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Uneinigkeit über Innenpolitik-Chef im ORF-Radio

31.10.2012 | 15:15 |   (DiePresse.com)

Der Wunschkandidat des Radiodirektors ist Edgar Weinzettl. Der Radio-Chefredakteur favorisiert hingegen Andreas Jölli. Die Redakteure halten Weinzettl gar für einen parteipolitischen Wunschkandidaten.

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Die Besetzung der neuen Innenpolitik-Leitung im ORF-Radio sorgt offenbar für einigen Konfliktstoff. ORF-Radiodirektor Karl Amon hat am Mittwoch "nach Prüfung aller Argumente" seinen Wunschkandidaten Edgar Weinzettl für den Posten vorgeschlagen. Radio-Chefredakteur Hannes Aigelsreiter hat sich indes nach APA-Informationen für Andreas Jölli ausgesprochen. Die Entscheidung liegt nun bei ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz.

Weinzettel ist derzeit als Wortchef und stellvertretender Chefredakteur bei Radio Wien tätig. Jölli kommt aus der Radio-Innenpolitik und hat diese seit über einem Jahr bereits interimistisch geleitet. Die Redakteure der Radio-Information sprachen sich zuletzt wiederholt für Stefan Kappacher oder Jölli aus, die bei einer Abstimmung der Redakteursversammlung die meiste Zustimmung erhalten hatten. Im offiziellen ORF-Hearing landeten Weinzettel, Kappacher und Jölli auf dem Dreiervorschlag.

Weinzettl steht für den Job zur Verfügung, wie er der APA sagte. Dass er im Gespräch mit Redakteurssprechern erklärt haben soll, er könne den Job nicht übernehmen, sollte Aigelsreiter nicht ihn, sondern einen anderen Kandidaten favorisieren, wies er zurück und meinte, er sei hier "falsch zitiert" worden. Vielmehr gehe er "davon aus, dass der Chefredakteur die Entscheidung des Radiodirektors beziehungsweise der Geschäftsführung mitträgt".

Für Redakteure ist Weinzettl "parteipolitisch gewünscht"

Der ORF sieht in Weinzettl einen "sehr guten innenpolitischen Journalisten mit Führungserfahrung", die Redakteure der Radio-Information sehen in ihm hingegen einen "parteipolitisch gewünschten Kandidaten". Die Radioredakteure haben deshalb am Dienstag in einem der APA vorliegenden Mail an ORF-Chef Wrabetz ihr "Unverständnis" über die Vorgangsweise bekundet. Für die Redakteure der Radioinformation sei "wesentlich und unverzichtbar, dass nur eine fachlich unbestrittene, kompetente Persönlichkeit das journalistische Spitzenniveau dieses Ressorts führen kann". Die Radioinformation dürfe nicht "mit dem Geruch einer parteipolitischen Punzierung belastet werden".

Gerade in einem Wahljahr wäre es nach Meinung der Radioredakteure eine "massive Schwächung der Glaubwürdigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, wenn ausgerechnet die Radio-Innenpolitik von jemandem ohne Erfahrung in der innenpolitischen Berichterstattung geleitet würde". Zugleich wäre es "äußerst schädlich" für den exzellenten Ruf der politischen Unabhängigkeit der Radio-Information des ORF. "Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit sind Grundvoraussetzungen für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk", schreiben die Redakteurssprecher an Wrabetz.

Die Redakteure machen sich einmal mehr für Kappacher oder Jölli als neuen Innenpolitik-Chef stark und sprechen Chefredakteur Aigelsreiter das "volle Vertrauen" aus. Kappacher und Jölli seien "erfahrene Innenpolitik-Journalisten mit erwiesener bester Fachkompetenz und ohne jede parteipolitische Schlagseite". Selbst der "Anschein einer parteipolitischen Besetzung der Innenpolitik - statt einer aus dem Kreis der selbst in der kritischsten Öffentlichkeit überaus anerkannten Redaktion - würde größten Unmut unter den ORF-Journalistinnen und -Journalisten ebenso wie in breitester Öffentlichkeit hervorrufen".

(APA)

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4 Kommentare
Gast: Hacklwerfer
01.11.2012 19:26
0 0

Passt zur "Zwangsregistrierung" im Presse-Forum...

WANN endlich - werden die Ösis munter?

Gast: Baur4
01.11.2012 16:20
1 0

Wien in Nordkorea oder China

Die Parteizentrale entscheidet welcher ausgewählte Parteigenosse für den Staastfunk qualifiziert ist.

Gast: ökono-mist
01.11.2012 13:14
0 0

Nehmt's doch die Frau Knackal und ihr Mausizahndi!


Der Herr Ingenieur Breitfuß mit seiner Wut im Bürgerbauch wäre zwar für den Bürger die Idealbesetzung. Für die paar parteipoltischen Tscherfl'n, die mit mehr als 500 Jahresmillionen an Bürger-Zwangsgeld die Massensuggestionsorgel ORF fernsteuern und - gratis, aber nicht umsonst - für teure private (und oft genug rechtsstaatshygienisch alles andere als astreine) Kolportier- und Lancierzwecke verwenden dürfen, kommen die aber wohl nicht in Frage.

Und die Demokratie und der Rechtsstaat haben weiterhin Funkstille. So ist es allen Diktatoren (egal, ob bei Zeitungen oder im Rundfunk-Milieu) am liebsten: Funkstille für Volkes Stimme. Frei nach dem Orbán'schen Verfassungsgrundsatz, nur ungefährliche kommunikative Einbahnen zuzulassen. Ansonsten würden sie sich ja nicht mit derartiger Vehemenz bei der Personalauswahl einbringen. Das freche Kappen des - bürgerzwangsfinanzierten! - Leserforums auf ORF.at ist ja schon fast ein schlagender Beweis dafür, daß es da in den Hinterzimmern nicht mit rechten Dingen zugehen kann.

P. S.: Auf solche Ausnahme-Bedingungen konditionierte Gewohnheitstiere unter Mitarbeitern und Sehern machen das Dilemma perfekt.

Antworten Gast: ökono-mist
01.11.2012 15:07
0 0

Re: "Nehmt's doch die Frau Knackal und ihr Mausizahndi!"

Korrektur:
Der letzte Satz wäre durch die (vergessenen) Hörer zu ergänzen. Danke!