Mit einem Anruf in der ZDF-"heute"-Redaktion soll ein CSU-Sprecher versucht haben, einen Fernsehbericht über den bayerischen SPD-Parteitag zu verhindern. Parteisprecher Hans Michael Strepp habe nach übereinstimmenden Schilderungen aus dem Sender am Sonntag deswegen den diensthabenden Redakteur der Nachrichtensendung angerufen, berichtete die "Süddeutsche Zeitung". Sollte der Sender einen Beitrag bringen, werde dies "Diskussionen nach sich ziehen", soll Strepp demnach gesagt haben.
Die "heute"-Sendung berichtete dennoch über den SPD-Parteitag, auf dem der Münchner Oberbürgermeister Christian Ude zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl im kommenden Jahr gewählt und so zum Herausforderer von Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) gekürt wurde.
"Haben Unabhängigkeit bewiesen"
"Es gab zwar einen Anruf, aber der blieb wirkungslos", kommentierte ZDF-Sprecher Jörg Berendsmeier den Vorfall. Chefredakteur Peter Frey erklärte am Mittwoch, Strepp müsse nun die Frage beantworten, warum und mit welcher Intention er direkt in der "heute"-Redaktion angerufen habe. Er sei mit der Reaktion der Kollegen sehr zufrieden, teilte Frey mit. "Wir senden, was wir senden, egal wer anruft. Die "heute"-Redaktion hat ihre Unabhängigkeit bewiesen."
CSU-Sprecher Strepp bestreitet laut "Süddeutscher Zeitung" den Versuch der politischen Einflussnahme. In einer Mail soll er an das Blatt geschrieben haben, dass die Darstellung "nicht den Tatsachen" entspreche, er "widerspreche ihr entschieden". Außerdem fügte er einen Brief hinzu, den er dem stellvertretenden ZDF-Chefredakteur Elmar Theveßen geschickt hatte. Darin bestätigte Strepp den Anruf bei dem Sender, wies aber den Versuch der Einflussnahme zurück.
"Früher war man raffinierter"
Ude bezeichnete den angeblichen Anruf am Mittwochnachmittag als "trottelhaft". Er amüsiere sich über diese versuchte Einflussnahme. Allerdings, "das ist doch früher etwas raffinierter gemacht worden."
Aber dass eine Partei meine, einem Sender eine Berichterstattung vorschreiben oder verbieten zu können, sei ein gravierender Vorgang. Falls sich der Vorwurf erhärte, sei er gespannt auf die Konsequenzen der CSU, sagte der Münchner Oberbürgermeister.
Weniger zu lachen hat indes CSU-Chef Seehofer. Er gerät wegen der angeblich versuchten Einflussnahme zusehends unter Druck. SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles erklärte, ein "Pressesprecher, der die Pressefreiheit nicht kennt, ist in einer demokratischen Partei nicht haltbar". "Der kläglich gescheiterte Einschüchterungsversuch des CSU-Pressesprechers zeigt: Aus Angst vor dem Machtverlust im eigenen Land werden hier die Grundfesten unserer Demokratie skrupellos mit Füßen getreten. Grünen-Landeschef Dieter Janecek warf der CSU ein "erbärmliches Verständnis von Pressefreiheit" vor.
Seehofer sagte am Rande der Münchner Medientage dem Bayerischen Rundfunk, sein Sprecher habe ihm mitgeteilt, dass die Vorwürfe unzutreffend seien. Solch eine versuchte Einflussnahme wäre "auch vollkommen inakzeptabel".
(Red./APA/AFP/dpa)

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