19.05.2013 23:28 Merkliste 0

Dirk Bach starb vermutlich an Herzversagen

02.10.2012 | 15:29 |   (DiePresse.com)

Eine Obduktion der Leiche ist nicht vorgesehen. In seinem Appartement fand man Medikamente gegen Bluthochdruck, Herzinsuffizienz sowie Cholesterinsenker. Der Mime starb mit 51 Jahren in Berlin.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße

Der deutsche Schauspieler und Fernsehkomiker Dirk Bach ist höchstwahrscheinlich an Herzversagen gestorben. Eine Obduktion der Leiche sei nicht vorgesehen. Das teilte ein Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft am Dienstag mit. Der 51-jährige Mime war zum Zeitpunkt seines Todes allein in der Wohnung im Ortsteil Lichterfelde gewesen. Rettungskräfte hätten vergeblich versucht, den TV-Star in einer Berliner Wohnung wiederzubeleben.

Zuletzt sei Bach am Sonntag gegen 14 Uhr lebend gesehen worden. Seine Leiche wurde am Montag gegen 16.20 Uhr gefunden. Die Staatsanwaltschaft bestätigte am Dienstag, dass es keine Hinweise auf ein Fremdverschulden gibt. Die Ermittlungen wurden damit abgeschlossen, hieß es von einem Sprecher weiters. Die Leiche werde nun zur Beerdigung freigegeben.

Bach war vor allem durch seine Moderatorenrolle in der RTL-Sendung "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" bekannt. Das Schlosspark Theater, in dem der homosexuelle Schauspieler in wenigen Tagen in dem Stück "Der kleine König Dezember" die Titelrolle spielen sollte, würdigte Bach als "lebenslustigen und sehr liebeswerten Kollegen".

"Er ist nicht ans Telefon gegangen"

Der Regisseur von "Der kleine König Dezember" hat Bach gefunden, nachdem dieser zur ersten Hauptprobe des Stücks am Montag nicht aufgetaucht war. Das gab Theatersprecher Harald Lachnit am Dienstag bekannt. Vor der Probe habe Bach noch ein Interview geben wollen - sei aber nicht erschienen. So eine Verspätung sei sehr unüblich gewesen. Bach sei immer sehr pünktlich und sehr genau gewesen, so Lachnit.

"Dann haben wir natürlich herumtelefoniert, aber er ist nicht ans Telefon gegangen." Deshalb sei der Regisseur des Stücks, Lorenz Christian Köhler, selbst in Bachs Hotel-Appartement gefahren." Mit einer Hausangestellten habe Lorenz das Appartement dann geöffnet und Bach gefunden. Daraufhin rief der Regisseur Feuerwehr und Notarzt. Es sei aber nicht mehr möglich gewesen, Bach zu reanimieren. Das ganze Ensemble sei erschüttert, sagte Lachnit.

Erschütterung in der Branche

Der Fernsehsender RTL reagierte mit Bestürzung auf den Tod des Entertainers. "Wir sind zutiefst schockiert, bestürzt und fassungslos", sagte Markus Küttner, Chef für Comedy-Formate, am Montagabend. "Wir trauern und sind in Gedanken bei denen, die er hinterlässt."

Bach präsentierte ab 2004 sechs Staffeln lang mit Sonja Zietlow die Show "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!". In der als Dschungelcamp bekannten Sendung müssen mehr oder minder Prominente Abenteuer bestehen. Zu den Ekel-Mutproben mit massenhaft Kakerlaken oder furchterregenden Spinnen machte Bach mit Tropenhelm und schreiend bunten Hemden seine süffisanten Bemerkungen.

Karriere in der freien Theaterszene gestartet

Der in Köln geborene Bach wollte schon als Jugendlicher Schauspieler werden. Er startete seine Karriere in der freien Theaterszene. Mit Walter Bockmeyers Inszenierung der "Geierwally" im Kölner "Theater in der Filmdose", die auch zum Berliner Theatertreffen eingeladen wurde, gelang Bach 1984 der Durchbruch. Danach wirkte er an Inszenierungen im etablierten Theater mit und machte parallel im Fernsehen Karriere.

Von 1992 bis 1994 hatte er auf RTL seine eigene Sendung, die "Dirk-Bach-Show". Es folgten weitere Erfolgsserien im ZDF wie die Sitcom "Lukas" (1996-2001). Als Zauberer Pepe begeisterte er kleine Zuschauer im Kinderklassiker "Sesamstraße" zwischen 2000 und 2007. Er wirkte auch in TV-Formaten wie "Schillerstraße" (Sat.1) oder "Frei Schnauze" (RTL) mit. Die Vox-Gameshow "Power of 10" im Jahr 2008 wurde allerdings wegen geringer Einschaltquoten nach wenigen Ausgaben abgesetzt.

Dirk Bach: Schauspieler, Spaßvogel, Entertainer

Alle 9 Bilder der Galerie »

Dirk Bach, der eng mit Hella von Sinnen befreundet war, war ein vielseitiger Künstler: Er drehte Filme ("Nich' mit Leo"), arbeitete als Synchronsprecher (zum Beispiel in dem computeranimierten Disney-Film "Oben"), nahm Hörbücher auf oder traute als Pfarrer in der ARD-Seifenoper "Verbotene Liebe" ein homosexuelles Paar. Der kugelrunde Entertainer spielte auch leidenschaftlich Theater, etwa zuletzt beim Musical "Kein Pardon!" in Düsseldorf, das auf dem gleichnamigen Film des Komikers Hape Kerkeling beruhte. Bach mimte dort den TV-Unterhalter Heinz Wäscher. Bach war in den vergangenen Jahren auch bei den Nibelungen-Festspielen in Worms zu sehen.

Wäre nie selbst ins Dschungelcamp gegangen

Der Tod Bachs wird bei der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises am Dienstagabend eine Rolle spielen. Das bestätigte eine Sprecherin des Fernsehpreises auf Anfrage. In welcher Form seiner gedacht werde, war am Montagabend noch nicht klar. Bach hatte die Verleihung selbst einmal moderiert.

Selbst wäre Bach, der sich im Kampf gegen HIV und Aids engagierte und für Amnesty International oder die Tierrechtsorganisation PETA eintrat, nie ins Dschungelcamp gegangen: "Nein, warum sollte ich?", sagte er anlässlich seines 50. Geburtstages am 23. April 2011 der Nachrichtenagentur dpa. "Die Leute, die das machen, haben ja einfach einen ganz anderen Plan als ich. Ich moderiere eine Sendung, und die - machen was anderes für ihre Karrieren..."

Reaktionen: Trauer um Dirk Bach

Alle 8 Bilder der Galerie »

(APA/AFP/dpa)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web