Susanne Schnabl: "Kärnten ist wunderschön"

Die 32-jährige Susanne Schnabl ist das neue Gesicht des Politikmagazins »Report«. Sie will der Sendung einen frischeren, anderen Zugang verpassen.

Susanne Schnabl Kaernten wunderschoen
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Susanne Schnabl Kaernten wunderschoen
(c) ORF (Hans Leitner)

Eines hat sie sich von den Politikern bereits abgeschaut: Die hohe Kunst der Diplomatie, auch wenn die heute längst nicht mehr zum Standardrepertoire jedes Politikers gehört. Doch Susanne Schnabl kann die ausgelegten Fallen von Journalistenkollegen charmant umgehen. Die Frage nach ihrem Heimatbundesland Kärnten haben ihr zuletzt viele gestellt, zu einer Analyse der Kärntner Politik lässt sie sich dennoch nicht hinreißen. Sie sagt stattdessen trocken: „Ich finde Kärnten landschaftlich wunderschön.“ Deshalb und auch wegen ihrer Familie ist sie regelmäßig auf Besuch in Glanegg im Bezirk Feldkirchen. Eine kleine Spitze erlaubt sie sich dann doch: „Wenn Innenpolitikredakteure zu Gerichtsreportern mutieren, wie zuletzt, dann sagt das alles über die Verfasstheit der derzeitigen Landesregierung aus.“

Susanne Schnabl wird ab Dienstag das ORF-Politmagazin „Report“ moderieren – und auch wenn es reiner Zufall ist, bekommt die Sendung damit zum zweiten Mal eine Kärntnerin als Aushängeschild. Vorgängerin Gabi Waldner, gebürtige Villacherin, zieht sich nach drei Jahren im „Report“ auf eigenen Wunsch aus dem ORF-Fernsehen zurück, weil sie sich beruflich verändern will. Ihre Rückkehr als Vizechefredakteurin in die Radio-Information, wo sie seit 1996 tätig war, gilt als fix.

Schnabl hatte sich in mehreren Castings durchgesetzt, wobei ihr die Interviewerfahrung aus der „Pressestunde“ geholfen haben dürfte. Im ORF begonnen hat sie vor gut zehn Jahren, damals noch neben dem Studium der Germanistik in Graz im Kärntner Landesstudio. Nach Stationen in der Nachrichtenredaktion von Ö3 und in der Innenpolitikredaktion des Hörfunks landet sie 2010 in der „Zeit im Bild“-Redaktion. Gar nicht lange überlegt habe sie, als sie in diesem Herbst gefragt wurde, ob sie den „Report“ moderieren wolle (redaktioneller Leiter bleibt weiterhin Robert Wiesner). „Bei so einem Angebot kann man nur ganz schnell ,Danke‘ sagen und lächeln.“


Die nächste Generation. Dass der „Report“ zuletzt der Kritik ausgesetzt war, er sei zu wenig aktuell, bringe zu wenig Aufdeckergeschichten, hat Schnabl mitbekommen. Die Kritik kann sie nicht ganz nachvollziehen und sie gibt zu bedenken, dass das Team bei zeitintensiven Recherchen für investigative Geschichten an seine Grenzen stößt. „Wir bemühen uns, ab sofort einen frischeren, anderen Zugang zu finden.“ Wie der aussehen soll, sagt sie freilich nicht. Da sie elf Jahre jünger als Vorgängerin Waldner ist, sieht sie sich als „die nächste Generation“. Das werde der Zuseher merken.

Kern der Sendung bleibt das Liveinterview mit einem Politiker. Dafür fühlt sie sich auch deshalb gewappnet, weil sie sich viel mit Machtstrukturen in der Politik beschäftigt und zu diesem Thema promoviert hat. Einen Wunschinterviewpartner hat sie derzeit nicht – und auch keine Idee, wie man Frank Stronach interviewen kann: „Die Strategie muss erst gefunden werden.“ Es solle auch keine Talkshow sein, sie wolle ihren eigenen Stil finden. Die „Eleganz“ einer Anne Will und die „unkonventionelle Art, Fragen zu stellen“ von Maybrit Illner imponieren ihr aber.

Die neue Aufgabe wird Schnabl, die mit ORF-Kollege Thomas Wunderlich verheiratet ist, neben einer anderen Herausforderung angehen: Der gemeinsame Sohn ist 15 Monate alt.

Gibt es etwas, das sie im Rückblick auf ihre Karriere bereut? „Dass ich bis auf ein zweimonatiges Feriencamp in Cambridge nie länger im Ausland war.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.12.2012)

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