19.06.2013 13:08 Merkliste 0

Es ist noch Leben in Ihrer Zeitung

30.08.2012 | 18:10 |  ANNA-MARIA WALLNER (Die Presse)

Die deutschsprachige Printbranche sucht nach Rettungsankern. Mit weniger Verzweiflung und mehr Mut wäre gut.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Der eine oder andere wird die Nase rümpfen. Muss der Blick in die Zukunft der Printbranche immer bei der Schwarzmalerei enden?, hören wir Sie fragen. Das haben wir zuerst auch gedacht, aber dann doch befunden: Auch in schwierigen Zeiten muss man sich von Zeit zu Zeit seinem Angstgegner – in unserem Fall: dem Untergang – stellen. Daher haben wir Terence Lennox gebeten, uns zu erklären, wieso er nicht müde wird, auf der Onlineseite der Konkurrenz sein Mantra „Print ist tot“ zu posten – und was er damit eigentlich meint.

Er hat das Angebot angenommen und uns mit seinem Text eine Erkenntnis beschert: Wenn mehr Platz als ein paar Zeilen in einem Onlineforum bleiben, bekommt der apodiktische Stehsatz plötzlich die Chance auf ein ergänzendes „Wenn nicht“ oder ein „Aber“. Es ist also nicht alles dem Untergang geweiht, was aus Buchstaben auf gedrucktem Papier besteht. Auch Terence Lennox glaubt das nicht.

Beunruhigender ist da schon, dass die Branche, die täglich Missstände in Politik und Wirtschaft aufdeckt und kritisiert, bei ihren eigenen Belangen so schwerfällig und ratlos ist. Sie taumelt, betroffen von sinkenden Auflagen- und Anzeigenzahlen, und sucht nach alternativen Einnahmequellen im digitalen Zeitalter. Obwohl angloamerikanische Medien-Scouts seit Jahren raten, mutig neue Dinge auszuprobieren, selbst wenn die Gefahr des Scheiterns besteht, treten Vertreter der deutschsprachigen Verlage nervös auf der Stelle. Die deutschen Großverlage sehen im Leistungsschutzrecht, das ihnen die Bundesregierung nun einräumen will, einen Rettungsanker. Doch es wird sich zeigen, ob mächtige Suchmaschinenbetreiber wie Google bereit sind, für jeden von ihnen zitierten Text ein paar Cent an die Verlage abzugeben. Sie können ohne Weiteres auf die Zeitungsinhalte verzichten.

Anstatt zu jammern und dem Mitbewerb im WWW den Erfolg madigzumachen sollten Verlage, aber ihre Journalisten, darüber nachdenken, wie sie neue Geschäftsfelder und Leserkreise erobern. Tun statt grübeln heißt eine Devise. Pessimistische Prophezeiungen ernst nehmen, sich davon aber nicht lähmen lassen, eine andere.

 

E-Mails an: anna-maria.wallner@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.08.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

5 Kommentare
Gast: Walter Gröbchen
01.09.2012 14:54
0 0

D'accord.

Anyway: ich suche die "Presse am Sonntag" (Printausgabe) gelegentlich am Land. Im nördlichen Weinviertel, im Waldviertel und anderswo. Und finde sie nicht. Und finde, ja, dass das mehr als schade ist. Auch verkaufstechnisch.

Gast: Karl Schlosser
31.08.2012 18:19
0 0

Ein Zeitungs-Greißler Problem ?

Obwohl viele brustschwache Greißler mangels zufriedener Kunden zusperrten, ist das Angebot heute besser als früher.
Es gibt auch zuviele brustschwache Qualitätszeitungen !
Mit "Ideen" ist das Problem nicht zu lösen.
Eher mit Fusionen, um wieder rentable Reichweiten zu erhalten.

Gast: Ralfus
31.08.2012 17:45
1 0

Die Printmedien

könnten wieder Leser gewinnen, wenn sie sich entschließen sollten, neutral und objektiv zu berichten, wie es noch bis vor drei Jahrzehnten üblich war.

Meldung und Meinung sollten wieder getrennt werden!

Ideen sind rar

Liebe Frau Wallner, Ideen haben Sie selber offenbar auch keine ... Und was den T. L. und seinen nervigen Stehsatz betrifft: Nun, er hätte genug Platz und Möglichkeit, auch mal via Posting zu sagen, was er eigentlich meint, er tut es aber nicht, stattdessen gscheitelt er daher und ist stolz darauf, dass mittlerweile offenbar jeder weiß, dass er immer wieder denselben Satz sagt.

Gast: b745
30.08.2012 20:09
0 4

eine branche die täglich missstände in der politik aufdeckt

welche branche ist da gemeint die presse kanns nicht sein