Mit neuer Struktur in Blatt und Redaktion begegnet die "Wiener Zeitung" ab kommendem Wochenende dem "Dilemma", dass sich Nachrichten immer seltener in ein klassisches Ressortkorsett zwängen lassen wollen. Statt der bisherigen vier Bücher zu zwölf Seiten stehen ab 15. September dem Leser sechs Bücher bei gleichem Blattumfang zur Verfügung, wobei aktuelle Themen vor allem in den ersten drei Büchern nunmehr als "Querschnittsmaterie" behandelt werden sollen. Die dahinter stehende Redaktionsstruktur wird entsprechend angepasst - laut "Wiener Zeitung"-Chefredakteur Reinhard Göweil ein "Novum" in der Zeitungslandschaft.
"Bereits bei der Reaktorkatastrophe in Fukushima waren wir laufend mit dem Problem konfrontiert, dass ein solches Thema ja nicht nur Menschen und Umwelt, sondern auch Politik und Wirtschaft international, in Europa und letztlich auch in Österreich betrifft", erklärte Göweil. "Mit dem Arabischen Frühling, aber auch etwa mit der Hypo Alpe Adria als Querschnittsmaterie zwischen Politik und Wirtschaft verhält es sich ähnlich: bei vielen Nachrichten ist uns eine traditionelle Ressortstruktur einfach im Weg, mussten wir bisher das Thema mühsam von einem Buch ins andere weiterreichen", so Göweil. "Zudem wird das Thema Europa immer relevanter, und nationale Themen treten in den Hintergrund."
Mehr Platz für die Leser
Ab nun werden im ersten Buch "euro@welt" vor allem Europathemen aufgegriffen, "wobei wir natürlich weder Syrien noch den US-Wahlkampf auslassen, wir wollen aber auch bei solchen internationalen Schwerpunkten vor allem die europäischen Interessen und Standpunkte besonders beleuchten", betonte der Chefredakteur der seit 1703 bestehenden Tageszeitung. In Buch zwei geht es quer über alle Ressorts um das Thema "Österreich", neben der ebenfalls dort angesiedelten Börse-Berichterstattung werden auch Leserbriefe auf einer ganzen Seite dargestellt. "Wir haben in Print eine hohe Interaktion mit den Lesern und konnten bisher viele Leserreaktionen aus Platzgründen nicht bringen. Das ändert sich nun", so Göweil.
"Berühmt und berüchtigt"
Buch drei - "ebenfalls neu" - widmet sich der Berichterstattung aus Wien, samt den Themen Integration (vormals im Feuilleton), Theater, Kino und Sport, das vierte Buch gehört dem Feuilleton mit Serviceinhalten, einer fürs Wochenende redaktionell gestalteten TV-Ratgeberseite und einer neuen Celebrity-Rubrik "berühmt und berüchtigt". Die Bücher fünf und sechs sind - nach einer "einführenden" Seite mit Service zum Thema Wirtschaft - dem Amtsblatt vorbehalten. Das Extra am Wochenende will sich - unverändert auf zwölf Seiten - wieder verstärkt der Literatur annehmen.
"Die Übersiedlung war ein ideales Fenster"
Die Redaktion muss sich "dahinter" der neuen Struktur anpassen. "Wir haben die klassischen Ressorts aufgelöst, die Redaktion ist nunmehr in Analogie zu den neuen Büchern gegliedert", erläuterte Göweil - was sich auch schon in der Sitzordnung am neuen Standort im Media Quarter Marx in Wien-Landstraße ablesen lässt. Göweil: "Die Übersiedlung war ein ideales Fenster, auch die neue Organisation einzuführen."
(APA)

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