"Standard": Plötzlich unter einem Dach

22.12.2012 | 18:01 |  von Anna-Maria Wallner (Die Presse)

Dieser Tage beziehen Print- und Onlineredaktion des "Standard" erstmals ein gemeinsames Büro. Vor allem unter Printredakteuren herrscht Angst, von Online verdrängt zu werden.

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Wer zuletzt Mitarbeiter vom „Standard“ zum bevorstehenden Umzug befragte, bekam sehr konträre Antworten: Die Online-Redakteure freuen sich auf das neue Gebäude in der Vorderen Zollamtstraße13 bei Wien Mitte, ihre Kollegen von Print sind eher skeptisch. Der Grund: Erstmals werden die Medien des „Standard“ ein Büro teilen. Bisher waren sie an getrennten Standorten (Print in der Herrengasse, Online in der Wallnerstraße) untergebracht und hatten daher wenig Berührungspunkte, kaum einen Austausch.

Das soll sich im neuen Haus ändern. Doch unter den Printredakteuren herrscht Angst, irgendwann von den jüngeren, internetaffinen Online-Kollegen verdrängt zu werden und das Gemunkel, einzelne Printausgaben, etwa der Montag, könnten irgendwann eingestellt werden, schüren dieses Gefühl noch. Schon jetzt ist die Online-Redaktion mit fast 90 Mitarbeitern ähnlich groß wie jene der Printschwester – und erwirtschaftet mitunter ein besseres Ergebnis. So betrug der Vorsteuergewinn (EGT) 2011 bei Online 3,1Millionen Euro, bei Print 2,7 Millionen. Schon länger hält sich das Gerücht, die Printchefredakteurin Alexandra Föderl-Schmid und die Online-Chefin Gerlinde Hinterleitner hätten nicht das beste Verhältnis, was Entscheidungen mitunter verzögere. Persönlich würden sie sich gut verstehen, sagt Hinterleitner: „Das Gerücht stimmt aber insofern, als es natürlich einen Interessenkonflikt gibt. Wir leiten zwei unterschiedliche Medien mit unterschiedlichen Erfordernissen.“ Diese „Auffassungsunterschiede“ seien normal, betont Föderl-Schmid, so, wie auch die Angst vor Veränderung im Team natürlich sei. Nun aber ziehen die bislang getrennten Teams in eine WG. Die heikelste Aufgabe hat dabei die Neue in der Chefetage: Anita Zielina ist seit Sommer Vizechefredakteurin beider Medien und soll die Zusammenarbeit zwischen Print und Online forcieren. Diese wohnen nun zwar unter einem Dach, bleiben aber in getrennten Etagen (Online im Newsroom im Erdgeschoß, Print im ersten Stock), nur zwei Printredakteure beziehen ihren neuen Schreibtisch auf ausdrücklichen Wunsch bei den Online-Kollegen.

Kann sich „Der Standard“ einen Umzug in Krisenzeiten überhaupt leisten? Geschäftsführer Wolfgang Bergmann hält sich bei den Kosten des Umzugs bedeckt. Es sei jedenfalls reiner Zufall, dass das Haus gerade jetzt erste Einsparungen bekannt geben musste. Bisher waren die Kürzungen nur Kosmetik: Honorare für Zeichner wie Tex Rubinowitz wurden gestrichen, jene von freien Mitarbeitern gekürzt, Sekretariate zusammengelegt, das alles passiere aber „ohne Entlassungen“, sagt Föderl-Schmid, fügt jedoch hinzu: „Auch wir müssen wie alle Medien sparen.“ Der Sparkurs werde auch 2013 fortgesetzt, kündigt Bergmann an. Er hofft zwar, dass es nicht zu Kündigungen kommen werde: „So wie niemand die Konjunktur vorhersehen kann, kann auch niemand diese Entwicklung vorhersehen.“

Das Gebäude

Seit 7. Dezember siedelt das rund 500-köpfige Team des „Standard“ in die die Vordere Zollamtsstraße 13. An diesem Wochenende folgte die Printredaktion, das Online-Team siedelt ab 27. 12.

Früher eine Bank. Seit 2008 steht das Gebäude, das der Signa Holding gehört, leer, davor war hier die Zentralsparkasse beheimatet. Der „Standard“ nutzt nur EG, 1., 2. und ein Viertel des 3. Stocks. Weiterer Mieter ist die Agentur Mediacom.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.12.2012)

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5 Kommentare

Die Geschichte der neuen Standardadresse:

1) Haus der Bank Austria !
2) Vorher Zentralsparkasse der Gemeinde Wien !
3) Vormals das schöne Bürgertheater !
LG
Franz aus Wien
Im 3. aufgewachsen !!

ok, Föderls "Ich erklär die Welt"-Kommentare

sind mir ein Begriff. Aber was schreibt eigentlich Hinterleitner? Hab noch nie einen Text von ihr gesehen, glaub ich.

Schade drum

Nachdem Föderl-Schmid nun Co-Herausgeberin ist, kann sie sich anschicken nach der Printausgabe (die Abonnenten fliehen gerüchtweise in Scharen) auch die Online-Ausgabe kaputt zu machen. Schade drum, las ich immer wieder gerne.

Frohe Weihnachten...

"Interessenkonflikt" ist noch ein nettes Wort, GH ist abmontiert, alle wissen das, sie auch.

Das wird wie immer in dem Haus gelöst, die wird so lange demütigt bis sie selber geht.

„ohne Entlassungen“ haben sich zu Jahresende ja auch schon viele andere verabschiedet, alle natürlich ganz freiwillig und auf eigenen Wunsch.

Entgegen der häufigen Besitzermeinung in Medien sind die Söhne halt nicht immer die besten Nachfolger. Diese Visionslosigkeit und Führungsschwäche ist gerade jetzt bitter und für alle schwer zu ertragen.


standard als print

ist super. das papier brennt viel besser als das von der presse, vom kurier der von den salzburger nachrichten. kein witz.



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