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"The European" flüchtet auf Papier in die Utopie

30.09.2012 | 18:27 |   (Die Presse)

Bisher erschien das Magazin nur online, nun soll eine gedruckte Ausgabe alle drei Monate haltbareren Lesestoff bieten.

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Wenn die Realität zu wenig Spannung bietet, muss die Utopie herhalten, so lautet ein beliebtes Motto der Medien. Das deutsche Debattenmagazin „The European“, das seit 2009 nur online erschienen ist, bedient sich in der ersten gedruckten Ausgabe genau dieses Mottos. Wie wird die Welt in 100 Jahren, also 2112?, so die Frage im Schwerpunktteil des 162-seitigen Magazins. Der Blick in die weite Zukunft offenbart den einen oder anderen neuen bzw. zumindest noch nicht allzu abgedroschenen Aspekt: Der Sex der Zukunft wird schrecklich werden, behauptet etwa der US-Psychologie Christopher Ryan, weil die Geschlechtergrenzen verschwimmen und die sexuellen Kontakte entmenschlicht werden. Die Erkenntnis von Vinton Cerf, einem der Väter des E-Mails, das Internet werde in 100 Jahren „ein alter Hut“ sein, wäre uns hingegen auch eingefallen. Viel gelungener ist die Idee, jetzt, da alle über die bevorstehende Präsidentschaftswahl in den USA reden, bereits über jene im Jahr 2016 nachzudenken und „Welt“-Autor Ansgar Graw über den möglichen Spitzenkandidaten sinnieren zu lassen.

„The European“ erreicht online bisher etwa 100.000 Leser pro Monat, durch Kooperationen mit N24 oder „Huffington Post“ sind es mitunter drei Mal so viel. Chefredakteur Alexander Görlach, einst Ressortleiter bei Cicero Online, will den Lesern neben den kurzen Debattenbeiträgen im Netz mit dem Quartalsheft (acht Euro) haltbareren Lesestoff bieten. Trotzdem sind nur wenige der gedruckten Debattentexte länger als zwei, drei Seiten. Aus Anpassung an die Online-Lesegewohnheiten? Wirklich gelungen sind das Layout (kaum Bilder, und wenn in Schwarz-Weiß, viel Weißraum, gezeichnete Autorenköpfe) und die Dominanz ausländischer Autoren. Österreich kommt am Rande vor: Journalist und Österreicher David Baum schreibt in seiner ersten Kolumne über seine Heimat. awa

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.10.2012)

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