Das Fernsehen ist nicht kleinzukriegen. Der Feierabend in Deutschland findet immer noch vor dem TV-Gerät statt, quer durch alle Alters- und Bildungsschichten. Das ergibt der aktuelle Freizeitmonitor der Stiftung für Zukunftsfragen. Auch andere klassische Formen der Mediennutzung wie Radiohören oder längere Telefonate praktizieren 90 Prozent aller Deutschen mindestens einmal pro Woche in ihrer Freizeit.
Zeitungen und Magazine liegen mit 77 Prozent immer noch weit vor dem Internet, das heuer mit 50 Prozent aber erstmals mehrheitsfähig ist. Freilich sind hier die Steigerungsraten (mit plus 35 Prozent seit 2007) weitaus am höchsten; und zumindest die Jugendlichen können sich ein Leben ohne Internet noch weniger vorstellen als eines ohne Fernsehen.
Auffallend ist, dass sich unter den 15 beliebtesten Freizeitbeschäftigungen keine einzige findet, die sich außerhalb der eigenen vier Wände abspielt. Kino, Theater, ja selbst sportliche Aktivitäten liegen weit abgeschlagen. Ein irritierender Einbruch ist bei den sozialen Beziehungen zu erkennen: Freunde zu treffen, dafür nehmen sich die Deutschen offenbar kaum noch Zeit – anders als die Österreicher, bei denen der gemütliche Plausch bei Kaffee oder Bier traditionell einen höheren Stellenwert hat.
Ersetzen soziale Netzwerke wie Facebook als virtuelle Treffpunkte die realen Stammtische? Es sieht nicht danach aus: Über die Hälfte der Deutschen würden in ihrer Freizeit gerne öfter mit Freunden zusammen sein und sich mehr um Partner und Familie kümmern. Ideal und Wirklichkeit der freien Zeit klaffen auseinander. Nur der Fernseher läuft immer weiter. gau
("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.08.2012)

Filmstarts der WocheMysteriöse Millionäre, Tanzende Teufel
''The Great Gatsby''Vom Scheitern eines Spektakels
Inge Morath''Menschen'' in der Galerie Leica
Ballett im BerghainKlassischer Tanz erobert den besten Club Berlins