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Medientage: "Entsetzlicher Insider-Hickhack" beim Printgipfel

25.09.2012 | 19:20 |  Von Anna-Maria Wallner  (Die Presse)

Medientage. Die einen sehen Medienkorruption in der Branche, die anderen nicht. Wolfgang Fellner will plötzlich in den Presserat und alle wollen Verhaltensregeln für einen sauberen Journalismus.

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Alle Jahre wieder sitzen die Vertreter der Printmedien bei den Medientagen einem Podium - noch selten hatte das einen solchen Unterhaltungswert wie am vergangenen Dienstag. Nachdem Gastgeber Hans-Jörgen Manstein bei der Eröffnung der Branchentagung den generellen Verfall der österreichischen und Gastredner Jean Ziegler den der globalen Medien anprangerte, diskutierte eine Chefredakteursrunde. Das Podium für den anschließenden Printgipfel hatte der Veranstalter klug drapiert, ließ er doch die beiden Streithähne Helmut Brandstätter ("Kurier") und Wolfgang Fellner ("Österreich") so weit wie möglich voneinander entfernt Platz nehmen. Für das Thema der Diskussion "Krisenpapier oder Papier gegen die Krise" blieb zwar nicht viel Zeit, ausnahmslos alle Teilnehmer waren sich einig, dass Zeitungen wichtiger denn je sind, wenn die Demokratie in der Krise steckt.

Damit genug der Einigkeit. Erörtern wollte "Falter"-Herausgeber Armin Thurnher als Moderator der Runde die Medienkorruption. Wie die denn funktioniere, wollte er von Fellner wissen. "Das weiß ich nicht, weil sie mich nicht betrifft", konterte der - und definierte en passant eine neue Messmethode für den Grad der Unabhängigkeit eines Mediums, nämlich die Anzahl der Klagen, die es bekommt. Gemessen daran sei "Österreich" das unabhängigste Blatt des Landes. Hans Gasser, scheidender Präsident des Verlegerverbandes VÖZ, wusste sehr wohl wie Medienkorruption funktioniert: Etwa indem im Hintergrund Inserate gegen Berichterstattung ausverhandelt werden - eine "wirkliche Sauerei", so Gasser.

Fellner kuschelt mit Brandstätter 

"Kurier"-Chefredakteur Helmut Brandstätter hatte im Vorfeld der Diskussion via Twitter gefragt, was er angestellt habe, dass er "schon wieder mit Fellner diskutieren muss" (Abends zuvor saßen die beiden bereits gemeinsam bei "Pro & Contra" auf Puls 4.) Dabei hatte Fellner vor der Diskussion offenbar Kreide geschluckt: Er, der Brandstätter mehrfach wegen Berichten über ihn vor Gericht zitierte, gab sich konsensorientiert und betonte mehrmals, er sei "in vielen Punkten" derselben Meinung wie Brandstätter. Etwa gegen "die Verhaberung in diesem Land" und "die Kleinkorruption", die in vielen Medien bei Presse- und Autoreisen immer noch üblich sei. So etwas würde es seit der Gründung von "Österreich" nicht geben. Wenn Redakteure Politiker auf Auslandsreisen begleiten, würde das die Zeitung immer selbst bezahlen. Nachsatz: "Das nehme ich an. Ich werde mich gleich erkundigen, ob auch wirklich alles von uns bezahlt wird und wenn das nicht so ist, dafür sorgen, dass sich das ändert". Thurnher nahm Fellners Ankündigung lakonisch auf: "Wir nehmen zur Kenntnis, dass Wolfgang Fellner Standards etabliert, bei denen die Qualitätszeitungen schlucken".

Eine weitere Ankündigung mit Neuigkeitswert: Fellner würde dem Presserat "sofort" beitreten, "wenn dort auf Verlegerseite nicht mehr nur der VÖZ agieren würde". Dieser würde ständig Politik gegen "Österreich" und "Heute" machen. "Standard"-Chefredakteurin Alexandra Föderl-Schmid hackte nach: "Wollen Sie damit erzwingen, dass Sie in den VÖZ aufgenommen werden?" Der Verlegerverband weigert sich seit langem die Gratismedien "Österreich" und "Heute" aufzunehmen. Fellner kontert: "Nein. Der Zug ist abgefahren, das weiß ich". 

Als sich Fellner empörte, es sei mehr als kritikwürdig, dass die ehemalige Kanzlersprecherin mit dem Innenpolitikchef der "Kronen Zeitung" verheiratet ist, konterte Thurnher: "Du bist doch selbt mit dem Kanzler befreundet". Fellner darauf: "Ich bin mit dem Kanzler nicht mehr und nicht weniger befreundet als Du". Thurnher: "Dann bist Du nicht mit ihm befreundet". Dass Fellner und Brandstätter ihre Streitereien dann doch nicht ganz aus der Diskussion herauslassen (wollten?) und konnten, gefiel dem Unternehmer Hansjörg Tengg nicht und resümierte das Schauspiel so: "Das ist ein entsetzliches Insider-Hickhack einer ebenso verhaberten wie verfeindeten Medienlandschaft."

"Standard"-Chefredakteurin Alexandra Föderl-Schmid lenkte die Runde auf ein anderes, von ihr immer wieder aufgegriffenes Thema: Die Einführung von Verhaltensregeln für die gesamte Branche: "Wir berichten ständig über Korruption und sind in dem Bereich selbst nicht sauber". Eva Weissenberger, Chefredakteurin der "Kleinen Zeitung Kärntnen", stimmte ihr zwar zu, betonte aber: "So drängend ist ein Compliance-Katalog nicht, denn es gibt ja schon den Ehrenkodex des Presserates, in dem das alles schon drin steht. Wir müssen uns nur noch daran halten".

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5 Kommentare
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Eine "unappetitliche Verhaberung"...

Funktionierende, freie(!) Medien würden in einer (echten) Demokratie die sogenannte "4.Säule" bilden.
In Österreich ist diese "Säule" de facto abgeschafft und die Medien zum (willenlosen, weil abhängigen) Sprachrohr der Herrrscher verkommen.

Ich glaube, die "Herrscher" sind eher...

...das Sprachrohr der Medien - und nicht umgekehrt.

Gast: Knaller
26.09.2012 10:30
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Gegen Geld war immer schon gute p.r zu haben und so wird es bleiben!

Einzig Stronach traut es sich auszusprechen: "Wer das Gold hat, hat das Sagen" (oder so ähnlich). Auch zeitungen und Rundfunk weiss es und will zum Gold. Daher wird der reiche immer bessere p.r. bekommen als der arme Schlucker, unbeschadet davon, was die Wahrheit ist.

nicht korruption, sondern erpressung

möcht wissen welches grosse unternehmen noch keinen anruf von den billig medien bekommen hat, in dem mit schlechter presse gedroht wird, wenn man keine anzeigen schaltet...
deswegen kritisiert fellner wohl nur die kleinkorruption und nicht die grosse.

Gast: Peterundich
26.09.2012 09:06
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Die beginnen zu verstehen

Wenn sie sich noch länger für die Politik prostituieren laufen sie Gefahr an den selben Laternen zu hängen.
Verlogene, opportunistische Bagage.