Mit etwas Altem, etwas Neuem und etwas Abgekupfertem bespielt der ORF ab Mittwoch die Wochenmitte. Nach Serienmontag, Austro-Comedy-Dienstag und Showfreitag in ORF eins soll nun auch der Fernsehmittwoch sein eigenständiges Profil erhalten. Das Motto „Im richtigen Leben“ wirkt dabei etwas willkürlich gewählt, denn es passt nicht zu allen Programmelementen der Mittwochnacht.
Den Auftakt um 20.15 Uhr bilden neue Folgen der Krimiserie „Soko Donau“, die im Winter durch die neue ORF-Serie „Cop Stories“ rund um eine Polizeiwachstube in Ottakring abgelöst werden soll. Danach folgt die Show „Hast Du Nerven?“ (21.05 Uhr), in der das TV-historisch alte Konzept der versteckten Kamera überraschend locker adaptiert wird: Anders als beim großen Vorbild „Verstehen Sie Spaß?“ wird Fans eine Begegnung mit ihren Vorbildern ermöglicht – und die läuft klarerweise gehörig aus dem Ruder.
Die Stimme aus dem Off macht Druck
Aus dem Off gibt Kabarettist Werner Sobotka den eingeweihten Promi-Lockvögeln Anweisungen, was sie zu tun haben, und setzt sie gleichzeitig mit dem Spruch „Hast Du Nerven?“ unter Druck. Moderatorin Mirjam Weichselbraun lädt die gefoppten Fans und die Prominenten jeden Mittwoch ins Studio, wo das Publikum den besten Streich des Abends wählt. Das ORF-Team geht nicht gerade zimperlich mit ihren Kandidaten um: So wird ein Fan von Alkbottle-Sänger Roman Gregory in kompletter Austria-Montur in ein Lokal voller Rapid-Anhänger gelockt, die den violetten Aufzug wenig überraschend als Provokation empfinden. Die Angst des Reingelegten wirkt jedenfalls nicht gespielt.
Auf das alte folgt das abgekupferte Programmelement: Die deutschen Privatsender haben es vorgemacht und schicken seit Jahren Britt, Tine oder Vera als „Elends-Scouts“ (© „Spiegel“) in den vermeintlichen Hilfsdienst zu Messies, Arbeitslosen oder hoch verschuldeten Großfamilien. In der öffentlich-rechtlichen Variante soll das weniger voyeuristisch sein und tatsächlich Hilfe bieten – die Dramatik der jeweiligen Situation, wie bei der Familie mit dem desolaten Reiterhof in Folge eins, wird dennoch durch Musik und Stimme des Kommentators un-öffentlich-rechtlich überzeichnet. Armin Assinger macht es sichtlich Spaß, nach Jahren des reinen Studiojobs mit der „Millionenshow“ den Retter in Not mit Holzfällerhemd und vollem Körpereinsatz zu geben – sein „Einser Team“ aus Architekten, Anwälten und Psychologen hilft ihm dabei (22 h).
Das vielversprechendste und einzig wirklich neue Element kommt zum Schluss (22.50Uhr) – und erst jetzt ist der ORF-Mittwoch im „richtigen Leben“ angekommen: Mari Lang, junge, gescheite Moderatorenhoffnung (FM4, zuletzt „contra“), begibt sich in „Mein Leben“ auf die Suche nach Menschen, die ein Lebenskonzept verfolgen, das für Vorurteile sorgt, wie die Pastoralassistentin Judith oder die Boxerin Jasmina. In Folge eins besucht Lang den Tierschützer Chris Moser, der während des Tierschützerprozesses in U-Haft saß, in seiner Heimat Tirol. Sie begleitet ihn zu Demonstrationen, isst mit ihm an einem Tisch, bastelt Transparente. Das sind langsame, aber sehr persönliche Reportagen, denen man ansieht, dass sie mit viel Gespür und Zeit entstanden sind.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.10.2012)

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