18.05.2013 10:36 Merkliste 0

TV-Sender beenden Krieg um Lautstärke

03.09.2012 | 08:37 |  SARA GROSS (DiePresse.com)

Auf Initiative eines Österreichers wird die Lautstärke im Fernsehen ab sofort einheitlich geregelt. Die Werbung darf ab 1. September nicht mehr lauter als die Sendungen sein. Im Radio ist das noch anders.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Mit 1. September endete für TV-Zuseher ein lästiges Kapitel. Der hektische Griff zur Fernbedienung, wenn der Werbeblock unvermittelt mit doppelter Lautstärke hereinbricht, ist nicht mehr notwendig. Die Sender in Österreich und Deutschland führen eine einheitliche Lautstärke ein. Mit der neuen Regelung reagieren die TV-Anstalten auf die häufigste Beschwerde von Zusehern, die damit ganz nebenbei einen Krieg beendet haben.

Gefühlt lauter und besser

Der "Loudness War" tobt seit Jahren, denn jeder will die Ohren auf sich lenken. So ist nicht nur der Werbeblock lauter, sondern auch die eine Werbung dröhnender als die andere und selbst zwischen TV-Sendern gibt es Sprünge. Der Lautheitskrieg basiert auf der "gefühlten Lautstärke". Das ist vergleichbar mit dem Phänomen, wenn sich die Temperatur bei starkem Wind gleich um etliche Grad kälter anfühlt als der Messwert. Interessant ist, dass lautere Musikstücke nicht nur mehr Aufmerksamkeit auf sich lenken, sondern auch als besser empfunden werden. Das hat damit zu tun, dass wir bei dem gleichen Musikstück, wenn es lauter abgespielt wird, die Tiefen und die Höhen besser hören können und dadurch einen besseren Eindruck haben, erklärt Florian Camerer vom ORF im Gespräch mit DiePresse.com.

Ein einfacher Trick und der Haken

Die Lautstärke lässt sich trotz Spitzenpegelbegrenzung mit einem relativ simplen technischen Trick manipulieren. Es wird einfach der gesamte Pegel stark angehoben und anschließend mit einem sogenannten Kompressor die Signalspitzen "abgeschnitten". So ließ sich auch die bisher gültige Pegel-Obergrenze einfach umgehen. Die Methode hat aber auch einen Haken, sie geht nämlich auf Kosten des Dynamikumfangs und Lautstärkenuancen - oft ein wesentliches Stilmittel - gehen verloren. Kurz gesagt, es leidet die Klangqualität.

ORF-Techniker rettet den Klang

Beenden konnte den Lautstärkekrieg im Fernsehen nur eine neue Richtlinie, die eben nicht auf dem Spitzenpegel als Referenz basiert. Mit 1. September  - in Deutschland schon einen Tag früher - halten sich die TV-Sender stattdessen an eine maximale Lautheit, die in einer Empfehlung der Europäischen Rundfunkunion (EBU) festgehalten ist. Zu verdanken ist die Initiative übrigens einem Österreicher. ORF-Tontechniker Camerer regte die Diskussion bereits 2008 an und leitet die für die Umstellung zuständige EBU-Arbeitsgruppe Ploud. Dass die Umsetzung so lange gedauert hat, liegt daran, dass sich für die Tontechniker eine wesentliche Grundlage ihrer Arbeit radikal geändert hat. Die Umstellung sei eine "echte Audiorevolution", meint Camerer. Für die Sender ist die Änderung auch mit Kosten verbunden - etwa für dutzende neue Messgeräte.

Mit an Bord sind in Deutschland und Österreich alle öffentlich-rechtlichen Sender und alle großen Privaten, erklärt Camerer. Die Sender setzen die Empfehlung freiwillig um, was nicht in allen Ländern selbstverständlich ist. Spanien etwa arbeite an einem Gesetz, sagt Camerer. Der Lautheitskrieg ist noch nicht in der gesamten EU zu Ende, in ein bis zwei Jahren dürfte es aber so weit sein, schätzt der Experte. 

Popmusik fünfmal lauter als TV

An einer anderen Front tobt der Lautheitskrieg nach wie vor ungebrochen. Die Musikindustrie kennt keine Standards für Lautstärke oder Lautheit. Für die Popmusik bezeichnet Camerer die Situation sogar als "katastrophal". Dort sei mittlerweile ein etwa zehnmal höherer Pegel üblich, als jener, der ab Samstag im Fernsehen gelte. Noch. Denn auch dort beginnt langsam ein Umdenken. Während die CD für den Experten bereits ein "lost case" ist, scheint das Problem im Internet lösbar. Konkret setzt bereits der Streaming-Anbieter Spotify auf Lautheit als Referenz und auch mit dem Entwicklerteam von iTunes gebe es schon Gespräche zur Erweiterung des Lautstärkeangleichs von Apple, erzählt Camerer. Die nächste große Baustelle für sein Ploud-Team sei aber das Radio. "Das wird sicher wieder ein bis zwei Jahre dauern, ist aber der nächste logische Schritt". 

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

55 Kommentare
 
12
Gast: orf-seher
07.09.2012 13:21
0 0

ich glaub, mein Schwein pfeift ... Protest!

Vorab: Dieser Kommentar bezieht sich auf den ORF, dessen Programme ich vorwiegend konsumiere.

Als ich von dieser Lautstärkeharmonisierung hörte, war ich erfreut. Wie viele Zuseher hat auch mich der Pegelunterschied von Werbung/Programm etwas gestört. - Und zwar NUR dieser Pegelunterschied, Alles andere fand ich ok. Man konnte das Programm in einheitlicher, angenehmer Zimmerlautstärke genießen und selbst bei einem Bond-Film dank Lautstärkekompression die Dialoge verstehen, ohne die Nachbarn bei den lärmigen Action-Szenen aus dem Schlaf zu reißen.

Und nun?
Anstatt einfach die Werbung runterzupegeln hat man offenbar gleich die gesamte bewährte Tontechnik über Board geworfen.

Ergebnis: insbesondere bei Live-Sendungen (Magazine, Nachrichten etc.) extreme Lautstärkeschwankungen (von unverständlich bis unangenehm laut) und eine z.T. grottenschlechte Tonqualität. Als ob sämtliche Audio-Prozessoren ausgefallen wären und ein Tontechniker sich schwitzend mühte, die Pegelschwankungen manuell auszugleichen.

Wenn Herr Camerer die Situation in der Musikindustrie als "katastrophal" beschreibt, gebe ich ihm recht, allerdings ist das praktische Ergebnis dieser sog. Lautstärkeharmonisierung zum jetzigen Zeitpunkt nicht minder katastrophal.

Ich hoffe inständig, es handelt sich hier nur um kurzzeitige Umstellungsprobleme. Mit diesem Qualitätsabsturz möchte ich mich jedenfalls weder abfinden noch mich von den Moderatoren anplärren lassen, um auch wirklich Alles verstehen zu können. -

0 0

Tele 5 hat jetzt scheinbar angepasst

Der Ton wird deutlich hörbar runtergeschraubt unmittelbar vor dem
ersten Spot!

0 1

Science Fiction

Die angebliche Angleichung ist so wahr wie die Bibel ...

Mir ist das egal...

...dank meiner FB sehe ich im TV keinen einzigen Werbespot

6 0

Wissen die Sender auch was von dieser Regelung?

Gestern war die Werbung jedenfalls so wie eh und je brüllend laut und kein Vergleich zum Spielfilmton.

10 0

Scherz oder?!

Tag 2 nach der angeblichen Umstellung..

und NICHTS hat sich geändert! Auf keinem einzigen Sender!!!

Gast: faulplz
02.09.2012 18:57
9 0

Lautstärkeangleich???

was soll sich da geändert haben?

da ist (noch?) kein angleich passiert, weder von serie zu werbung, noch von den sendern ARD bis ZDF .


Da wird uns was fehlen!

Der erhöhte Lautstärkepegel bei Beginn der Werbeeinschaltungen war doch DIE Möglichkeit die durch das langweilige Programm Eingeschlafenen aus ihrem Schlummer zu reißen!

Sky macht da aber nicht mit

wieso? so ein grosses Rundherum für überhauptnichts. musste gestern Abend die Lautstärke doppelt aufdrehen um etwas zu hören. Europa ist im Gegensatz zu den USA ohnehin sehr sehr weit hinten was die Technik bei TVs betrifft.

"...sehr weit hinten..."

Genau! Auch wir wollen die tolle NTSC (NeverTheSameColour-Technik) mit der gegenüber PAL geringeren Auflösung (Zeilenanzahl)!

Antworten Antworten Gast: jghjgj
03.09.2012 19:55
0 1

Re: "...sehr weit hinten..."

In den USA ist es längst üblich in HD zu senden und zwar ohne Aufpreis, Entschlüsselungsboxen und sonstigen Schwachsinn.
Europa steckt hier noch im Mittelalter.

Gast: gast:1
01.09.2012 20:46
0 0

weiter unklar

Was für mich aus dem Artikel nicht hervorgeht:

und wie ist das mit den unterschiedlichen Lautstärken beim Sender-Wechsel?

Dass zwischen Werbung und Programm die Lautstärke gleich bleibt, hab ich verstanden - aber was ist zwischen Sender A und Sender B?

Gast: sadf
01.09.2012 18:13
6 0

ich merk nichts

die werbungen sind immernoch viel lauter zumindestens ist es mir heute (1.9.2012) auf puls 4 , und bei anderen sendern bei einem gewissen kosmetik humbug sorgekommen als wäre es mehr als nur doppelt so laut

wird offenbar gut exekutiert diese regelung

wieder mal euro quatsch...

der loudness control act wurde von obama vor 2 jahren unterzeichnet und gilt bereits. die industries hat entsprechende geräte seit jahren entwickelt und verkauft.

die europäer ziehen nur mal wieder nach. definitiv nicht wegen irgendeinem orf-do@@el. international ist der orf ein nicht ereigniss.

Gast: Franz Brazda
01.09.2012 00:49
2 0

Nicht die Werbung, sondern......

..... der Ankündigungston "eins"
bzw. ORF2 "Werbung" ist eindeutig zu Laut. Bitte Behörde auch diese Töne auf Lautstärkepegel zu überprüfen und den ORF bescheid geben.
LG
Franz aus Wien

Antworten Gast: Franz Brazda
05.09.2012 13:36
0 0

Re: Nicht die Werbung, sondern......

Beim ORF ist der Werbungshinweiston: "eins" bzw. ORF 2 "WERBUNG" nach wie vor zu laut. Das wirkt echt aggressiv. Hier müßte die Behörde beim ORF endlich nachchecken.
Bei Servus TV etwa ist zB. der Werbungshinweis eine angenehme ruhige Wohltat.
LG
Franz aus Wien

Gast: Lukas
01.09.2012 00:47
2 5

der ORF manipuliert nicht nur bei der Lautstärle

sondern vor allem als roter Parteisender auf Kosten von Zwangsgebührenzahlern. Methode Faymann in Perfektion!

Gast: Gast362
31.08.2012 22:07
8 0

Aufgrund der Lautstärke hab ich

immer den Ton bei der Werbung abgeschaltet. Das werde ich nicht mehr ändern!

bitte auch für radiosender einführen


warum schaut ihr eigentlich alle

wartet ihr, dass irgendwann etwas sinnvolles ausgestrahlt wird? habt ihr nichts sinnvolleres zu tun? warum beschäftigt ihr euch nicht mit z.B. eurem partner, einem buch, sonst einer aufgabe?
warum lässt ihr euer hirn mit dem ganzen schrott auf stand-by schalten?
fernsehen ist unwiederbringlich vertane lebenszeit.

"...etwas sinnvolles ausgestrahlt ..."

Wenn "La Soufriere" nie fernsieht, wieso weiß Sie dann, dass nichts Sinnvolles ausgestrahlt wird?
Manchmal ist ein "Partner", ein Buch oder sonst eine Aufgabe noch sinnentleerender als eine Fernsehsendung!

Re: "...etwas sinnvolles ausgestrahlt ..."

sorry wollte ihnen nicht zu nahe treten, aber das klingt schlimm, wenn sie die welt so erleben.
zu ersterem brauche ich nur die postings zu lesen

"...zu ersterem brauche..."

Ja, wenn Sie Ihr Weltbild aus den Kommentaren von Unbekannten zusammenzimmern, dann kann schon einmal eine solche Meinung entstehen!

Re: warum schaut ihr eigentlich alle

schade, dass sich der begriff "zeitvernichtunsmaschine" nicht durchgesetzt hat. Aber heute hat man ja wegen dem Fernsehen kaum noch Zeit und sagt kurz "TV"

5 0

Re: warum schaut ihr eigentlich alle

Kann man bei Ihnen Kerzen und Eisblöcke für den Kühlschrank bestellen?
Sarkasmus Ende!

Re: warum schaut ihr eigentlich alle

ich schaue z.B. gerne History Channel, auch wenn es ein Freimaurersender sein dürfte, interessanter als der ORF und die ewige und aufgeregte Werbung der Privaten.
Sonst einfach neue Filme auf den Stick spielen oder im Netzwerk freigeben und fertig ist der Freunde-Abend.

 
12