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Fritz Orter: Ein Wahrheitssucher geht in Pension

28.09.2012 | 16:17 |   (DiePresse.com)

Friedrich "Fritz" Orter entwickelte als Journalist seherische Qualitäten. Und er war ein geradezu brutaler Realist.

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Damals, Ende der 1980er-, Anfang der 1990er-Jahre, in den Jahren des großen europäischen Umbruchs und der noch größeren Hoffnungen, formte sich bereits Friedrich Orters Rolle des journalistischen Sehers und des fast schon brutalen Realisten.

In den Lokalen der Bäckerstraße, die sich vorübergehend zu einer Art Wiener Fleet Street entwickelt hatte, stand "Fritz" Orter, stets begleitet von Ehefrau Roswitha, an der Bar und berichtete über seine düsteren Vorahnungen, was die weitere Entwicklung Jugoslawiens betrifft. "Aber nein doch", wiegelten serbische und kroatische Kellner ab. 1991 begann es in Jugoslawien gewaltig zu krachen - und Orter war mittendrin, als der Vielvölkerstaat in blutigen Kämpfen in mehrere nationale Teile zerfiel.

Heute ist sein letzter Arbeitstag oben auf dem Küniglberg, er wird noch einmal in der "ZiB 24" zu Gast sein. Eine der letzten echten Bildschirmpersönlichkeiten des Aktuellen Dienstes geht in Pension. Ein ganz schwerer Verlust für das Haus. Denn Orter, der in seiner ORF-Karriere von 14 Kriegsschauplätzen in Europa, im Nahen Osten und in Zentralasien berichtet hatte, wirkte stets ehrlich und authentisch. Die Leute mögen ihn.

"Die Wahrheit ist den Menschen zumutbar", zitiert Orter gern seine Landsfrau Ingeborg Bachmann. Selbst wenn er über unerträgliche Unmenschlichkeiten berichten musste, hielt er sich an das journalistische Hauptgebot, die Wahrheit zu suchen und zu vermitteln. Verdientermaßen wurde er deshalb mit Journalistenpreisen überhäuft.

Journalismus ist sein Leben. Und obwohl er schon 63 ist, hätte er wohl noch weitergemacht. Aber dann ist im Vorjahr seine Roswitha gestorben, die ihm in all dem erlebten Elend und Leid der Welt stets Halt gegeben hat. Er müsse aufhören, weil mit dem Tod seiner Frau "etwas weggebrochen" sei, sagte er selbst. Auch das "typisch Fritz". Wir verneigen uns tief vor diesem hochanständigen Kollegen.

(B.B.)

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10 Kommentare
Gast: hunter666
30.09.2012 11:42
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sachlich,

kompetent, ruhig und genau, danke und alles gute!

Resepkt!

Denn hat er sich verdient! Und alles andere, was er gemacht hat.
Ein echter Sympathisant!
Und ich werde ihn vermissen!

schreiben sie uns doch bitte bücher!

sie werden im orf fehlen

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Danke, Herr Orter!


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Ich verneige mich auch...

... als Zuschauer, der gegen Ende 1991 insofern das Glück hatte, sich
dem Unglück des Jugoslawien-Zerfalles zu entziehen und nach
Österreich zu kommen. Dadurch war ich in einer etwas speziellen Lage: Es war mir
möglich, seine Sicht der Geschehnisse mit meinen eigenen Erfahrungen
und Eindrücken zu vergleichen. Ich war tiefst beeindruckt:
Es war für mich eindeutig, dass sich Dr. Orter extrem angestrengt hat,
die Komplexität der Tragödie zu verstehen, sie zu
durchblicken und dabei aber so oft mit sogenanntem "kleinen man"
zu sprechen, um sich ein Bild aus dieser Perspektive zu verschaffen.

Seit diesen Zeiten ist sein Namen für mich ein Inbegriff des
freien, unabhängigen und objektiven Journalismus, den es
heutzutage - so scheint es mir - leider immer weniger gibt.
Ich habe mir damals eingeprägt: "Achte auf Orter, wovon er
auch immer Berichten wird, weil er der "Realität" (was auch
immer das sein mag) am nähesten kommen wird." Seine späteren Berichte aus mir unbekannten Problemregionen konnte ich dann
mit dieser Gewissheit betrachten. Das bedeutet viel und ist sehr rar.

Ich bin traurig, dass die Zeit so schnell vergeht und das
er in die Pension geht. Aber, in der Nacht von 28. auf 29.09.2012 meinte er im ZIB24: "Ein Journalistenleben endet mit seinem eigenen letzten Seufzer." In diesem Sinne wünsche ich ihm, dass er irgendwie wieder die Kraft findet. Aber, wie wir wissen, das Leben ist sehr hart. Danke, Herr Orter!


Gast: der mann aus la mancha
29.09.2012 10:03
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Er findet (in seinem wohlverdienten Ruhestand) sicher ein journalistisches Betätigungsfeld wo er sich uns künftig (auch für die breite Öffentlichkeit) mitteilen kann.




Traurig

Ich finde es sehr traurig und schade, dass man einem so verdientem Journalisten wie Fritz Orter zu seinem sicher wohlverdienten Ruhestand nur eine kurze Bemerkung schenkt, die dann gleich wieder von presse.com verschwunden ist. Schäbig finde ich es vom ORF, dass ein Interview mit ihm in der ZIB 24 stattfindet, während sich zu den besten Sendezeiten Leute präsentieren dürfen, die nicht einmal einen Bruchteil dessen geleistet haben wie er.
Aber es ist wie es ist, die klügsten und mutigsten Menschen bekommen die schlechtesten Sendezeiten, damit hat sich das Leservolk einfach abzufinden.
Ein echtes Armutszeugnis für den ORF.

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Re: Traurig

Das stimmt so nicht, er ist schon vor ein paar Tagen ausführlich in der ZIB 2 interviewed worden.

Fritz Orter

Ein Vorbild nicht nur für Journalisten.

Seine Reportagen werden mir fehlen.

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Re: Fritz Orter

Er hat journalismus gelebt u schreiberlinge eines besseren belehrt! Danke fuer offenheit u ehrlichkeit u einsatz auf leben u tod! Jetzt lebe u geniesse!! In tiefster hocgachtung mario b