BBC-Krise: Ein maßloser "Golden Handshake"

Weitere Manager des größten Medienbetriebes der Welt müssen wegen der missglückten Berichterstattung über Kindesmissbrauch gehen. Eine enorme Abfindung für Kurzeit-BBC-Chef Entwistle sorgt für Wirbel.

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(c) EPA (ANDY RAIN)

London/Jk. Es ist zwar nicht das von der „Daily Mail“ herbeigeschriebene „Blutbad bei der BBC“: Doch wegen des Skandals um die missglückte Berichterstattung über Kindesmissbrauch beim größten Medienbetrieb der Welt müssen zwei weitere Manager ihre Ämter ruhen lassen: Nachrichtenchefin Helen Boaden und ihr Vize Stephen Mitchell wurden bis zur Klärung der Vorwürfe beurlaubt.

Auch der Chef des obersten Aufsichtsgremiums „BBC-Trust“, Lord Chris Patten, steht unter Druck: Der frühere Gouverneur von Hongkong hatte am Wochenende BBC-Chef George Entwistle ein Jahresgehalt (zirka 450.000 Pfund bzw. 563.000 Euro) Abfindung versprochen, um dessen schnellen Abgang zu erkaufen. Vertraglich hätte dem glücklosen Manager, der nur 54 Tage amtierte, aber nur die Hälfte davon zugestanden. Premier David Cameron ließ verbreiten, dass diese Summe der Öffentlichkeit kaum zu vermitteln sei. Mehrere Abgeordnete fordern deshalb Pattens Rücktritt.

Im Oktober musste der Sender zugeben, dass sein Magazin „Newsnight“ einen Bericht über Missbrauchsvorwürfe gegen den inzwischen verstorbenen BBC-Starmoderator Jimmy Savile kurz vor Ausstrahlung zurückgezogen hatte. Die Brit-Ikone soll jahrzehntelang hunderte Mädchen missbraucht haben, die BBC hat einschlägige Gerüchte nie verfolgt. Vor Tagen musste sich der Sender für einen „Newsnight“-Bericht entschuldigen, in dem ein konservativer Politiker fälschlich des Kindesmissbrauchs geziehen worden war.

Kaum im Amt sorgte gestern BBC-Interimschef Tim Davie für Aufregung, als er ein Interview im Konkurrenzsender „Sky News“ abbrach; ein Missverständnis, hieß es. Zuvor hat er angekündigt, die komplizierten Dienstwege im Haus zu verkürzen. Hauptziel sei, das verlorene Vertrauen wiederherzustellen. Auch Patten, der einst scherzte, die BBC habe mehr Führungskräfte als Chinas KP, hatte „radikale Reformen“ angekündigt.

 

Fügsame Leute, zu viele Manager

Nun kritisieren prominente BBC-Mitarbeiter die Senderkultur: Seit der Krise 2003, als die BBC der Regierung vorwarf, einen Bericht über Massenvernichtungswaffen im Irak aufgeblasen zu haben, sei man feig geworden und habe „fügsame Leute“ angestellt, so „Newsnight“-Moderator Jeremy Paxman. Programmgelder seien zugunsten von mehr Managern gekürzt worden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.11.2012)

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