Der mutige Auftritt einer US-Nachrichtensprecherin sorgt im Internet für einen regelrechten Hype: Jennifer Livingston, Moderatorin beim lokalen US-Sender WKBT in La Crosse, Wisconsin, wehrte sich in der Sendung am Dienstagmorgen live gegen ein beleidigendes E-Mail eines Zusehers. Dieser hatte sie aufgrund ihres Übergewichts heftig kritisiert. Auf YouTube hat der - inzwischen dutzendfach vorhandene - Clip bereits an die fünf Millionen Views erreicht. Die meisten Zuseher zeigen sich begeistert von der Botschaft.
Übergewicht als "gefährliche Angewohnheit"?
Zu Beginn ihrer Stellungnahme zitierte Livingston aus dem Schreiben des Zusehers, der zugab, die Sendung nicht regelmäßig zu verfolgen. Er warf der Nachrichtensprecherin vor, wegen ihres Übergewichts ein schlechtes Vorbild für junge Mädchen zu sein. "Ich bin überrascht, dass Ihre körperliche Verfassung sich über viele Jahre hinweg nicht verbessert hat", schrieb der Zuseher. "Fettleibigkeit ist eines der schlimmsten Dinge, für die sich ein Mensch entscheiden kann und eine der gefährlichsten Angewohnheiten, die man haben kann", meinte er. "Ich schreibe Ihnen in der Hoffnung, dass sie sich Ihrer Verantwortung als lokaler Fernsehstar bewusst werden und einen gesunden Lebensstil vorleben."
Als Person des öffentlichen Lebens sei sie es gewohnt, Kritik einzustecken, sagte Livingston in der Sendung. Dieses E-Mail sei aber über das übliche Maß an Beleidigungen hinausgegangen. "Angriffe wie diese sind nicht okay", stellte sie klar. "Die Wahrheit ist: Ich habe Übergewicht", sagte sie. "An die Person, die mir das E-Mail geschrieben hat: Glauben Sie, ich weiß das nicht? Glauben Sie, ihre gemeinen Worte machen mich auf etwas aufmerksam, das ich bisher nicht gesehen habe? Sie kennen mich nicht. Sie wissen nichts über mich außer dem, was sie sehen. Ich bin viel mehr als eine Zahl auf einer Waage."
Beleidigungen wie diese "erziehen" zu Mobbing
Die Worte des E-Mailschreibers würden sie nicht auf persönlicher Ebene treffen, sagte die Moderatorin. Wütend mache sie aber, dass es viele Kinder gebe, die sich ebensolchen Anfeindungen ausgesetzt sehen und sich nicht zu wehren wüssten. Mobbing würde ihr Angst machen, sagte Livingson, selbst Mutter von drei Mädchen. Dieses Problem wachse täglich, vor allem durch das Internet, das zu einer "Waffe" für Mobbing geworden sei. Schikanierendes Verhalten sei erlernt, sagte die Moderatorin. "Raten Sie mal, was passiert, wenn Sie zu Hause über die 'fette Nachrichtensprecherin' reden: Ihre Kinder gehen wahrscheinlich in die Schule und nennen jemanden 'fett."
Livingstons Ehemann, Moderatorenkollege Mike Thompson, hatte das E-Mail zuvor auf der Facebook-Seite der Nachrichtensendung "WKBT News 8 This Morning" gepostet. Die Reaktionen überraschten die Betroffene: Hunderte Zuseher meldeten sich zu Wort und verteidigten die Sprecherin gegen die Anfeindungen. Das habe sie dazu ermuntert, sich persönlich in der Sendung zu den Beleidigungen zu Wort zu melden, so Livingston. Sie riet ihren Zusehern, sich Reaktionen zum Vorbild zu nehmen: "Lassen Sie nicht zu, dass Menschen, die mobben, ihr Selbstwertgefühl beeinflussen", sagte sie. "Aus diesem, meinem Fall kann man etwas lernen: Grausame Worte eines Einzelnen bedeuten Nichts im Vergleich zum Aufschrei von Vielen."

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