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Print-Werbung: „Wer mehr weiß, der hat mehr zu sagen“

06.09.2012 | 16:51 |   (Die Presse)

Die österreichischen Verleger starten eine Kampagne, die Lesern, Bürgern und Politik die Bedeutung von Printmedien vor Augen führen soll. Der Verband fordert mehr Presseförderung und weniger Steuerlast.

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Bevor er etwas sagen wollte, machte Werbeagenturchef Mariusz Jan Demner (Demner, Merlicek & Bergmann) bei der Präsentation der VÖZ-Kampagne schnell ein Handy-Foto von den Journalisten: „Da sind ja mehr Leute da als beim Pressefoyer des Bundeskanzlers“, freute er sich. Das große Interesse führt er u. a. auf die schwierige Situation am Medienmarkt zurück – die Branche sei „kaum wiederzuerkennen“, so Demner.

Sinkende Auflagen, schwächelnde Werbeumsätze und Internet-Giganten, die Inhalte von Zeitungen und Zeitschriften zu Geld machen, ohne dass die Verlage davon profitierten – das sind derzeit diskutierte Themen. Mit der neuen Kampagne, die ab Freitag in Printmedien und online veröffentlicht wird, will der Verband Österreichischer Zeitungen die Öffentlichkeit und die Politik sensibilisieren. „Würden Sie sich selbst als Telefonjoker anrufen? – Steigern Sie den Wert Ihrer Meinung. Mit jeder Zeitung und jedem Magazin mehr“, heißt es in einem Sujet. Andere richten sich an die Werbewirtschaft („Die besten Tage für Ihren Umsatz: Schalttage. – Steigern Sie den Wert Ihrer Werbung“). Gerade in schwierigen Zeiten sei es für Betriebe unverzichtbar, in Werbung zu investieren“, meint Helmut Hanusch, der Vorsitzende des Boards Werbemarkt. Auch die Politik ist Ziel der Kampagne: „Was wäre die öffentliche Meinung ohne jemanden, der sie veröffentlicht?“

Printmedien sind „systemrelevant“

„Nie im 21. Jahrhundert war der Regierung die Pressevielfalt so wenig wert wie heute“, kritisiert VÖZ-Präsident Hans Gasser. Es werde für Printmedien immer schwieriger, ihre „Watchdog“-Funktion zu erfüllen. Der VÖZ fordert „mindestens eine Verfünffachung der Presseförderung“ auf 50 Mio. Euro, denn Zeitungen und Magazine seien „systemrelevant für unsere Demokratie“. Harald Knabl, Vorsitzender des Boards Lesermarkt, monierte, dass Österreich mit zehn Prozent Mehrwertsteuer auf Print- und zwanzig Prozent auf Online-Medien im internationalen Vergleich ein „Zeitungshochsteuerland“ sei. i. w.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.09.2012)

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2 Kommentare

"Das Pferd ist systemrelevant für unser Verkehrswesen!"

(Heinz Magenschab, Obmann des Reichsverbandes der Kutscher, 1901)

Warum die Fixierung auf "tote Bäume"? In einer zunehmend digitalen Welt ist es nur natürlich daß auch Medien digital werden und das bedruckte Papier längerfristig in eine Nische wandert.

Der Journalismus kann darauf reagieren und überlegen, wie Journalismus in Zukunft mach- und finanzierbar sein könnte, oder er kann den Status quo für "systemrelevant" erklären und sich in eine kleine, papierene Igelstellung zurückziehen.

Dann gilt die alte Phrase: "Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit."

Einige Ansätze wären (kein Anspruch auf Vollständigkeit oder Richtigkeit):

- Personen als Marke (wieviele Journalisten hierzulande betrieben eigentlich ein Blog?)

- Meinung statt Meldung (APA-Meldungen sind Füllmaterial, ich als Leser will Kommentare zum Tagesgeschehen - und Kontroversen, sonst könnte ich auch auf ein Gratisblatt umsteigen)

- Meinung und Meldung trennen (Interpretation sollte nur im Meinungsbereich passieren, Meldungen sollten kurz und faktenzentriert sein)

- Mut zu Kontroverse und Nonkonformismus - die kanonische Deutung der aktuellen Ereignisse erhalte ich schon im Staatsfunk. Wie kann es sein, daß (zB in der Euro-Krise) die Meinungen im Volk und in der Presse so weit divergieren?
Die mögliche Systemrelevanz der Medien liegt im Dissens, nicht im Einlullen der Leser.

Das die Printmedien systemrelevant sind

das stimmt. Ohne die Meinungsmache tät das System zusammenbrechen.