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Social TV: TV-Kritiker auf der digitalen Couch

20.09.2012 | 17:28 |  von Anna-Maria Wallner (Die Presse)

Die Zahl der Kommentare über das TV-Programm in sozialen Netzwerken wie Twitter oder Facebook explodiert. In den Vereinigten Staaten beginnen jetzt Produzenten auf den Trend des Social TV zu reagieren.

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Die klassische Fernsehnutzung verändert sich. In den USA wurden im Juli 75,5 Millionen Kommentare in sozialen Netzwerken registriert, die sich auf Fernsehinhalte bezogen, wie die Firma Bluefin Labs ermittelt hat. Die Zahl ist regelrecht explodiert, was der Vergleich mit dem gesamten Jahr 2011 beweist: Damals wurden insgesamt nur 8,8 Millionen Kommentare zum Fernsehprogramm gezählt.

Langsam aber stetig reagieren Fernsehsender, Drehbuchautoren und die Werbeindustrie auf diese neue Mediennutzung, die im Fachjargon „Social TV“ genannt wird. Während im Fernsehen eine Serie, eine Talkshow oder ein Sportereignis läuft, versammeln sich interessierte, durchwegs kritische Zuseher auf der digitalen Couch namens Twitter oder Facebook. In Deutschland gewinnen die speziellen Social-TV-Plattformen Couchfunk oder Zapitano, in denen Nutzer an Diskussionen zu bestimmten Shows und Serien teilnehmen können, an Popularität. Die deutsche Firma Goldmedia ermittelt wöchentlich die beliebtesten Sendungen in einem Social-TV-Ranking – auf Platz eins rangiert dort seit Wochen die Daily Soap „Berlin – Tag & Nacht“.

Minderheit meldet sich zu Wort

In den USA beginnen Drehbuchautoren das kritische Social-Media-Publikum zumindest zu beobachten, wie das „Wall Street Journal“ Anfang der Woche berichtete. Immer mehr Film- und Serienproduzenten würden versuchen, etwa aus Twitter-Kommentaren gewisse Vorlieben für Charaktere oder den Fortgang einer Geschichte herauszulesen. Zu viel Bedeutung wollen Filmstudios den TV-Kritikern auf Twitter und Facebook noch nicht geben. Es sei immer noch eine Minderheit der Fernsehnutzer, die sich hier zu Wort melde. Wie die Statistik zeigt, sind für die 75,5 Millionen Kommentare im Juli lediglich acht Millionen Menschen verantwortlich, in den USA gibt es aber 115 Millionen Haushalte mit TV-Anschluss.

Social TV ist längst auch in Österreich weit verbreitet und gerade für Fernsehsender eine erfreuliche Entwicklung. Denn es scheint vielen TV-Konsumenten wieder lieber zu sein, eine Nachrichten- oder Diskussionssendung oder sogar eine Schaltung aus dem Parlament in Echtzeit und nicht später in einer Mediathek oder auf Youtube anzusehen. Die Freude und Lust am unmittelbaren Kommentieren und Lästern über die auftretenden Personen macht das Fernsehen wieder interessanter.

Während der Nationalratssitzung über den Fortgang des U-Ausschusses am Mittwoch war die Dichte an Kommentaren via Twitter besonders hoch. Auch die Tatsache, dass der Normalbürger dort so leicht und schnell mit Politikern, Pressesprechern und Journalisten ins Gespräch kommt, macht dieses Netzwerk immer beliebter.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.09.2012)

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2 Kommentare

Wenn zugleich mit diesen EchtZeitKommentaren ...

(die ja die Facebookereien und Twittereien waehrend der TV Sendung de facto sind)

... zugleich auch ein Umdenken weg von "Entscheidungen" (in TV aber auch in Politik)
-- und hin zu etwas, das man NachfrageService nennen koennte --
stattfindet, ist zwar der Bespitzelung von oben Tuer und Tor geoeffnet (wer sieht welches Programm an, wo bilden sich welche Meinungen und Oppositionen etc.)
aber
ist ein Stueck bessere Demokratie im Werden, das die uebelsten Auswuechse von Herrschafterei und Vorschrifterei reduzieren koennte (und auf laengere Sicht wohl auch reduzieren wird)

Gast: Bücherwurm
21.09.2012 00:25
0 0

Online während beim fernsehen

Das erinnert mich an den Monolog eines Charakters in der Serie Boston Legal "...das Fernsehprogramm wird immer anspruchsloser um auch für all jene noch verständlich zu bleiben, die sich nicht einmal mehr 50% auf die Show auf dem Bildschirm konzentrien, weil sie nebenbei im Internet surfen, am Handy herumspielen oder ein Buch zur Hand nehmen...". Wenn man also neben dem Fernsehen auf social media Seiten unterwegs sein kann, dann ist das was da über den Bildschirm läuft wohl nicht besonders unterhaltsam. Als Drehbuchautor würde mir das schon als Feedback reichen um das Niveau endlich wieder rauf zu schrauben. Ich kanns zwar gut verstehen warum man sich bei dem was da über die Mattscheibe läuft gerne mit etwas anspruchsvollerem ablenkt, aber Ziel sollte es doch sein, den Inhalt allgemein zu verbessern und nicht nur eine Storyline oder einen Charakter zu entwickeln weil es die gelangweilten Zuschauer über Twitter kund tun.