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Wie viel Wahrheit erträgt der ORF?

13.09.2012 | 19:42 |  Anna-Maria Wallner (DiePresse.com)

Der ORF findet nach Jahren einen Kompromiss in der Standortentscheidung und formuliert den Weg für die Zukunft: ein zentraler, moderner Newsroom am Küniglberg. St. Marx ist - vorerst - vom Tisch. Eine Analyse.

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Wie schnell und unkompliziert Übersiedlungen entschieden und durchgeführt werden können, zeigten zuletzt gleich zwei Medienunternehmen: Sowohl der Privatsender Puls4 als auch die republikeigene „Wiener Zeitung“ haben im August ein neues Büro bezogen. Es mag Zufall sein – oder gerade bei der Zeitung eben nicht –, dass beide ihre neue Heimat dort gefunden haben, wo auch der (zugegeben viel größere und damit behäbigere) ORF beinahe gelandet wäre: in St. Marx. Denn die Stadt Wien, der das Gelände des ehemaligen Schlachthofes im dritten Bezirk gehört, wünscht sich den öffentlich-rechtlichen Sender schon länger als Mieter.

Und tatsächlich sah es einige Zeit so aus, dass die mächtige Wiener SPÖ ihren Wunsch erfüllt bekommen werde, doch vor einigen Wochen hat sich plötzlich der Wind gedreht. Denn die noch mächtigere Bundes-SPÖ hat andere Prioritäten. Aus Angst, ein ORF-Neubau in St. Marx könne zu einem Immobiliendebakel à la Skylink führen, wird nun in die andere Richtung Druck ausgeübt: Der ORF soll besser bleiben, wo er ist, nämlich auf dem Küniglberg in Hietzing. Eine seltene Einigkeit entstand da zuletzt zwischen den Regierungsparteien SPÖ und ÖVP, die ihnen noch ein wenig unheimlich zu sein scheint. Dazwischen saß mit Alexander Wrabetz der erst im Vorjahr wiederbestellte ORF-Chef und war zu keiner Entscheidung fähig.

Warum der Standort des ORF überhaupt so lange und breit diskutiert wird? Erstens, weil es der Öffentlichkeit eher nicht egal sein kann, wie viel Geld der mit jährlich rund 600 Millionen Euro Gebühren finanzierte öffentlich-rechtliche Rundfunk für einen Umzug oder eine Sanierung des alten Büros ausgibt. Zweitens, weil das in den Sechzigerjahren errichtete Gebäude von Architekt Roland Rainer baufällig ist und daher rasch eine Entscheidung fallen muss. Die Mitarbeiter arbeiten bereits in Ausweichcontainern, die für die Dauer der Sanierung des Hauptgebäudes auf dem Parkplatz errichtet wurden. Und drittens, weil sich bei solchen Entscheidungen zeigt, wie durchsetzungsfähig ein Chef ist. Alexander Wrabetz ist es eher nicht.

Am Donnerstag stimmten die Stiftungsräte mit großer Mehrheit (und mit nur drei Enthaltungen aus dem Umfeld der Wiener SPÖ) für einen zentralen Standort am Küniglberg. Manchen war da zum Feiern zumute, Gelegenheit dazu gab es wenige Stunden später bei der Präsentation des ORF-Herbstprogramms. Endlich sei eine Entscheidung getroffen worden, sagten viele. St. Marx sei „momentan vom Tisch“, nennt es der grüne Stiftungsrat Wilfried Embacher. ÖVP-Stiftungsrat Franz Medwenitsch wird da schon konkreter und sagt: "Kein Neubau in St. Marx." Der im Vorfeld zwischen Stiftungsräten und Wrabetz abgestimmte Antrag über die Standortzukunft lautet nun so: Der ORF soll am Primärstandort Küniglberg einen zentralen, trimedialen Newsroom bauen, wenn es wirtschaftlich sinnvoll erscheint, soll auch das Funkhaus in der Argentinierstraße erhalten bleiben. In einem ersten Schritt wird der externe Berater Bert Müller, der schon den Umzug von RTL in Köln organisiert hat, ein Raum- und Funktionskonzept erarbeiten, das soll jedenfalls aber einmal losgelöst von einem konkreten Standort passieren. In einem zweiten Schritt wird ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben. Alle geplanten Überlegungen würden jedoch nur unter der Bedingung durchgeführt, dass Denkmalamt und Erben des Architekten Roland Rainer einem Umbau am Küniglberg zustimmen, sagte Wrabetz.

Freie ORFler: „Schändliche Entlohnung“

Auch wenn die Option St. Marx nun gestrichen ist, bleibt ein kleines Schlupfloch: Sollte die Neuaufstellung des ORF aus finanziellen oder bautechnischen Gründen an den bestehenden Standorten nicht möglich sein, könnte doch wieder nach einer Alternative gesucht werden – und die könnte eventuell St. Marx heißen. SPÖ-Stiftungsrat Josef Kirchberger jedenfalls nennt die Entscheidung einmal nur „vorläufig“, die Dinge könnten sich immer noch gravierend ändern. Und Wrabetz sagte in der Pressekonferenz nach der Sitzung, er werde die Option der Stadt Wien auf St. Marx jedenfalls noch bis Jahresende aufrechthalten. Die soll angeblich immerhin 20.000 Euro pro Monat kosten.

Während die Stiftungsräte nun einen Kompromiss fanden, erinnerten die freien ORF-Mitarbeiter in einem offenen Brief an die Geschäftsführung erneut an ihre prekären Beschäftigungsverhältnisse. Während der ORF Donnerstagabend sein Herbstprogramm „auf roten Teppichen, in eleganten Präsentationsräumlichkeiten und mit ansprechend dekoriertem Buffet“ präsentiere, sei „die Finanzierung des vorhandenen Programms noch immer nicht geregelt“, meinten sie. Es herrsche ein „soziales Ungleichgewicht im ORF“ und diese Wahrheit sei dem ORF wohl zumutbar. Die Geschäftsführung sah das freilich anders, Zeitpunkt und Wortwahl der Protestnote missfielen ihr. Es gebe wohl kein anderes Unternehmen, in dem Mitarbeiter das eigene Haus dermaßen brüskieren würden.

Weitere Entscheidungen in der Stiftungsratssitzung:

  • Oliver Böhm, bisher Geschäftsführer von Radio 88,6, wurde als neuer Verkausleiter der ORF-Vermarktungstochter Enterprise bestellt.
  • die ORF-Mutter befindet sich in der Vorausschau für das zweite Halbjahr in den roten Zahlen. Dies sei Folge der lauen Werbekonjunktur und laut Finanzdirektor Richard Grasl auch Folge der fehlenden Einigung mit dem Betriebsrat in Personalfragen. Er stellt eine Nulllohnrunde für 2013 in Aussicht.
  • der Gleichstellungsplan wurde vorgestellt: In Bereichen, in denen Frauen unterrepräsentiert sind, soll der Frauenanteil auf 45 % erhöht wird.
  • der barrierefreie Zugang zu den ORF-Programmen wird ausgebaut, drei Millionen Euro werden dafür investiert.
  • der Vertrag mit der Verwertungsgesellschaft AKM wurde auf zehn Jahre verlängert.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14. September 2012)

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13 Kommentare
Gast: uburoi
14.09.2012 13:22
2 0

wahrheit und orf in einem satz ist absurd.

daher, wie immer, null punkte.

Gast: Ein trauriger Österreicher
14.09.2012 12:10
2 0

Wann . . .

. . . kümmert sich der ORF statt um den Standort u. v. a. endlich auch um inhaltreiche Nachrichtensendungen . . . Es ist zum Weinen! . . . Die Herrschaften sollten sich einmal ARD oder ZDF (sogar die sind besser!), vor allem aber die diversen Nachrichtensender ansehen um vergleichen zu können. Nur mit merkbar vorbereiteten Fragen der ORF-Abteilungsleiter wird die Nachrichtensendung weder besser noch lebendiger!
Außerdem bedarf es sichtlich einer Nachschulung einiger Moderatoren bzw Moderatorinnen (z.B. Hannelore Veith), die mit zunehmender Routine ständig den Rest des Satzes verschlucken und manchmal ist das letzte Wort sogar inhaltlich entscheidend . . . Es gäbe noch viel zu sagen, aber wir leben ja in Österreich und leben auch mit einer Zwangsgebühr (die ich sogar mit einem Zweitwohnsitz gleich zweimal zahlen muss!) und da kommt ausreichend Geld herein, um so manche Studios (z.B. Wetter) statt einer zentralredaktion gleich mehrfach zu besetzen und es bleibt auch noch viel Geld übrig, um die Hofberichterstattung in den Bundesländern zu gewährleisten . . .

Radio 88,8???

Dieser Tippfehler interessiert vermutlich auch kaum jemanden, genauso wie der ORF im Gesamten.
Hauptsache das GIS ermöglicht "einfach anmelden" und zahlen. Einfach abmelden wäre die Devise, ist aber gar nicht so leicht möglich.
Die Pauschalverurteilung man sei dann gleich Schwarzseher ist vorprogrammiert.

Und sonstiges Ergebnis des Sitzungsrates:
- "rote Zahlen durch mangelnde Werbeeinschaltungen" (man sollte sich mal die Leistungen und Gehälter des ORF ansehen)
- Frauenquote erhöhen (klar, DAS ist ein allgemeines Problem: die Frauenquote)
- barrierefreier Zugang (dass alle brav GIS zahlen müssen)
- der Vertrag mit AKM wird verlängert ( das bringt ordentlich Geld das überall fragwürdigst abgepresst wird)

Vom Online-Volksbegehren des Herrn Harald Vilimsky hört man auch nichts mehr. Ist wohl auch gescheitert am Bonzentum.

Danke ORF, danke GIS, danke Politik

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Re: Radio 88,8???

so weit ich weiß kann man sich nicht mehr abmelden , neuer Gesetz oder so. ob du radio oder Fernseher nicht hast musst Zahlen. sonst wurde ich mich sofort abmelden und nur UPC/a1 Zahlen

"Wie viel Wahrheit erträgt der ORF?"

Genauswenig wie die PRESSE:
Vorauseilender Zeitgeist-Gehorsam und Zensurukratie.

8 3

ORF

Es ist eine ausgesprochene Frechheit das dieser Sender für so ein Programm Gebühren verlangt und nicht wenig !!
ATV und Puls4 haben die Künigelberger Mafia schon längst überholt !!

Gast: Pfeilstöcker H
14.09.2012 07:57
12 3

Wie viel Wahrheit erträgt der ORF?

100%, wenn sie rot eingefärbt ist.

5 3

ein zentraler, moderner Newsroom am Küniglberg? damit wir sowieso weiter nur Mist serviert bekommen, wie immer alles schöngeredet, realitätsfern, und schnell schnell bitte die Werbung muss noch rein. Alles "sanitized" (richtig steril!), nur halbe Wahrheiten, und dass Maria K. den Fritz W. umgebracht hat interessiert mich genau so wenig wie einen "Fussballsieg 1:2" oder "Hr.Filzmaier... bla bla bla". No TV. No GIS. Da ist man auch am besten bedient!


Gast: direkt gesagt
13.09.2012 23:45
3 1

"Wie viel Wahrheit erträgt der ORF?"

- Laut SPÖ und ÖVP? -
1%

Gast: sapalot
13.09.2012 21:47
7 7

orf

Zusperen den ORF ist der mit Abs stand schlechtetste Sender denn ich kenne

Wo Parteien "wirtschaften"

Trotz 600 Mio. EUR Zwangsbeiträgen und erheblicher Werbeinnahmen befindet sich der ORF in den roten Zahlen. Dies sei Folge der lauen Werbekonjunktur und laut Finanzdirektor Richard Grasl Folge der fehlenden Einigung mit dem Betriebsrat in Personalfragen.

Die laue Werbekonjunktur hat klar mit den lauen Programmen zu tun, das Thema Betriebsrat jedoch mit gelebten ORF-Stalinismus.

Gast: africano
13.09.2012 19:11
21 5

Die SOZI haben schon viele von ihr diktierten Betriebe umgebracht

warum sollte ihnen es nicht gelingen ,auch den ORF in die Wüste zu schicken.
Freundschaft !

Gast: Nörgler
13.09.2012 18:02
16 5

ORF

Warum nicht den ORF zusperren, ist viel zu teuer und überflüssig.