Vom Plagiat bis zur Geschichte des SMS

16.11.2012 | 18:32 |   (Die Presse)

Ö1 fasst den Medienbegriff in seiner Schwerpunktwoche bis 25.11. ziemlich weit. Ein echter roter Faden lässt sich in den über 40 Sendungen nicht erkennen.

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Wüsste man nicht, dass das Team von Ö1 schon dem seit Sommer an der am Freitag gestarteten Schwerpunktwoche Medien feilt, man wäre geneigt zu denken, er sei spontan und aus aktuellem Anlass ins Programm gehoben worden. Just in der Woche, in der etwa die deutsche „Frankfurter Rundschau“ Insolvenz anmelden musste und bekannt wurde, dass der Verlag Gruner+Jahr darüber nachdenkt, die "Financial Times Deutschland" einzustellen.

Doch der Medienschwerpunkt auf Ö1 (bis 25. November) geht weit über Berichte zur wirtschaftlich schwierigen Lage der Printmedien hinaus – vielleicht sogar zu weit. Ein echter roter Faden lässt sich in den über 40 Sendungen nicht erkennen. Da wird heute, Samstag, „Standard“-Grüner Oscar Bronner geehrt („Diagonal“, 17.05 h) und in den „Hörbildern“ (9.05 h) der Hintergrund der AfghanLeaks erörtert. Es geht um soziale Netzwerke, Suchmaschinen, um religiösen Fundamentalismus im Internet, Plagiate, die Geschichte des Radiohörens (22.11., „Journal Panorama“), um „Die Freiheit der Medien“ (Radiokolleg, Mo–Do, 9.05 h) und „Die Macht des Wortes in den Medien“ (Diskussion mit Erhard Busek und Jean Ziegler, 21.11., 21 h).

Auch wenn es stets heikel ist, über Dinge zu berichten, die einen selbst betreffen, fällt auf, dass die aktuellen Debatten wie die prekäre Beschäftigung der freien ORF-Mitarbeiter und die umstrittene Besetzung des Radio-Innenpolitikchefs Edgar Weinzettel in diesem Schwerpunkt nicht vorkommen.

Ein kleiner korrigierender Nachtrag sei hiezu angemerkt: Ganz stimmt das nicht. Auf Nachfrage bei Ö1 hieß es zunächst, dass es zu diesen Themen keine gesonderten Sendungen oder Hinweise geben werde. Erfreulicherweise nahm aber u.a. in der Sendung "Journal Panorama" vom vergangenen Montag Stefan Kappacher sehr wohl Bezug auf den Protest der Radioredakteure gegen die Besetzung von Weinzettel und wies auch daraufhin, dass die freien Mitarbeiter des ORF seit nun fast einem Jahr um eine bessere Bezahlung und faire Arbeitsbedingungen kämpfen. Ausführlicher berichtet wurde aber dennoch über die Konkurrenz der Printmedien. awa

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.11.2012)

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