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Rapper gegen Popper, ein Kampf der Kulturen?

22.10.2012 | 18:28 |  THOMAS KRAMAR (Die Presse)

Das Befremdliche an der Konfrontation zwischen Sido und Dominic Heinzl war, dass die Aggression offenbar völlig einseitig war.

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„Du Sohn einer Hündin!“ Wer Karl Mays orientalische Romane gelesen hat, kennt dieses Schmähwort – und weiß wohl auch, dass es eine beschönigende Übersetzung aus dem Englischen ist: „Bitch“ heißt zwar Hündin, aber auch Hure. Schon das Deutsche Wörterbuch der Brüder Grimm nannte „Hurensohn“ als Schimpfwort – und zitierte aus Schillers „Verschwörung des Fiesco zu Genua“ (1783): „Heraus, Hassan! Hurensohn der Hölle!“, ruft Fiesco und will damit explizit den „Hass verstärken“.

Die Kränkung der Mutter ist in vielen männerrechtlichen Gesellschaften, in denen die „Ehre“ der Frauen quasi ein ideelles Besitztum der Männer ist, eine besonders arge Beleidigung. Auch in der Hip-Hop-Kultur, der sich Sido, Sohn eines Deutschen und einer Sintiza (die „Zigeunerin“ zu nennen ihn gewiss kränken würde), zugehörig fühlt. Zwar wurde „bitch“ – ähnlich wie „nigger“ – innerhalb der Szene positiv umgedeutet und steht oft für eine sich ihrer selbst und ihrer Rechte bewussten Frau. Doch wer in einer „rap battle“ die Mutter des Gegners so nennt, sprengt die Grenzen des Spiels.

Es war keine Rap-Schlacht auf dem Küniglberg. Das Befremdliche an der – mittlerweile auf YouTube multiplizierten – Konfrontation zwischen Dominic Heinzl und Sido ist, dass sie einseitig war: Heinzl schien weder die jähe Aggression zu verstehen noch die Form, in der sie vorgebracht wurde. In seinen Kreisen schimpft man nicht „Hurensohn“, man spuckt nicht und legt nicht dem Gegner, den man „auf die Fresse“ schlagen will, davor scheinbar begütigend den Arm um die Schultern. Das war ein „Clash of Cultures“, ein Zusammenprall, dessen Videodokumentation ins Archiv der Verhaltensforschung gehört.

Von den „tribes“ der Jugendkultur sprechen deren Interpreten gern. Doch ursprünglich waren (und sind) diese „Stämme“ Repräsentanten sozialer Schichten. Die klassische Konfrontation war in den Sechzigerjahren jene zwischen Mods und Rockern (legendärerweise am Strand von Brighton); dabei waren die Mods zwar auch teilweise aus der Unterschicht, aber sozusagen aufstiegswillig, ihr Habitus übersteigerte den gutbürgerlichen Kleidungsstil ins Manische. Selbst in Wien-Döbling gab es in den Achtzigerjahren – als dort die soziale Durchmischung noch größer war – ähnliche Konfrontationen zwischen Rockern und Poppern. Man wird nicht ganz fehlgehen, Dominic Heinzl nicht nur aufgrund seiner Frisur eine Nähe zu letzterer Gruppe zu attestieren.

Kultur, auch TV-Unterhaltung, hat u.a. die Funktion, solche Konflikte zu sublimieren, durch Ritualisierung und Selbstironie. Sido, der Mann, dem der ORF für sein „Große Chance“-Spiel die Rolle des „gezähmten Wilden“ zugeteilt hat, hat am Freitagabend diese Sublimation offensiv verweigert.

 

E-Mails an: thomas.kramar@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.10.2012)

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12 Kommentare
Gast: Man ehrlich gesagt
23.10.2012 23:25
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Dem Ekel Dominic Heinzl würde ich auch eine knallen

wenn ich ihm persönlich begegnen müsste. Und noch einigen anderen Entertainern in Österreich und Deutschland auch, etwa dem Gottschalk und dem Haider

Es wird immer offenkundiger, dass es sich beim ORF nicht nur um eine Anstalt handelt, sondern auch um eine Dependence des naheliegenden Zoos.

Verblüffenderweise hat aber noch nie jemand den Vorschlag gemacht, für den Tiergarten Schönbrunn bei allen österreichischen Haushalten eine Zwangsabgabe zur Durchfütterung der dahinvegetierenden Kreaturen zur erheben.

Re: Es wird immer offenkundiger, dass es sich beim ORF nicht nur um eine Anstalt handelt, sondern auch um eine Dependence des naheliegenden Zoos.

Da stimme ich Ihnen voll inhaltlich zu: Für die Küniglbergerwar der Sido offenbar wirklkich eine Art exotisches Tier, welches mit viel Euros domestiziert werden konnte. Oder man wollte sich mit Sido gar den "Duft der großen Welt" rein holen. Bisher hat er in der "Großen Chance" ja tatsächlich jede Menge Kreide gefressen, um nur ja niemanden zu verstören. Nur daheim in Deutschland äußerste er sich über Österreich, seinen Menschen und ganz besondes über den ORF weniger freundlich. Daß solche Beschimpfungen im ORF keine wie immer gearteten Sanktionen nach sich ziehen, das hatte man bereits bei Alfons Haider gemerkt. Der hatte sich sogar als Gast in einem anderen ORF-Format in einer unerträglich unflätigen Weise über dieses Land und seine Bürger ausgelassen, daß in meinen Augen damit der Tatbestand der "Geschäftsschädigung für seinen Arbeitgeber" (ORF) und eine Beleidigung seiner "Geldgeber" (ORF-Zwangsgebührenzahler)zweifelsfrei gegeben war. Doch Haider bekam anschließend sogar noch mehr Einsatzzeiten und auch Sido durfte bleiben.

Aber wer war überhaupt auf die Idee gekommen, daß es ohne Sido einfach nicht geht? Klaus Eberhartinger etwa hätte dank seiner Eloquenz, seines Mutterwitzes und seiner Schlagfertigkeit einen Sido locker vergessen lassen. Auch die beiden Damen in der Jury waren unnötig wie ein Kropf! Anderseits: Wann eigentlich hat es auf dem Küniglberg das letzte Mal eine wenigstens halbwegs vernüftige Personalpolitik gegeben? Da muß man weit zurück blättern...

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was, ja was nur...

will uns dieser Artikel sagen????

Antworten Gast: schlÄchter
23.10.2012 12:35
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Re: was, ja was nur...

sg docB!
das erschließt sich mir auch nicht: eine art "rumble of brighton" auf österreichisch......?

österreich als insel der seeligen hat wiedereinmal ein thema, abseits der wirklichen probleme und die medien leben prächtig davon.

m fg
s.

Gast: S.
23.10.2012 06:52
0 0

PR-Aktion oder unzurechungsfähiger SIDO?

Sido heisst "Scheisse In Dein Ohr." (Selbstdefinition von Sido).

Somit passt der Herr "Scheisse-In-Dein-Ohr" doch recht gut ins Dummschichten-Fernsehen.

Er soll bleiben, Dummschichten benötigen ihre Vorbilder. Solange sich diese Schichten gegenseitig in die G. hauen ist ja nicht daran verkehrt.

Die offene Frage hingegen ist, was geschah in den Sekunden des Armauflegens und des Faustschlages ins Gesicht noch? Was hat das Blut Sidos so stark in Wallungen versetzt derartige Beschimpfungen auszustossen und einen Fausschlag zu setzen?

War es ein geschickte PR-Aktion, der wir hier auf dem Leim gehen?


Antworten Gast: SIDO heisst:
25.10.2012 13:36
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Re: PR-Aktion oder unzurechungsfähiger SIDO?

Schau
Ihn,
Dein'
Orf

Gast: oupos
23.10.2012 02:21
1 0

Oh je,

ganz übles Mißverständnis: der Küniglberg des Jahres 2012 ist nicht der Ruckenbauer 1981 - und wenn die Aussagen diverser Zeugen stimmen so spuckt man in Heinzls "Kreisen" sehr wohl - was ja auch zum Ausraster des Edelprolls geführt haben soll. Einen "Clash of Culteres" herbeizufantasieren ist die Themenverfehlung der Woche, hieße es doch, Heinzl so etwas wie Kultur zusprechen zu wollen, was jedem, der sein Oeuvre auch nur aus der Distanz betrachtet hat, ferne liegen müsste.

Antworten Gast: j;DCBH:K
23.10.2012 09:29
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danke für die klarstellung!

im übrigen kann ich mich als anfang der achtziger regelmäßiger teilnehmer der schaulaufens vor dem ruckenbauer eigentlich nicht erinnern, dass es jemals wirklich zum großen krieg gekommen ist. eigentlich war es doch immer nur das kokettieren damit...

Gast: Lukas
22.10.2012 23:43
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das sehe ich anders

wer den Heinzl schon öfter gesehen hat kennt seine provozierende, unerträglich arrogante Art!

Bla

Der Heinzl hat schon ganz genau gewusst was er da tut. Sido ist ihm glatt in die Falle gelaufen.

Gast: Alexander F.
22.10.2012 19:47
4 2

?

Was brabbelt da der Krama? Ist das der Versuch, möglichst Irrelevantes zur Diskussion beizutragen? Gratuliere, gelungen!

Krama hat wohl irgendwann in Döbling bei Popper-, Rocker- und Mod-Konflikten vor dem Eissalon Ruckenbauer seine Entwicklung eingestellt. Bei den Beatles und Bob Dylan ist er stehen geblieben, gerne schreibt die Presse auch über die Steve Miller-Band.

Get a life after 1980!