Die „Legende“ bleibt im Bild

30.11.2012 | 18:29 |  ANNA-MARIA WALLNER (Die Presse)

Markus Lanz interviewt Thomas Gottschalk: Was Verbrüderungsgeste sein sollte, wurde zum Kräftemessen.

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Gleich vorweg: Niemand hat dieses Gespräch zwischen Markus Lanz und Thomas Gottschalk dringend gebraucht – außer die zwei, das ZDF und vielleicht ein paar treue Fans der beiden. Neugierig waren wir trotzdem ein bisschen, wie denn das sein würde, wenn sich der alte und der neue „Wetten, dass..?“-Moderator gegenübersitzen.

Und wie war's dann? Erwartbar harmonisch in erster Linie, aber mit Raum für durchaus subtile Sticheleien in beide Richtungen. Schon sehr früh will der neue Wett-Mann Lanz seinen Vorgänger festnageln: Ob sich der mit dem Aufhören schwertue, ob er ohne das Rampenlicht leben kann, will er wissen. Gottschalk weicht zunächst aus, antwortet dann brav „Ich werde es irgendwann müssen“ und schießt drei Sätze später bissig nach: „Es muss ja nicht der große Samstagabend sein, es reicht auch so eine kleine Veranstaltung wie hier zum Beispiel.“ Lanz, ganz Profi, überspielt den Seitenhieb und springt weiter zwischen betulichen Fragen zum Privatleben und angriffslustigen Bemerkungen zur Karriere hin und her. Hartnäckig bleibt er bei Gottschalks jüngster Niederlage mit der Vorabendshow in der ARD, die nach wenigen Monaten wegen niedriger Quote abgesetzt wurde. Gottschalk faselt gespielt offen etwas von, so sei eben das Geschäft. Ist das Größe oder bloß eitle Geschwätzigkeit? Erst als Lanz sagt: „Du warst eine Legende“, korrigiert ihn der Ältere ernst: „Sagen wir mal, ich bin eine Legende.“

Durch die kleinen Seitenhiebe wird aus der geplanten Verbrüderung eher ein Kräftemessen zwischen zwei Vollprofis aus dem Showgeschäft. Mit jeder Pointe buhlen sie um Gunst und Lacher des Publikums. Erzählt der eine von einem Treffen mit Bill Gates, hat den natürlich auch der andere getroffen. Das wird mit der Zeit ziemlich anstrengend. Was sie nicht sagen, erkennt der Zuseher auch so: Lanz ist der viel bessere, ja sogar einfühlsamere Interviewer, Gottschalk der bessere Entertainer, bei der Eitelkeit liegen sie gleichauf. „Wetten, dass..?“ hätten sie so jedenfalls nicht moderieren dürfen.

 

E-Mail: anna-maria.wallner@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.12.2012)

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1 Kommentare

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