Bevor er etwas sagen wollte, machte Werbeagenturchef Mariusz Jan Demner (Demner, Merlicek & Bergmann) bei der Präsentation der VÖZ-Kampagne schnell ein Handy-Foto von den Journalisten: „Da sind ja mehr Leute da als beim Pressefoyer des Bundeskanzlers“, freute er sich. Das große Interesse führt er u. a. auf die schwierige Situation am Medienmarkt zurück – die Branche sei „kaum wiederzuerkennen“, so Demner.
Sinkende Auflagen, schwächelnde Werbeumsätze und Internet-Giganten, die Inhalte von Zeitungen und Zeitschriften zu Geld machen, ohne dass die Verlage davon profitierten – das sind derzeit diskutierte Themen. Mit der neuen Kampagne, die ab Freitag in Printmedien und online veröffentlicht wird, will der Verband Österreichischer Zeitungen die Öffentlichkeit und die Politik sensibilisieren. „Würden Sie sich selbst als Telefonjoker anrufen? – Steigern Sie den Wert Ihrer Meinung. Mit jeder Zeitung und jedem Magazin mehr“, heißt es in einem Sujet. Andere richten sich an die Werbewirtschaft („Die besten Tage für Ihren Umsatz: Schalttage. – Steigern Sie den Wert Ihrer Werbung“). Gerade in schwierigen Zeiten sei es für Betriebe unverzichtbar, in Werbung zu investieren“, meint Helmut Hanusch, der Vorsitzende des Boards Werbemarkt. Auch die Politik ist Ziel der Kampagne: „Was wäre die öffentliche Meinung ohne jemanden, der sie veröffentlicht?“
Printmedien sind „systemrelevant“
„Nie im 21. Jahrhundert war der Regierung die Pressevielfalt so wenig wert wie heute“, kritisiert VÖZ-Präsident Hans Gasser. Es werde für Printmedien immer schwieriger, ihre „Watchdog“-Funktion zu erfüllen. Der VÖZ fordert „mindestens eine Verfünffachung der Presseförderung“ auf 50 Mio. Euro, denn Zeitungen und Magazine seien „systemrelevant für unsere Demokratie“. Harald Knabl, Vorsitzender des Boards Lesermarkt, monierte, dass Österreich mit zehn Prozent Mehrwertsteuer auf Print- und zwanzig Prozent auf Online-Medien im internationalen Vergleich ein „Zeitungshochsteuerland“ sei. i. w.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.09.2012)

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