Das ganze Land befindet sich im Wahlkampf, und Hollywood ist keine Ausnahme. Insofern beantwortete die Emmy-Verleihung in der Nacht zum Montag in eindrucksvoller, wenngleich vorhersehbarer Manier die alte Streitfrage, ob die Traumfabrik die Realität widerspiegelt. Und zugleich auch wieder nicht: Nicht umsonst gilt Hollywood als Hort linksliberaler Demokraten.
Jimmy Kimmel, der Moderator der TV-Oscars, verkniff sich zwar einen Gag über Clint Eastwoods misslungene Showeinlage beim Parteitag der Republikaner und dessen Zwiesprache mit einem leeren Barhocker. Der TV-Komiker nahm indessen den konservativen Präsidentschaftskandidaten aufs Korn, als er die britische High-Society-Serie „Downtown Abbey“ vorstellte: „Sie gibt einem eine Ahnung, in welcher Umgebung Mitt Romney aufgewachsen ist.“
Dass seine deklarierte Lieblingsserie „Modern Family“ schließlich den Preis für die beste Serie im Komödienfach davontrug, mag ein kleiner Trost für den viel geprügelten Kandidaten sein. Als Patchwork-Familie samt schwulem Paar mit Tochter reflektiert „Modern Family“ indes nicht gerade das Familienidyll des strenggläubigen Mormonen Romney.
Emmy für Sarah-Palin-Part
Zum Ausgleich sorgte Hollywood dafür, dass Barack Obamas Serienfavorit mit Preisen überhäuft wurde. „Homeland“ siegte in der Serienkategorie Drama, gewann drei weitere Preise – unter anderem für die Hauptdarstellerin Clare Danes in der Rolle der paranoiden CIA-Agentin, die einem „Schläfer“ auf den Fersen ist. Gleich in der ersten Saison verdrängte die Polit-Thriller-Serie aus der Welt der Geheimdienste und des Terrors die gehypte 60er-Jahre-Fabel „Mad Men“ vom Stammplatz. Ein fünfter Sieg der Serie über New Yorks Werbeszene in Folge hätte die Politserie „West Wing“ über die kleinen und großen Dramen im Weißen Haus in den Schatten gestellt.
„Mad Men“ ging völlig leer aus, Politik ist in den USA auf den TV-Schirmen hingegen sehr en vogue. Julia Louis-Dreyfus, populär aus der Serie „Seinfeld“, erhielt einen Emmy für ihre Rolle als unbedarfte Vizepräsidentin in der HBO-Serie „Veep“. Die Auszeichnung für Julianne Moore für ihren brillanten Sarah-Palin-Part in „Game Change“, dem Film über die Wahlkampagne 2008, war eine reine Formsache. Mit vier Emmys war „Game Change“ (HBO) der zweite große Gewinner des Abends – ein Triumph der Bezahlsender über die großen Networks.
Für TV-Satiriker Jon Stewart ist die Gala längst zur Routine geworden. Er hat den Preis „abonniert“: Zum zehnten Mal holte der Kultstar, Moderator der „Daily Show“, bereits einen Emmy ab – und krabbelte, von seinen Konkurrenten zu Boden gezerrt, auf die Bühne.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.09.2012)
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