Man kann es sich bildlich vorstellen: Wie Kathrin Zechner die Skibrille zurechtrückt, prüft, ob der Helm sitzt, und sich dann energisch auf die Piste schwingt, um im Parallelslalom gegen die Konkurrenz zu fahren – wie die heimischen Skistars im Trailer, den der ORF bei seiner Programmpräsentation heute präsentiert. „Das ist unsere Grundattitüde: Wir empfinden uns als starkes Österreich in einem enorm schwierigen Wettkampf“, so Zechner. Ihre Taktik im Rennen: „Wir schicken unsere besten Leute auf die Strecke, und das Team kümmert sich um die Finanzierung, die Massagen etc. Ziel ist in jedem einzelnen Bewerb die Goldmedaille.“
Mit überzeugenden Worten massiert Zechner derzeit vor allem ORF-Finanzdirektor Richard Grasl, von dem sie dem Vernehmen nach gern 80Millionen Euro mehr fürs Programm hätte. Denn: Je österreichischer die Inhalte, desto schwieriger wird es, Koproduktionspartner zu finden. Dabei liegt der ORF mit seinem Ansinnen nach mehr heimischem Inhalt voll im Trend. Auch die Privatsender, die mit viel weniger Budget auskommen müssen, haben erkannt, dass US-Serien zwar ein unverzichtbarer Teil des Programms sind, dass es aber ohne Eigenproduktionen, heimischen Content und ohne eigene Moderatoren und Stars nicht geht, wenn man als TV-Marke bestehen will.
ORF baut Bundesländerinformation aus
Der ORF setzt u. a. auf den Schwerpunkt regionale Information: Am 24.9. geht die neue Mittagsschiene zum ersten Mal on air, die vor allem mit Beiträgen aus den Landesstudios punkten soll: „Heute Mittag“ (im Anschluss an die „ZiB“ um 13.15 Uhr in ORF2), moderiert von Ute Pichler und Martin Ferdiny, wird den Info-Anteil des ORF von 340 auf 385 Minuten täglich anheben, so ORF-General Alexander Wrabetz. Zechner würde sich auch für die „ZiB20“ mehr Beiträge aus den Landesstudios wünschen – ob die Sendung aber auf zehn bis 15 Minuten erweitert werden kann, hängt von „technischen, personellen und finanziellen“ Fragen ab. Außerdem will Zechner „neben einem aktuellen Polittalk am Sonntag“ (nicht unbedingt „Im Zentrum“) eine „ergänzende Talkrunde zu gesellschaftspolitischen Themen“, bzw. zu Themen, „die nicht unbedingt am Puls der Zeit, aber am Puls der Seele sein sollen“. Ob das der „Club2“ sein wird oder ein anderes Format, „das steht noch nicht fest“.
Während ORF-Societyreporter Dominic Heinzl im Trailer auffällig nicht vorkommt (über seinen Ende des Jahres auslaufenden Vertrag sei nichts entschieden, heißt es), gibt es andere bekannte, wenige neue Gesichter, die ab Herbst das Profil von ORF eins schärfen sollen. Mittwochs legt Mirjam Weichselbraun mit versteckter Kamera Fallen aus („Hast du Nerven?“), Armin Assinger soll mit dem „Einser Team“ in Notlagen helfen, und Mari Lang versetzt sich in „Meine Welt“ in verschiedenste Lebenslagen. Der Dienstag wiederum wird die Donnerstag-Nacht beerben, die der ORF wegen der Europa League zu Grabe trägt, die mit Rapid einen heimischen Club im Rennen hat. Die Quertalker Ster- und Grissemann („Willkommen Österreich“) konnten sich auf „Die.Nacht“, die neue Programmierung am Dienstag, retten – und bekommen im Dezember zusätzlich die Chance, ihre „Kreativität, Freiheit, Ecken und Kanten“ (©Zechner) in einer eigenen Samstag-Show an einem größeren Publikum zu testen. Dienstags feiert außerdem die „Sendung ohne Namen“ ihre Auferstehung – und die Bewohner von „Braunschlag“ erleben in David Schalkos kultverdächtiger Serie ab 18.9. ihr (blaues) Wunder.
Puls4 setzt auf Fußball und Topmodels
Vor wenigen Tagen präsentierte auch der Privatsender Puls4 seine Programm-Highlights. Empfangen wurde das Publikum in der Rinderhalle St. Marx auf Fußballrasen – um die Champions League (ab 18.9.) und Moderator Frenkie Schinkels zu feiern. Auch der ins Media Quarter Marx übersiedelte Privatsender setzt stark auf österreichische Inhalte: Zehn neue Folgen der Polit-Satire „Demokratie – Die Show“ mit Pia Hierzegger und Michael Ostrowski laufen ab 1.11. Die „Puls4 Reportage“ wird gesellschaftlich relevante Themen und Lebensgeschichten (u. a. von Immigranten) aufgreifen. In „Tabu“ verspricht Puls4 zu enthüllen, was sich in heimischen Betten abspielt. Die Casting-Show „Herz von Österreich“ begibt sich auf die Suche nach Nachwuchstalenten im Volksmusik-Genre, der „Kiddy Contest“ sucht begabte Kinder (Moderation: Arabella Kiesbauer), und „Austria's next Topmodel“ wird in der neuen Staffel von einem österreichischen Topmodel (Melanie Scheriau) präsentiert. Wiewohl mit deutlich weniger Budget als der ORF gesegnet, will auch Puls4 seine Österreich-Information schärfen – und hat die bisherige stellvertretende Chefredakteurin von „News“ (und „Club2“-Moderatorin) Corinna Milborn angeheuert.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.09.2012)






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