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Frank Elstner: »Keine kleinen Elstners«

13.10.2012 | 18:19 |  von Isabella Wallnöfer (Die Presse)

»Wetten, dass ..?«-Erfinder Frank Elstner im Interview mit der »Presse am Sonntag«: Er springt aus Flugzeugen, unterrichtet an der Axel-Springer-Akademie und hält viel von Markus Lanz.

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Auch auf die Gefahr hin, dass ich nicht die Erste bin, die fragt: Wie hat Ihnen denn die Premiere von Markus Lanz bei „Wetten, dass . . ?“ am Samstag gefallen?

Frank Elstner: Sehr gut. Es hat mich nicht gewundert, dass das ein Erfolg war – ich habe immer an Lanz geglaubt, sonst hätte ich ihn nicht für die Moderation vorgeschlagen. Er ist sehr neugierig, kann mit den Kandidaten gut reden, man hat Vertrauen zu ihm – man merkt, dass er seine Aufgabe liebt.

Verstehen Sie den Hype um den Moderatorenwechsel und die Sendung – das las sich ja, als hänge die Zukunft des Fernsehens von „Wetten, dass ..?“ ab.

Ach Gott, das Ganze ist ein bisschen unglücklich gelaufen! Aber ich mache mir darüber überhaupt keine Gedanken mehr. Viele haben gesagt, „Wetten, dass ..?“ sei am Ende und würde keine Zuschauer mehr binden. Ich habe immer gesagt: Wichtig sind gute Wetten, gute Kandidaten und die Hinwendung zum Zuschauer. Genau das ist passiert: 14,8 Millionen Zuschauer sind eine deutliche Antwort. Seit Jahrzehnten wird der Samstagabend totgeschrieben. Das war schon so, als ich „Wetten, dass ..?“ machte – dann war er auf einmal nicht mehr tot.

Sie unterrichten heuer eine Masterclass an der Axel-Springer-Akademie – „Moderatoren für Morgen“. Derzeit läuft die Bewerbungsfrist. Was kann man bei Ihnen lernen?

Seit Jahren kriege ich Briefe von Schulabgängern und Studenten, die mich fragen, wie man Moderator werden kann. Und nachdem ich mir zu meinem 70er vorgenommen habe, auch noch etwas anderes im Leben zu machen, habe ich der Axel-Springer-Akademie den Vorschlag gemacht, eine Masterclass zu unterrichten. Da geht es nicht darum, kleine Elstners heranzuziehen, sondern Leute, die in der neuen Medienlandschaft, auch online, als Bewegtbildmoderator bestehen können. Ich werde das vornehmlich in Einzelgesprächen machen – wirkliche Talente brauchen keinen Gruppenunterricht. Es gibt genügend Hochschulen und Akademien, die einem beibringen, wie man frei sprechen kann. Viele lassen sich coachen, wie sie die Hände zu halten haben. Ich möchte mit begabten Menschen ihr Talent ausloten und ihnen mit meiner Erfahrung sagen, wo sie einmalig sind und wo nicht. Ich will keine allgemeinen Regeln aufstellen, sondern mit ihnen gemeinsam etwas suchen, das zu ihnen passt, sodass sie daraus ihr großes Ding drehen können – für Web-TV, einen Internetauftritt oder fürs Direkt-TV.

Wer ist denn die Zielgruppe?

Ich hab im Spaß gesagt, die sollten jünger sein als ich und volljährig. Natürlich vor allem Studenten und Schulabgänger, aber warum nicht auch ein älterer Teilnehmer mit einer großartigen Idee. Es richtet sich an alle, die der Meinung sind, sie hätten etwas mitzuteilen. Wir suchen nicht die schönste Ansagerin, sondern etwas Besonderes – das kann in allen Bereichen sein, vielleicht finde ich den interessantesten Rollstuhlfahrer. Dann machen wir Individualtraining. Es gibt ja so viele verschiedene Arten von Moderatoren – Kommentatoren, Reporter vor Ort, in der großen Halle, mit Tieren . . .

Welche Moderatoren gefallen Ihnen?

Es gibt ein Beispiel, das jedem als Erstes einfällt: Günther Jauch. Der Mann mit den tausend Gesichtern – ob Polit-Talkshow oder Quiz, der hat es geschafft, mit seiner Neugier, seinem breiten Wissen als Figur so dazustehen, dass er sich der Stürme erwehren kann.

Man hat das Gefühl, es ist schwerer geworden, etwas Neues zu erfinden. Viele TV-Sender agieren nach dem Motto: Besser gut geklaut als schlecht erfunden.

Das kann ich nicht unterschreiben. Ich glaube, die mediale Welt war noch nie so bunt und interessant wie heute . . . was man zum Beispiel am iPhone für Apps herunterladen kann: Ich kann das Gerät in den Himmel halten und sehe, wer dort gerade fliegt. Ich kann den Flug meiner Tochter nach Australien verfolgen und sehen, wenn sie landet. Es gibt tausende Möglichkeiten, neue Sendungen, neue Apps zu machen. Wer in alten Bahnen denkt, der kann sich gleich einschließen.

 

Um Ihre Masterclass zu bewerben, sind Sie zum ersten Mal Fallschirm gesprungen – mit Markus Lanz. Hatten Sie Angst?

Der Fallschirmsprung war ein reiner Spaß. Das wollte ich einfach mal erleben – lieber mit siebzig als mit neunzig. Angst hatte ich nur zwei Sekunden lang, als ich in 4000 Metern Höhe die offene Tür des Flugzeugs sah. Da stellt man sich die Frage: Was bist du eigentlich für ein Trottel? Aber wenn man fliegt, trägt einen das Adrenalin.

 

In dem Video geht es scherzhaft darum, dass Lanz Sie während des Sprungs interviewen soll. Was nicht klappt. Ist Ihnen auch hin und wieder der Schmäh ausgegangen?

Natürlich. Ich finde, das ist auch gar nicht schlimm. Man kann durchaus in einem Programm Schwächen zeigen – vielleicht sogar aus diesen Schwächen ein Programm machen.

 

Vor allem junge Leute schauen heute nicht mehr nur fern, sie tauschen sich – oft während die Sendung läuft – darüber in sozialen Medien aus. Sind Sie da auch dabei?

Klar! Ich habe 13.000 Follower bei Twitter. Wenn man in Medien arbeitet, ist es selbstverständlich, dass man dabei ist. Aber man muss sich im Klaren sein: Je mehr man von sich preisgibt, desto mehr kann das als große Wolke auf einen zurückkommen. Und zeitintensiv ist es auch. Aber die Umstände werden sich verändern, Kinder werden eines Tages womöglich nicht mehr schreiben lernen, sondern nur noch auf Tasten drücken.

 

Würden Sie noch einmal gerne „Wetten, dass ..?“ moderieren?

Wenn ich mich verabschiedet habe, dann habe ich mich verabschiedet. Aber ich bin immer wieder gerne an der Suche nach dem richtigen Moderator beteiligt. Ich habe damals Thomas Gottschalk ausgesucht und jetzt Lanz empfohlen – ich glaube also, ich habe ein gutes Händchen dafür.

 

Sie springen Fallschirm, unterrichten eine Masterclass – schaut nicht so aus, als würden Sie sich bald zur Ruhe setzen. Was kommt als Nächstes?

Jetzt werde ich mal das Moderatoren-Training ernsthaft machen und mich damit nicht nur oberflächlich beschäftigen. Das wird die nächsten zwölf Monate meine Hauptbeschäftigung sein. Und ich moderiere ja „Menschen der Woche“ im SWR, da muss ich aktuell am Laufenden sein. Ich lese viel, schaue Dokumentationen und Reportagen an. Das ist vielleicht mit ein Grund, warum ich noch nicht eingerostet bin: dass ich mich beschäftige.

 

Und Ihre Prognose für „Wetten, dass ..?“

Das wird noch ein paar Jahre ein Straßenfeger bleiben.

 

Der Erfinder
Frank (eigentlich Timm) Elstner(*1942 in Linz) wollte Theaterwissenschaft studieren, bestand aber die Matura nicht. Begann bei Radio Luxemburg, unter Gerd Bacher beriet er den ORF beim Aufbau von Ö3.

1981 erfand er „Wetten, dass ..?“, das Elstner bis 1987 moderierte. Elstner entwickelte u.a. auch „Nase vorn“ und „Elstner und die Detektive“ und moderierte z.B. „Jeopardy“ , „Aber Hallo“, „Verstehen Sie Spaß?“, „Einfach Millionär“ und „Die Besten im Südwesten“. Wöchentlich ist er Gastgeber für die „Menschen der Woche“ (Südwestfunk).

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.10.2012)

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