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Kinderzeitungen: "Einfach, nicht banal"

07.09.2012 | 18:44 |  ISABELLA WALLNÖFER (Die Presse)

Immer mehr Verlage legen großen Wert auf kleine Leser - und produzieren eigene Kinderzeitungen. Am Samstag bringt "Die Presse" ein neues Heft heraus.

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Mit einem Krönchen auf dem Kopf sieht Giovanni di Lorenzo richtig lustig aus. Dabei ist das, wofür der Chefredakteur der „Zeit“ in diesem Aufputz steht, eine ernste Angelegenheit: Er beantwortet Fragen von jungen Lesern im Kindermagazin „Zeit-Leo“. Und so wissen alle, die das Heft gelesen haben, dass di Lorenzos Tochter in der „Kita“ erzählt, ihr Papa würde kein Deutsch sprechen: „Gut, dass das in der ,Zeit‘ noch keiner gemerkt hat.“

 

16 Seiten „Presse“-Kinderzeitung

Sehr wohl bemerkt haben die Verlage, dass Kinder eine spannende Zielgruppe sind – und eine, die man ernst nehmen sollte. Auch „Die Presse“ legt großen Wert auf kleine Leser: Ab Samstag gibt es die neue „Presse“-Kinderzeitung im Abo, die wöchentlich Neuigkeiten aus aller Welt, Interviews, Tiergeschichten, Rätsel und Veranstaltungstipps bringt. Das Heft, das im Rahmen einer Kooperation mit der „Kleinen Zeitung“ erscheint, wird nicht nur für Kinder, sondern auch von Kindern gemacht – sie können als Reporter aktiv werden, Interviews führen, Fragebogen und Zeichnungen einschicken oder Witze zum Besten geben.

„Die Kinderzeitung ist ein weiterer Beweis, dass Print lebt und eine ungebrochene Innovationskraft hat“, freut sich „Die Presse“-Chefredakteur Rainer Nowak über den jüngsten Nachwuchs im Verlag. „Die richtige Methode, Inhalte für junge Leser völlig neu aufzubereiten, sollte uns auch einen Hinweis darauf geben, wie wir morgen Zeitung machen werden.“ Da das 16-Seiten-Heft just am Weltalphabetisierungstag erstmals erscheint, geht es in der aktuellen Titelgeschichte der „Presse“-Kinderzeitung um Menschen, die nicht lesen und schreiben können.

Auch andere Verlage, die Kinderzeitungen produzieren, schrecken vor schwierige Themen nicht zurück: „Die meisten Eltern machen die Erfahrung, dass Kinder an allem, was in ihrer Umwelt passiert – auch in Politik und Wirtschaft – interessiert sind und Zusammenhänge verstehen wollen“, sagt Angelika Mette vom Spiegel-Verlag. „Bei Kindern kann man weniger Vorwissen voraussetzen, deshalb muss man Kompliziertes einfach, aber nicht banal darstellen.“ Das kommt bei Eltern und Kindern gut an: Das im September 2009 erstmals erschienene Heft verdeutlicht mit einer Auflage von 64.000 Stück, dass der Markt nicht so klein ist wie in diesem Fall die Leser.

 

„Tabu ist eigentlich nichts“

Aber auch der Aufwand ist größer, als man denkt: „Da steckt mehr Arbeit drin als in manchem Aufmacher einer großen Tageszeitung“, meint Bettina Stiekel, leitende Redakteurin bei „Dein Spiegel“. Vor allem bei schwierigen Inhalten: „Manchmal dauert es, bis wir den richtigen Zugang zu einem harten Thema finden.“ Trotzdem wurde über Missbrauchsfälle, Aids, den Afghanistan-Krieg oder auch Demenz berichtet. „Tabu ist eigentlich nichts“, sagt Siekel – außer Ironie. Denn die würden „Kinder erst ab zehn, elf Jahren verstehen“.

Je jünger die Zielgruppe, umso kindgerechter will sie angesprochen werden. Maskottchen helfen dabei: „Geo-Mini“ hat den kecken „Georg“, eine Grille mit entzückender Zahnlücke; „Zeit-Leo“ hat sich einen Wappenlöwen der großen Schwester ausgeliehen; und bei der „Presse“-Kinderzeitung erklären zwei flauschige Gesellen – das „Ah“ und das „Oh“ – ihren Lesern die Welt. Zumindest ein bisschen. Wer einen Blick darauf werfen will:www.diepresse.com/kinderzeitung

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.09.2012)

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