch wer sich weigert, hat es schwer. Für den Film „Thirteen Days“ (2000) über die Kubakrise mussten auf den Philippinen schrottreife Jets von einem Traktor über das Rollfeld gezogen werden, um den Eindruck des Fliegens zu erwecken. Oliver Stone brauchte ein Jahrzehnt, um „Platoon“ ohne Hilfe des Pentagons zu finanzieren. Auch „Independence Day“ (hilfloses Militär), „Forrest Gump“ (dummer Soldat) oder „Der schmale Grat“ (zweifelnder Soldat) wurden abgelehnt.

Die meisten Hollywood-Regisseure, so erzählen diese selbst, üben gleich von vornherein Selbstzensur oder sind zu Zugeständnissen bereit. Diese reichen von Lappalien bis zur Leugnung der historischen Wahrheit. Der Einfluss des Militärs betrifft natürlich auch das Fernsehen – und zwar oft, wo man es gar nicht vermuten würde. Die legendäre Serienhündin Lassie erlebt in einer Episode den Absturz eines Militärflugzeugs mit. Im ursprünglichen Drehbuch bellt Lassie vor dem Absturz laut, weil sie einen für Menschen unhörbaren, von einem Konstruktionsfehler herrührenden Schwingungston im Flügel vernommen hat. Dank ihr wird der Fehler erkannt und bei den übrigen Flugzeugen dieses Typs korrigiert, wofür Lassie sehr gelobt wird. Das Pentagon duldete aber keinen Konstruktionsfehler, die Szene musste umgeschrieben werden.

Der Film „Windtalkers“ (2002) mit Nicholas Cage über im Zweiten Weltkrieg als Funker eingesetzte Indianer wiederum zeigt, dass sich Filmemacher auch listig an den Forderungen des Militärs vorbeischwindeln können. Im Drehbuch wird dem Leibwächter eines Navajo-Funkers befohlen, seinen Schützling bei drohender Gefangennahme zu erschießen, damit der Code nicht in Feindeshand fällt. Das Pentagon forderte die Streichung des (historisch belegten) Tötungsbefehls. Letztendlich wird er nicht direkt ausgesprochen, die Details der Darstellung lassen dennoch keinen Zweifel daran.


TV-Reality über Afghanistan-Krieg. Kein Wunder, dass die Filmbeauftragten des Pentagons jene in Hollywood lieben, denen sie blind vertrauen können, an erster Stelle: Jerry Bruckheimer, Produzent von Filmen wie „Top Gun“ oder „Pearl Harbor“. Bruckheimer verkaufte dem Militär auch die Idee für eine Reality-Serie über den Krieg in Afghanistan. Für „Profiles – Porträts von der Front“ (2003) folgten Kamerateams den Truppen im Kampf gegen den Terrorismus. Bedingung für den privilegierten Zugang: keine Kritik. Auch Michael Bay ist beliebt, für seinen Film „Transformers“ (2007) stellte das Militär gratis Kampfhubschrauber und Bomber zur Verfügung. Ein Glücksfall für die Armee ist auch der Film „Act of Valor“ (2012) – ein plumper Werbestreifen für die Eliteeinheit Navy Seal.

Derlei Verflechtungen zwischen Filmindustrie und Militär gibt es zwar überall. Die USA sind dennoch ein besonderer Fall. Hier kooperieren die stärkste Armee der Welt und die stärkste Filmindustrie der Welt. Und arbeiten sie kongenial zusammen, wird aus dem Schrecklichsten der Welt unversehens das Erstrebenswerteste der Welt.

Osama-Film

Werbung für Obama? Ein untypischer Fall von Verflechtung zwischen Militär und Filmwelt ist Kathryn Bigelows Film „Zero Dark Thirty“ über die Tötung Osama bin Ladens. Bigelow soll von der Regierung Zugang zu geheimen Militärinformationen erhalten haben. Republikaner fürchten, dass der Film, der im Herbst unmittelbar vor den Präsidentschaftswahlen in die Kinos kommen soll, zum Propagandafilm für Obama werden könnte.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.08.2012)

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25 Kommentare
 
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Lustig...

...Militärpropaganda aus Hollywood 25 Jahre später.
Hintergrund der Handlung zu Rambo III.

2 1

Politisch motivierte Nestbeschmutzung ...

... wird eben nicht in jedem Land so gefördert, ja hofiert, wie in Österreich.

Antworten Gast: manchehabeneineduennehaut
19.08.2012 23:41
2 0

Re: Politisch motivierte Nestbeschmutzung ...

Jede Kritik oder Bloßstellung ist gleich 'Nestbeschnutzung'?

5 3

Durch diese stetige Heroisierung glauben viele Amerikaner ja tatsächlich sie wären "Helden".

Dass Amerika ständig irgendwo Kriege führt
und sich dadurch bei vielen unbeliebt macht,
kommt ihnen damit jedoch nicht gleichzeitig in den Sinn.

---

Würde mich interessieren wie "Full Metal Jacket" entstanden ist.

4 0

Witzig eine show die vermutliche mehrere Millionen kostet...

spendet 100.000$ für wohltätige Zwecke um etwas "Respekt" an die Truppen zu zollen.

Das erinnert mich mehr an die Zukunftsvision von Starship Troopers.

Re: Witzig eine show die vermutliche mehrere Millionen kostet...

In der Tat...
diese Assoziation ist mir auch gekommen.

ja da schau her, vor wenigen Jahren noch

wurde sowas als "Verschwörungstheorie" abgetan

Re: ja da schau her, vor wenigen Jahren noch

Unsinn, das war nie ein Geheimnis

kann man Jahre später immer behaupten, daß man es eh immer schon gewußt hat


Re: kann man Jahre später immer behaupten, daß man es eh immer schon gewußt hat

Der Spiegel zum Bsp. hat schon ca. 1999 einen Bericht darüber geschrieben an den ich mich gut erinnern kann. Die Presse berichtet sicher auch icht zum ersten mal.

Gast: Free
19.08.2012 08:27
5 17

Und?

Die zeigen dem Islam wenigstens "wo`s" langgeht - im Gegensatz zu unseren europäischen Kriechern...

Re: Und?

ob "Die" allerdings die guten sind möcht ich stark bezweifeln.

is ihnen aber sicher noch nicht in den sinn gekommen, hauptsach hd und in stereo

Antworten Gast: tutep
19.08.2012 23:43
3 0

Re: Und?

Islam = Islamismus oder wie?

Antworten Gast: Ichlachdichaus
19.08.2012 11:19
12 5

Re: Und?

Du solltest auf deinem Bergbauerhof bleiben und die zivilisierten Menschen nicht mit deinem blabla belästigen!

1 0

Re: Re: Und?

Sie halten sich für zivilisiert? So wie jede Nation, die Dekadenz mit Zivilisation verwechselt hat und untergegangen ist.

Antworten Antworten Antworten Gast: Ichlacheuchaus
20.08.2012 00:27
0 0

Re: Re: Re: Und?

Ich bin schon eine ganze "Nation" ^^ Danke für die Blumen ^^

Antworten Antworten Antworten Gast: dassinetlach
19.08.2012 23:43
0 0

Re: Re: Re: Und?

Sie halten sich für zivilisiert?

Antworten Antworten Gast: Free
19.08.2012 13:14
3 7

Re: Re: Und?

Land unter für Gutis - jeden Tag mehr - warm anziehen.

Antworten Antworten Antworten Gast: bibberbibber
19.08.2012 23:42
1 0

Re: Re: Re: Und?

mir firchten si!

Antworten Antworten Antworten Gast: hihuhaha
19.08.2012 23:42
0 0

Re: Re: Re: Und?

hahahahahaha

Details vergessen?

Wer beherscht Hollywood? (Namen?)
Von woher kommt das Geld? (Namen?)
Wird wie bei allen derzeitigen wirschaftlichen Problemen auf eine Lobby und einen Standort zusammenlaufen, oder?

Gast: tex
18.08.2012 21:22
1 0

...

Sehr guter Artikel. Informativ mit guten Betrachtungen.
Dass mit dem Quasimonopol auf Kriegsausrüstung und daher dem Deal machen (müssen), ist interessant, habe ich nicht gewusst. Allerdings relativ logisch verständlich, da Hollywood nicht (immer) neues Kriegsgerät kaufen will/kann bzw. dies "Privaten" im Staat (-> zB Bomber) auch sicher nur bedingt erlaubt ist.

Gutes Aufzeigen von Zusammenhängen.

Antworten Gast: ZARA
19.08.2012 10:31
1 1

Re: ...

Müssen den Deal ja nicht machen. Mittlerweile sind gute CGI Studios in der Lage, jede Art von Kriegsgerät, Landschaft usw. in den Film einzubringen. Da erkennt man nicht mehr ob es ein reales Flugzeug oder ein Computermodell ist. Und die Kriecherei im Pentagon könnte man sich sparen.

Gast: mmmh
18.08.2012 19:56
1 3

frau simon!

die mittelalterliche minne besang kriegshelden, ja sogar deren dreiste kampftechnik. mongolischen kriegern eilte ihr ruf voraus. wie würde sich ein angehöriger des österreichischen bundesheeres vor dem theoretisch angenommenen kampf mit der us armee fühlen nachdem er 10 bis 20 jahre amerikanische filme konsumiert hat?

Re: frau simon!

Hm?

 
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