Das ORF-Radio soll einen neuen Innenpolitikchef bekommen. Just vor dem Superwahljahr 2013 mit der Bundesheervolksbefragung, einer Nationalrats- und mehreren Landtagswahlen – da seien „alle sehr hellhörig, wenn jemand von außen in die Redaktion kommen soll“, heißt es in der Radio-Information. Nach Ansicht der Redakteure sollte es sich um jemanden handeln, der journalistische Erfahrung in der Innenpolitik mitbringt. Nun hat Radiochef Karl Amon bereits seine Entscheidung bekannt gegeben: Er will Edgar Weinzettl auf den Chefsessel hieven. Doch dem derzeitigen Wortchef und stellvertretenden Chefredakteur von Radio Wien, den in der Radio-Innenpolitik „keiner kennt“, wie mehrere Quellen der „Presse“ erklärten, weht ein eisiger Wind entgegen.
Grund der Skepsis: Weinzettl sei „in der Innenpolitik nicht verankert – weder bei Journalisten noch bei Politikern“. Er sei zwar „kein Parteimensch“, aber seine Nähe zum roten Wien sei „kein Geheimnis“, so die Einschätzung der Kollegen. Die Ablehnung gegen Weinzettl sei nichts Persönliches – sie würde auch gelten, „wenn ein Schwarzer aus dem Landesstudio Niederösterreich nominiert wäre“, sagt einer. Vielmehr gehe es hier „um das System“: „Schon nach dem SPÖ-Sommerfest hat es geheißen: Die Roten kriegen die Innenpolitik.“ Dagegen werde man sich wehren: „Wir wollen von keiner Partei dominiert werden.“ Die Redakteure wollen einen unabhängig agierenden Journalisten als Ressortchef. So wie den früheren Innenpolitikchef Hannes Aigelsreiter, der zum Radiochefredakteur avancierte: „Der hat eine gelebte Tradition aufgebaut, dass bei uns keiner dreinredet“, sagt ein Redakteur. So leben es auch sein interimistischer (und, wenn es nach Aigelsreiter geht, auch definitiver) Nachfolger Andreas Jölli sowie Stefan Kappacher, der wiederum Jölli in dessen Abwesenheit vertritt. Beide gelten als Favoriten der Redaktion: Bei der Abstimmung der Redakteursversammlung erhielt Kappacher im ersten Durchgang 15 Stimmen, Jölli 13 – Weinzettl nur eine. Der zweite Wahlgang endete 26 (Kappacher) zu 19 (Jölli).
Versammlung und Flashmob geplant
Für Montagmittag wurde im ORF-Radio zu dem Thema eine Redakteursversammlung einberufen. Am Dienstag wollen sie in der Mittagspause in einem Flashmob vor dem Funkhaus protestieren – und dürfen sich der Sympathien der Kollegen aus dem ORF-Fernsehen gewiss sein. So twitterte etwa „ZiB2“-Anchor Armin Wolf, dass in einem Wahljahr wie 2013 „ein Innenpolitik-Routinier als Ipo-Chef wohl selbstverständlich“ wäre. Die letztgültige Entscheidung trifft ORF-General Alexander Wrabetz – nach einem noch ausstehenden Gespräch mit Redakteursvertretern – kommende Woche.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.11.2012)

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