Mit Trillerpfeifen, Hupen und Transparenten ausgerüstet zogen österreichische Journalisten aus gut einem Dutzend Medienhäusern Montagmittag vor das Bürogebäude des Verbands Österreichischer Zeitungen (VÖZ) in der Wipplingerstraße. Grund der von der Gewerkschaft der GPA-DJP organisierten Kundgebung war die Aufkündigung des Journalisten-Kollektivvertrags von Verlegerseite vor wenigen Wochen. Der VÖZ hatte diesen Schritt damit begründet, man erhoffe sich dadurch ein rascheres Ergebnis der seit drei Jahren andauernden Verhandlungen um einen zeitgemäßen KV, der künftig auch für Onlinejournalisten gelten soll.
Die Verleger hatten Vertreter der Gewerkschaft am Montag um 14 Uhr zu einem weiteren Treffen in der Sache gebeten. Die Gewerkschaft war zwar zu einem Gespräch bereit, stellte aber klar, dass nur weiter verhandelt werde, wenn die Verleger die Kündigung zurückziehen würden.
Gespräche vertagt
Nach viereinhalbstündiger Verhandlung wurden die Gespräche auf kommenden Montag vertagt. Grund waren laut VÖZ Auffassungsunterschiede über das weitere Vorgehen. Gewerkschaftspräsident Franz C. Bauer meinte, es habe noch juristische Bedenken gegeben, die zunächst geklärt werden müssten. Außerdem habe man das Gefühl gehabt, die Arbeitgeberseite hätte versucht, am Montag bereits KV-Elemente mitzuverhandeln, dabei sei es doch lediglich um die Modalitäten und das weitere Vorgehen gegangen, so Bauer.
Die Journalisten demonstrierten zuvor ihren Unmut an der Gesamtsituation mit Bannern, auf denen Slogans standen wie „Barack Wer? Kein Journalismus, keine Ahnung“ oder „Geht's dem Journalismus schlecht, geht's uns allen schlecht“.
„Verhandlungen statt Pfeifkonzerte“
Eine junge Frau trug ein Schild um den Hals mit der Aufschrift: „Ich bin Journalist, nur mein Konto weiß nichts davon.“ Der VÖZ begrüßte die Journalisten ebenfalls mit Spruchbändern, auf denen stand: „Für einen Journalisten-KV mit Zukunft“ und „Verhandlungen statt Pfeifkonzerte“.
Zur Kundgebung gekommen waren Print- und Onlinejournalisten von den Zeitungen „Kurier“, „Standard“, „Wiener Zeitung“ und „Presse“ sowie von den Magazinen „Profil“, „Format“, „Falter“, „Trend“ und „Furche“ und der Nachrichtenagentur APA. Auch Medienvertreter aus Graz, Salzburg und Innsbruck waren dabei. Die Wiener Polizei schätzte die Anzahl der Teilnehmer auf 300 Personen. Öffentliche Versammlungen fanden am Montag auch in Graz, Salzburg und Innsbruck statt. In Graz gingen dabei nach Schätzungen der Exekutive etwa 200 Journalisten auf die Straße.
Bauer, Chef der Journalistengewerkschaft, sprach von einem „historischen Moment“. Noch nie in der Zweiten Republik seien Journalisten auf die Straße gegangen, um für ihre Rechte zu kämpfen. Laut Bauer soll sich die Protestkundgebung in den einzelnen Medienhäusern „nicht betriebsstörend“ ausgewirkt haben. „Im Gegensatz zu den Verlegern wollen wir uns die Eskalationsszenarien noch offenhalten.“
("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.10.2012)
Demonstration: Journalisten und Hunde auf der Straße






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