Die Hubschrauber kreisen noch über der Stadt. Drei Monate sind vergangen, seit Hurrikan Katrina große Teile von New Orleans zerstört hat, und trotzdem wird im Stadtteil Treme (gesprochen Tre-Mäy) eine Parade gefeiert – mit Trompeten und Tubas zieht die echte Rebirth Brass Band mit ihren Anhängern durch die vom Flutschlamm verdreckten und verwüsteten Straßen des vor allem von Afroamerikanern bewohnten Viertels.
Nicht dabei ist Professor Bernette (John Goodman) – er hängt am Telefon, um irgendeine Fernseh- oder Radiostation davon zu überzeugen, dass die Hurrikan-Katastrophe vor allem auch Folge politischer Fehlentscheidungen ist. Trompeten, fluchen, tanzen, verzweifelt schweigen – jeder verarbeitet das Geschehene auf andere Weise.
Weil „Treme“ aus der Werkstatt des früheren Polizeireporters David Simon stammt, waren die Erwartungen vor dem Start der Serie 2010 auf dem Bezahlsender HBO besonders groß. Denn Simon hatte mit seinem Polizeidrama „The Wire“ aus der Sicht mancher Kritiker bereits die „beste Serie aller Zeiten“ geschaffen. Sein neues Machwerk kam bei der Kritik zwar spätestens ab Staffel zwei (von vier) auch gut an, echte „Wire“-Fans waren vom Post-Katrina-Drama enttäuscht. Tatsächlich ist es weniger leicht, mit der Serie warm zu werden. Die Charaktere sind allesamt keine großen Sympathieträger, eine zentrale Figur gibt es nicht – abgesehen von der Musik, die die eigentliche Hauptrolle spielt. Die Serie ist ein Juwel für Freunde von New Orleans und Dixieland Jazz. Zum Sound der Serie steuerten vor allem Musiker aus New Orleans, etwa Pianist Allen Toussaint und die Treme Brass Band Lieder bei, aber auch bekannte Namen wie Elvis Costello.
Auch wenn die Begeisterung für „Treme“ nicht an die von „The Wire“ herankam, gebührt ihr Lob für die sorgfältige Konzeption. Simon und sein Ko-Autor Eric Overmyer wollten der angeschlagenen Stadt New Orleans Tribut zollen. Gelungen ist ihnen das, weil sie wahre Geschichten von realen Katrina-Überlebenden eingeflochten und echte „New Orleaners“ für die Serie gecastet haben. Semidokumentarisch, wie manche behaupten, ist die Serie, die der Bezahlsender Sky ab heute in Österreich und Deutschland im Originalton zeigt, deshalb nicht. Im Gegenteil: Dafür, dass die Handlung nur zwölf Wochen nach der Katastrophe angesiedelt ist, sind die Fassaden der Häuser und Menschen eine Spur zu glatt und geschönt.
Ab Dienstag auf Sky Atlantic HD, 21 Uhr.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.08.2012)

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