Hannelore Veit: "Ich mag Amerika"

28.12.2012 | 18:53 |  ISABELLA WALLNÖFER (Die Presse)

Sie wird als erste Frau eines der großen ORF-Korrespondentenbüros leiten: Hannelore Veit übersiedelt von der "Zeit im Bild" in die USA. Eine Globetrotterin war sie schon immer.

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Die Presse: Sie leiten ab Jänner das ORF-Korrespondentenbüro in Washington. Schon gepackt?

Hannelore Veit: Nein. Nur die Möbel sind schon verschickt, denn die brauchen länger. Ich fliege am 3. Jänner und werde als erste Frau ein großes ORF-Büro leiten – das war auch höchste Zeit. Auch in Brüssel oder Berlin waren Frauen bisher nur zweite oder dritte Korrespondentin, nie Chefinnen.

 

Sie haben einen Dreijahresvertrag. Heißt das, Sie werden bei der nächsten US-Präsidentenwahl vielleicht gar nicht dabei sein?

Ich denke, wir können davon ausgehen, dass ich von der nächsten US-Wahl aus Washington berichte. Ich hoffe, dass es dann eine Frau als Kandidatin gibt – vielleicht Hillary Clinton, die sich gerade erholen muss. Sie hat sich in den vier Jahren als Außenministerin einen hervorragenden Ruf erworben und steht in den Umfragen sehr gut da.

 

Amerika – das ist ja eigentlich Ihr Fachgebiet.

Ich mag Amerika, weil es ein riesiges Spektrum hat – geografisch, aber auch von den Menschen her. Es gibt extrem urbane Städte und daneben das Land, wo die Leute extrem konservativ sind, mit manchmal skurrilen Vorstellungen, die man Europäern kaum vermitteln kann – etwa dass das Recht, eine Waffe zu tragen, in der Verfassung steht. Ich habe American Studies studiert – mit Hauptfach Politologie, dazu Geschichte und Literatur, alles US-bezogen. Das war an der University of Notre Dame in Indiana – eine super Uni, verloren zwischen Maisfeldern.

Und danach?

Dann habe ich für den Radiosender Voice of America gearbeitet. Bei den Amerikanern habe ich Journalismus gelernt – im Osteuropa-Büro in Wien. Damals gab es noch den Eisernen Vorhang und wir berichteten über umliegende Warschauer-Pakt-Staaten, die KSZE-Konferenz und manchmal aus Russland, wenn die unseren Korrespondenten dort wieder einmal rausgeschmissen hatten.

 

Sie waren auch in Tokyo.

Ja, vier Jahre lang habe ich dort für einen kleinen privaten Wirtschafts-TV-Sender gearbeitet. Das war ein Kulturschock, weil man immer ein Außenseiter bleibt. In Amerika habe ich dieses Gefühl nie gehabt. Nach vier Jahren wollte ich zurück nach Europa – und der ORF suchte Moderatorinnen.

 

Von Tokyo in die „Zeit im Bild“ – das muss auch ein Kulturschock gewesen sein.

Ja. (Lacht.) Ich bin aus Japan gekommen, Wolfram Pirchner aus Tirol – das war eine wunderbare Mischung. Ich habe 1993 begonnen und hätte nie gedacht, dass ich so lange bleiben werde. Aber dann sind die Kinder gekommen, und es ist eben viel einfacher, einen fixen Job mit meistens fixen Arbeitszeiten zu haben.

Was werden Sie am meisten vermissen?

Die Sondersendungen. Die „ZiB“ selber, das ist ja viel Routine. Aber bei einer Sondersendung kann man nichts vorbereiten – bei der US-Wahl war ich die ganze Nacht im Einsatz. Am Ende habe ich schon nicht mehr gewusst, was ich die Korrespondenten noch fragen soll, weil es so lange gedauert hat, bis der Sieg von Barack Obama offiziell war.

Wien wird Ihnen nicht abgehen?

Bei Wien fällt mir nichts ein. Ich lebe gern in einer neuen Stadt und mag Veränderungen. Konzerte, Theater waren mit meiner Arbeit bei der „ZiB“ zeitlich praktisch unvereinbar. Und wenn man 15 Tage im Monat sehr lang arbeitet und Kinder hat, will man nicht auch noch abends unterwegs sein. Da habe ich ein Defizit – vor allem was das Theaterleben angeht! Das wird für mich in den USA einfacher, wegen der Zeitverschiebung – ich bin dann spätestens am Nachmittag zu Hause.

Wie haben Sie sich vorbereitet?

Ich versuche, möglichst viel zu lesen – vor allem Zeitung. Außerdem war ich ein paar Tage beim Radio und habe Radioschnitt neu gelernt. Als ich das letzte Mal schneiden musste, hat man ja noch Bänder richtig auseinandergeschnitten und geklebt. Jetzt geht alles digital. Und wir Korrespondenten machen Fernsehen und Radio.

 

Fehlt noch das Internet für die Trimedialität.

Ich will die Zusammenarbeit mit ORF.on forcieren. Wir können Audio- und Video-Files schicken und Texte für ORF.on liefern.

 

Werden Sie bloggen?

Ich werde mich zwingen müssen. Zumindest zum Twittern – auch das habe ich noch nicht gemacht.

Hannelore Veit studierte Dolmetschen (Englisch, Spanisch) an der Universität Wien und ein Masterstudium an der University of Notre Dame in den USA (American Studies). Sie arbeitete als Radiokorrespondentin für „Voice of America“, war für den „European Business Channel“ Japan-Korrespondentin in Tokyo. 1993 kam sie zur „Zeit im Bild“. Ab Jänner 2013 wird sie das ORF-Büro in Washington leiten. Insgesamt hat der ORF 26Korrespondenten in 16 Büros weltweit.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.12.2012)

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32 Kommentare
 
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Frau Veit

wirkte immer sehr nett, elegant und angepasst.

Hätte Wrabetz sie in einen Ostfriesischen Leuchtturm verfrachtet, sie würde es wahrscheinlich mit gleichem Pflichtbewusstsein tun.


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gemeine kommentare

ich glaub da hat jemand nix vom christkind bekommen...

Alle Negativposter scheinen ja Hannelore Veit persönlich bestens zu kennen?

Oder etwa doch nicht? Nicht jeder, der beim ORF arbeitet, hat auch die dort sicherlich vorherrschende parteipolitische Richtung!

Ich verstehe die hasserfüllten Postings weiter unten nicht!

Warum gibt es gerade hier offensichtlich so viele "Feinde" von Hannelore Veit? Sie ist blitzgescheit, hat das selektivste aller Studien, nämlich Simultandolmetschen (Ausfallsquote so um die 98%!!) abgeschlossen, bei einem Studienjahr in den USA noch ein Master`s Degree für Publizistik gemacht und ist trotz ihrer Intelligenz und Karriere ein sehr netter, umgänglicher Mensch geblieben!

Sie ist definitiv keine "Quotenfrau" und auch keine "Parteigängerin"!

Re: Ich verstehe die hasserfüllten Postings weiter unten nicht!

WAS MICH AN IHR GESTÖRT HAT

Eine Hirnakrobatische Merkfähigkeitsintelligenz (die Glückstrommel aller Gen-Bevorzugten) sei ihr von ganzem Herzen vergönnt.
Ihre audiovisuelle Bildschirmpräsenz war mir trotzdem ein (…) Kümmernis. Sie wirkte auf mich wie eine „Burgherrin“ die mit dem letzten Glockenschlag die unheilvollsten Nachrichten völlig emotionslos unters Sehervolk brachte.

Re: Ich verstehe die hasserfüllten Postings weiter unten nicht!

Aber sie hackelt doch im Rotfunk und hat kein Wischperl. Das reicht für den gemeinen Presse-Poster schon, dass sie für alles komplett ungeeignet ist. Sind schon ein Paar ganz traurige Figuren unterwegs hier.

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Re: Ich verstehe die hasserfüllten Postings weiter unten nicht!

für orf-Verhältnisse geht die eh', nur der orf gehört abgeschafft

7 1

falsches Ressort

orf hat mit Kultur nix zu tun.

im Bericht des Privilegien-Stadls orf zur Erfüllung des Kulturauftrages kam mehr als ein Mal Fußball vor....

kein Scherz, sondern orf - Niveau

Ja Fr. Veit, bei Ihrem Gehalt, und wenn ich drüben alles bezahlt bekommen würde, dann würde ich auch Amerika mögen!!! lol Ich hätte mir erwartet Sie verraten uns WAS sie eigentlich dort tun?


Re: Ja Fr. Veit, bei Ihrem Gehalt, und wenn ich drüben alles bezahlt bekommen würde, dann würde ich auch Amerika mögen!!! lol Ich hätte mir erwartet Sie verraten uns WAS sie eigentlich dort tun?

"die Möbel sind schon verschickt..." aber doch nicht auf private Rechnung ! Die Frage ist tatsächlich: "was erhält der zwangsbeglückte ORF-Seher für seine Gebühren und wofür werden sie verwendet ?"
Fairerweise muss man die Frage stellen: "wie soll die ORF Auslandsorganisation mit Giganten von ARD oder ZDF konkurrieren?"
Allerdings kommt dann zwangsläufig die nächste Frage: "ist das überhaupt noch sinnvoll ?"

Re: Ja Fr. Veit, bei Ihrem Gehalt, und wenn ich drüben alles bezahlt bekommen würde, dann würde ich auch Amerika mögen!!! lol Ich hätte mir erwartet Sie verraten uns WAS sie eigentlich dort tun?

vorher haben Sie uns die "Nachrichten" aus dem Zettel vorgelesen, was werden Sie jetzt machen?

Eine kompetente Frau, zweifellos ...

Dass sie allerdings als Journalistin die unselige Gleichsetzung von "USA" mit "Amerika" weiterführt, sollte wirklich nicht sein.

11 3

4000. orf - Beamte und ihre Privilegien

der Orf ist und bleibt Boulevard samt Landeshauptmann - Huldigungs - Funk

was ist an der Product - Placement - Anstalt samt ihren Familien - Clans berichtenswert?!

Re: 4000. orf - Beamte und ihre Privilegien

Nur was hat das mit der ZIB zu tun? Du scheinst den ORF rein auf die tv-mediale Spatzenpost in den Landesstudios zu reduzieren.

2 0

Re: Re: 4000. orf - Beamte und ihre Privilegien

Aha - Zib hat nix mit orf zu tun

tolle Info

congratulation

Congratulation Frau Veit, well done!

ich mag amerika seit 1997 nicht mehr

und hab auch dort viele jahre in vielen städten gelebt, gearbeit.

good luck!

12 2

Eine Quotent...i

und ist tief davon überzeugt, gescheit zu sein. Naja, in ORFschen Maßstäben gemessen vielleicht.....

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Auslandsbüros - Wo sich der ORF selbst interviewt ...

lobt und preist - peinlich dünne Wassersuppen werden da in irr teuren Küchen produziert die inhaltlich nicht einmal die Leitungskosten für den Schotter rechtfertigen. Jeder Mittelschüler der des englischen mächtig ist ist per internet besser über die USA informiert als die ORF Zahler.
Die kriegen kaum eine Einladung ins WH und wenn dann spricht mit Ihnen dort nur die Security - die kriegen keine Entscheidungsträger vors Micro. Nicht mal den perfekt deutschsprechenden Putin kann die Scholl anschleppen - und der Settele spricht anscheinend nur mit sich selbst. Wahrscheinlich ist das der eizig gescheite Beitrag zum "Qualitätsauftrag" der grünen SPÖ Orgel ...

American Studies?

Die Dame scheint durch eine Gehirnwäsche bereits politisch erblindet und eignet sich deshalb besonders gut als Korrespondentin in den USA um von dort Hofberichterstattung zu übermitteln. "Ich mag Amerika" - bietet kaum Anhaltspunkte für eine kritische Betrachtung des amerikanischen Wirtschafts- Imperialismus.

16 5

Das klingt nach Quotenfrau.

Aber beim ORF kommt Qualifikation ohnehin an letzter Stelle.
Folgende Kriterien sind wichtig:
1.) Parteibuch (rot oder grün)
2.) Beziehungen
3.) nicht männlich
4.) Qualifikation (nicht zwingend)

Re: Das klingt nach Quotenfrau.

alleine die Verwendung des Begriffs Quotenfrau zeigt welch dummen Geistes sie sind

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Re: Re: Das klingt nach Quotenfrau.

Mann ist das aber keiner....

Tolle Reporterin!

Seit EBC bin ich ihr Fan. Qualitätsjournalismus pur! Viel Erfolg Frau Veit!

Scholl

Ich denke, da hat Frau Veit Susanne Scholl vergessen. Sie war ja auch jahrelange Studioleiterin eines großen Büros: Moskau...

Re: Scholl

Das ist ein Irrtum! Susanne Scholl hat hinter Georg Dox nur in der 2. Reihe gestanden!

 
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Meinung

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