Am Dienstag hat Spaniens größte Tageszeitung "El País" dem spanischen Arbeitsministerium offiziell den Antrag auf betriebsbedingte Massenentlassungen eingereicht. Von den 464 Arbeitsplätzen sind nun 150 Jobs gefährdet. Die Meldung trifft Spaniens Medienbranche wie ein harter Schlag, denn kaum einer spanischen Tageszeitung geht es im Zuge der Wirtschafts- und Anzeigenkrise so gut wie dem linksliberalen Traditionsblatt aus Madrid. Dennoch kündigte das Flaggschiff der spanischen Zeitungsbranche vor einigen Tagen bereits an, rund ein Drittel der gesamten Belegschaft entlassen zu müssen.
Juan Luis Cebrian, Chef des Prisa Konzerns, begründet den Kahlschlag mit den fallenden Verkaufszahlen und dem Rückgang von Anzeigen in der Zeitung. Zum ersten Mal in der Geschichte schreibe "El País" rote Zahlen, hieß es aus der Geschäftsführung des Prisa-Medienkonzerns, zu dem auch zahlreiche Radiosender, Magazine und Fernsehkanäle gehören und der 15 Prozent an der französischen Zeitung "Le Monde" hält.
"El País"-Redakteure planen Streik
Die Belegschaft von "El País" will mit Streiks auf die geplanten Massenentlassungen reagieren. 266 der 464 Redakteure haben sich für einen 18-tägigen Streik ausgesprochen, sollten die Entlassungspläne der Geschäftsleitung wirklich umgesetzt werden, berichtet "El País" am Dienstag.
Stabil, aber starker Rückgang der Auflage
Obwohl "El País" im Vergleich zu anderen spanischen Zeitung noch relativ stabile Verkaufswerte vorweisen kann, sind die Zeiten, in denen das Blatt, das erstmals am 4. Mai 1976 erschien, eine Millionenauflage hatte, längst vorbei. Heute werden nur noch knapp 350.000 Ausgaben verkauft.
Prisa zufolge ist die Auflage der Tageszeitung in den vergangenen fünf Jahren um 18 Prozent gefallen, der Anzeigenrückgang in der Tageszeitung beträgt sogar 53 Prozent. Die Einnahmen seien seit 2007 um 200 Mio. Euro zurückgegangen.
Nun will Prisa-Vorstandschef Cebrian vor allem ältere Mitarbeiter in den Vorruhestand schicken und die Regionalredaktionen in Barcelona, Valencia, Sevilla, Bilbao und Santiago de Compostela verkleinern. Selbst in der Stammredaktion in Madrid sollen Entlassungen von Redakteuren vorgenommen werden.
Dass nun auch das Flaggschiff der spanischen Zeitungsbranche mit Entlassungen auf die Wirtschaftskrise reagiert, ist für die Medienbranche eine wahre Hiobsbotschaft. Nach Schätzungen der spanischen Pressevereinigung FAPE könnte die Krise jeden vierten Journalisten in Spanien in irgendeiner Weise treffen.
Seit 2008 wurden 2300 Redakteureentlassen
Rund 2300 Redakteure wurden mit dem Einsetzen der Wirtschaftskrise seit Juni 2008 bereits entlassen oder in den Vorruhestand geschickt. 26 Prozent aller Redakteure erhält nur noch Zeitverträge mit Löhnen von unter 1200 Euro im Monat, wobei nicht nur jüngere Journalisten von diesen Mindestlöhnen in Zeiten der Einsparungen betroffen sind.
(APA/Red.)

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