Vor dem Sommer waren ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz und Stiftungsrat mit einem Ultimatum auseinandergegangen, das so lautete: Wenn Wrabetz bis 13. September keinen konkreten Standortvorschlag mache, bleibe der ORF am Küniglberg in Hietzing. Der Sommer ist vorbei, der Stiftungsrat und seine Ausschüsse zu Finanzen und Programm tagen kommende Woche ab Montag. Exakt eine Woche davor, in der Nacht auf Dienstag, müsste die Tagesordnung bei den Räten einlangen, damit sie sich in die Unterlagen einlesen können.
Der Antrag des ORF-Chefs zum weiteren Vorgehen lässt zwar eine Tendenz zu einem gemeinsamen Standort am Küniglberg (ohne andere Wiener ORF-Büros) erkennen, allerdings hält sich Wrabetz nach wie vor einen Plan B offen: Sollten die nächsten Schritte der Projektplanung ergeben, dass die Variante Küniglberg aus finanziellen oder bautechnischen Gründen nicht realisierbar ist, müsse doch wieder über einen Neubau diskutiert werden. „Das ist die unübersichtliche Ausgangslage für die kommende Verhandlungslage“, sagt ein Stiftungsrat lakonisch. Ein anderer hat das Gefühl, „Wrabetz fängt wieder bei Stunde null an“.
Neubau in St. Marx unwahrscheinlich
Mit einem Neubau in St. Marx rechnet indes kaum jemand. Die Stadt Wien hat sich beim Thema zuletzt betont zurückgehalten und soll nach alternativen Nutzern der freien Fläche suchen – im Gespräch sind etwa die Wiener Polizei und das Bundeskriminalamt.
Wrabetz jedenfalls hat den deutschen Bauingenieur Bert Müller engagiert, bis Ende 2013 ein Raumkonzept für einen „Küniglberg neu“ auszuarbeiten. 2014 soll ein Bauplan erstellt, 2015 mit dem Bau begonnen werden. Nun werde das Vorhaben „fundierter angegangen“, glaubt ein Stiftungsrat, „wenn auch viel zu spät“. awa
("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.09.2012)

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